Vorstandsvorsitzende

Täuschung II

Der FAZ-Kommentator: „Die Verurteilung wegen „vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung“ ist eine knallharte Ohrfeige für den einstigen Arcandor-Chef Middelhoff.“ Mag sein. Aber schon im nächsten Satz beginnt der Kommentator mit einer vorsätzlichen sittenwidrigen Täuschung: „Ein solcher Richterspruch kann für einen Geschäftsmann tödlich sein.“ Da hätte ich aber gerne mal den Vorstandsvorsitzenden namentlich erwähnt gelesen, der an sittenwidriger Täuschung nicht reich geworden sondern gestorben wäre. Stattdessen geht es so weiter: „Gerade einmal 2575 Euro muss Middelhoff dem Kläger zunächst nur zahlen, falls das Urteil rechtskräftig wird.“ Falls die „knallharte Ohrfeige“ stattfindet.
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Leistung muss belohnt werden

Zwölf Milliarden Wertverlust hat Ron Sommer als Lenker eines privatisierten Staatsunternehmens, hm, soll ich jetzt schreiben: „zu verantworten“? Trifft es nicht ganz. Das ist so ca. 370.000 mal das Durchschnittsjahresgehalt eines Deutschen, aber im Minus. Gong! Die entschlossenen Wirtschaftslenker, die Topriege der Leistungsträger, die Speerspitze des Erfolges, die Garanten des Wachstums: bewundert, beneidet, bedingst*.

*Gewünschtes bitte einsetzen.
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Suum cuique

Jedem das Seine, denken sich die Vorstandsvorsitzenden und Anteilseigner der großen Energiemonopolisten: Uns der Gewinn von einer Million täglich je altem AKW, dem Steuerzahler und Kunden das gesundheitliche und finanzielle Risiko. Wenn die sich jetzt auch noch gegen die kleinsten Zugeständnisse an eine am Allgemeinwohl orientierte Vernunft sperren und Schadensersatz einklagen möchten, weil ein paar der unkalkulierbaren Risiken abgestellt sind: Was spricht dann eigentlich noch dagegen, die Energiekonzerne gleich zu verstaatlichen? Wäre gut für den verschuldeten Staat und gut für die Konsumenten und Bürger. Müssten die Konzerne für den Schaden aufkommen, den sie bereits mit ihren AKWen angerichtet haben, würden die von selbst und kleinlaut aus der Kernkraft aussteigen. Aber nachdem sie ihren strahlenden Müll durch die Welt karren oder irgendwo hin schmeissen dürfen, wo ihn keiner mehr sieht, machen die weiter als wäre nichts. Es ist ja auch nichts. Man höre und staune: Umweltminister Norbert Röttgen sagte, das Moratorium sei politisch gemeint, nicht rechtlich: "Die Exekutive kann nicht Gesetze außer Kraft setzen." Das heißt nichts anderes als, es gibt kein Moratorium. Es gibt nur Öffentlichkeitsarbeit.
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Ende gut, alles noch viel besser

Heute berichte ich Ihnen ein Wirtschaftswunder in drei Akten mit einem strahlenden Happy End.

1)
2009 zeigte mir die TZ Oma Barbie am Abgrund. Wird sie, verzweifelt wie Merkle, vor den Zug springen?
Bildschirmfoto 2011-03-10 um 10.28.07
Quelle

2)
Heute lese ich dagegen:
"Wieder dabei unter den Superreichen bei Forbes ist Maria-Elisabeth Schaeffler, die im Vorjahr auf Grund der finanziellen Schwierigkeiten ihres Unternehmens nicht als Milliardärin geführt wurde. Mit 9,8 Milliarden kommt die Maschinenbau-Unternehmerin auf Platz 89."

3)
Wie hat sie das nur geschafft? Die IG Metall erklärt es Ihnen:

"Leiharbeit: arm durch Arbeit
Sozialsystem von den Arbeitgebern missbraucht

Nach der vom Arbeitsministerium, dem Deutschen Städtetag und der Bundesagentur für Arbeit jetzt vorgelegten "Halbjahresbilanz Hartz IV" beziehen immer mehr Erwerbstätige nebenher ergänzendes Arbeitslosengeld II. Insgesamt 1,18 Millionen Erwerbstätige waren "Aufstocker" und erhielten ergänzendes Arbeitslosengeld II. Etwa die Hälfte hat nur Minijobs - aber 602.000 sind regulär sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 440.000 davon haben sogar einen Vollzeitjob.Vor allem bei der Saisonarbeit, im Bau- und Gaststättengewerbe und in der Leiharbeitsbranche reichen die Löhne nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Das Sozialsystem würde "von den Arbeitgebern missbraucht", kritisierte Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Städtetags.

Wie am Standort Luckenwalde ist auch an anderen Standorten der Schaeffler Gruppe davon auszugehen, dass vor allem Leiharbeitnehmer ihr Einkommen durch Hartz IV aufstocken müssen, um zu überleben. Das bedeutet: Die Verleihfirmen wie auch die Schaeffler Gruppe bekommen indirekt "Stütze" aus den Sozialkassen.

Inzwischen sind die Löhne in Deutschland so niedrig, dass viele Osteuropäer lieber in Großbritannien anheuern, als in Deutschland für Niedrigstlöhne zu arbeiten.
"

Das Bundesverdienstkreuz am Bande für Frau Schäffler ist bei solchen Wohltaten nur noch eine Formsache und versteht sich von selbst. Das durfte ihr deshalb bereits 2001 der Beckstein an Revers schleimen.

So viel unternehmerisches Engagement will aber natürlich auch von der Bildungselite gewürdigt werden. Für Ihre besonderen Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung verlieh der Freundeskreis der Leibniz Universität Hannover e. V. der Schäfflerschen darum die wahrhaftig so genannte "Karmarsch-Denkmünze".
Den Preis hätte ich ihr auch verliehen. Muss wohl ihr arschiges Karma sein, dass sie immer nur an Münzen denken kann.

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Oh mein Gott! Steve Jobs ist unterwegs zur wundervollsten Erfindung des Lebens

In unserem Wirtschaftssystem geschehen seltsame Dinge. Einem amerikanischen Hersteller von IT-Spielzeug wird ein höherer Firmenwert zugeschrieben als dem größten chinesischen Erdölunternehmen. Wird der Geschäftsführer dieser Gadgetfabrik krank, verringert dieser Vorfall den Wert des Unternehmens um 24 Milliarden Dollar. Von heute auf morgen.

Unsere Art zu wirtschaften darf man wohl als von rationalen Erwägungen und irgendwelchen der Menschheit nützlichen Zwecken restlos befreit betrachten. Spätere Generationen werden die Industrialisierung, die wir als menschheitsgeschichtlich beispiellose Wachstums- und Fortschrittsperiode zu betrachten erzogen sind, vermutlich als das dunkle Kapitel der Menschheit ansehen, das den Müll anbetete, alle Rohstoffe der Erde verfeuerte und gar nicht genug davon kriegen konnte, immer mehr Zeug herzustellen, das allein dem Zweck diente, so bald wie möglich wieder weggeworfen zu sein. Man sieht es dem Planeten längst an, er ist eine Müllkippe und er wird es bleiben, solange sich Menschen von Steve Jobs und seiner Kaste sagen lassen, was sie brauchen und wie viel davon und warum. Jobsoide Führungskräfte sind nicht weise. Sie sagen Dinge wie "That's why I think death is the most wonderful invention of life. It purges the system of these old models that are obsolete." Im Grunde beten sie den Tod an, weil nur er neues "Wachstum" erlaubt. Lauter Priester des Wegschmeissens. Wo sind die Priester des Behaltens? Manufactum? Es gibt sie noch, die guten alten Wegschmeissdinge. Ist doch egal, ob man neues Zeug oder altes wegschmeisst, Hauptsache Geld kommt in Umlauf und Arbeitszeit wird vernichtet. Steve Jobs ist unter den Propheten des Wegschmeisskapitalismus einer der schlimmsten. Er schafft es, dass die Menschen applaudieren und in Ekstase geraten, wenn er, ein leidender Jesus des Konsums, das immer gleiche Passionsspiel mit liturgischer Präzision wiederholt und wiederholt. Nach der Floskel "one more thing" kommt so sicher wie das Amen in der Kirche der nächste Grund, wieder etwas wegzuschmeissen.
Der Herrgottswinkel der Gegenwart ist das Mülltonnenhäuschen. Solange die Tonne täglich voll wird, haben sich die Götter noch nicht von uns abgewandt und schicken uns auch noch die zweitausendste Haarshampoosorte, den hundertsten SUV, die millionste Band, die wie die Beatles klingt, und irgendwann endlich den Apple Fernseher. In dem sehen wir uns dann doppelt so überzeugt die Werbung zu dem ganzen Zeug an, das wir anschaffen dürfen – für die Tonne, wofür sonst.
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Judges Cut

Das ist ja mal hübsch: Der empfehlenswerte Film des NDR zur Maschmeyer-Schröder-e.a.-Connection wird nun als "judges cut " effektvoll zensiert gezeigt. Was lerne ich daraus? Ein Kapitalismus, der Anwälte hat, spart sich die staatliche Zensur.
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Ein Herz für Geld

Gestern Abend gab es eine feine Sendung im Ersten, die das fröhliche Politbordell in Deutschland an einem besonders gelungenen Beispiel etwas beleuchtete. Das ganze Pack in seiner traumhaften Synergie von Politik und privaten Bereicherungsinteressen, auch Opfer kommen zu Wort, denn eins ist klar: Die Geldmenge in jeder Volkswirtschaft ist konstant. Fliessen einem Maschmeyer 500 Mio auf seine Konten, müssen die zuvor andernorts flüssig gemacht worden sein. So entsteht im System immer ganz von selbst eine ausgeglichene Bilanz von Champagner hier und Tränen da. „Der Drückerkönig und die Politik“. Da lohnt sich das glotzen mal, auch wenn es nicht unbedingt froh macht. Sehen, staunen und sich übergeben sind da quasi eins.
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Was die Welt so alles braucht

Die Welt braucht 26.000 neue Flugzeuge für die nächsten 20 Jahre – fragt sich zwischendurch eigentlich auch mal so ein Wirtschaftsweiser, ein Vorstandsvorsitzender, einer von den top-geschulten Industriekapitänen mit den Big-Picture-Visionen für die Zukunft des Kapitalismus, womit die fliegen sollen? Warp? Ach so, der Warpantrieb. Dann wird sicher alles gut.

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Quelle: http://www.dieoff.org/page224.htm
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Fröhliches Politbordell

Wenn Charlotte Roche gerne dem Bundespräsidenten etwas Gutes tun will, dem bereits das Großkapital stets nur Gutes tut, dann tun das alle mit Sicherheit für einen guten Zweck. Der Maschmeyer beispielsweise (Ich habe Freude am Gutsein.) lockt die Schröder, Wulff, Rürup, Rösler, von der Leyen und Westerwelle an seine Geldtröge, damit er sie, die dort vom Glanz geblendet in Anbetung verharren, besser ficken kann: Ich besorg dir den Kanzlerwahlkampf, du besorgst mir das Ende der staatlichen Rentenversorgung. So geht das also, denkt sich die Roche, das kenn ich doch aus meinen Feuchtgebieten, da lässt sich eine nette Aktion draus stricken. Und das Buch geht in die nächste Auflage. Atomenergie hin oder her.
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Soros, die Kassandra unter den Heuschrecken

Wenn einer der wirklich was zu sagen hat, was sagt, sollte man zuhören. Soros, eine der US-Megaheuschrecken, fordert von Deutschland einen Beitrag zur Überwindung der Krise, die er selbst mit Wetten gegen den Euro angeblich noch vergrößert hat. Deutschland solle nicht so verbissen sparen, sonst halten die anderen, im Export schwächeren EU-Länder nicht mehr mit, bleiben auf ihren Gütern sitzen und fallen in eine Deflation: „ Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führte zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie.“ An der dem Soros wieviel liegt? Eben. Warum sagt er es dann? Weil er in der Leiche Europas nicht mehr herumspekulieren kann. Das hat einen gewissen Weitblick, der den deutschen Politikern fehlt, die offenbar glauben, Sie könnten jetzt den zweiten Weltkrieg doch noch im Nachgang gewinnen und die anderen EU-Länder wirtschaftlich unterwerfen. Aber wer soll dann noch die deutschen Autos kaufen, wenn es am Ende heisst: Operation gelungen, Patient tot? Noch geht bissel was: Die klammen Griechen wehren sich zwar ein wenig, sollen aber dennoch deutsche Kampfflugzeuge kaufen, – schließlich erhalten sie von Deutschland üppig Kredit. Wenn die PIGS plus Italien aber irgendwann garnichts mehr kaufen können, was dann? Dann liegt auch der deutsche Export darnieder und der Soros bekommt recht.
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Wofür sich Vorstandsvorsitzende so interessieren

Tony Hayward spart gewinnorientiert einige Tausender bei der Sicherheitstechnik einer Tiefseeölförderanlage ein, zerstört damit für´s erste das Erwerbsleben einiger tausend Menschen, Folgeschäden unbekannt, und spricht dann dazu den Satz: „Ich will mein Leben wiederhaben.“ So winselt der Multimillionär ehe er zur Regatta antritt, weil er ein einziges Mal in seinem Leben dazu gezwungen war, sich für die Folgen seiner Taten öffentlich zu entschuldigen. Und dennoch gibt uns dieser, ich sag mal: Pestfetzen, dieses vertierte Ohrfeigengesicht, diese ölige Schande auf zwei Beinen ein lehrreiches Exempel. So wunderbar ist die Welt eingerichtet, liebe Leser. Denn jetzt ist auch dem eifrigsten Untertanen der Kapitalmaschine klar, was einen Vorstandsvorsitzenden allein interessiert: Nichts außer ihm selbst. Viel Spaß beim Segeln, Tony, und „Mast- und Schotbruch“, aber hallo! Nimm doch den Ackermann mit, bitte! (In meinem Kühlschrank steht eine Flasche Sekt, für den Fall, dass eins meiner Lieblingsekel abtritt. Da steht jetzt auch „Tony „Beyond Punishment“ Hayward drauf. Ich warte.)
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Wenn Technokraten antworten

Ein Journalist fragt Steve Jobs, was sein neuestes Produkt wohl mit einer „Revolution“, also einer erkämpften Freiheit gemein habe. Schließlich sei das ein von Apple sehr reglementiertes, gar nicht auf Freiheit abzielendes Produkt und seine Bewerbung als revolutionäres Gerät damit eine Frechheit. Er meint die Freiheit der Menschen, zu tun oder zu lassen, was sie wollen.
Jobs antwortet darauf mit Datenschutz, Stromverbrauch und seltsam, seltsam, Freiheit vor Pornographie. Mit den Punkten eins und zwei gibt er zu verstehen, dass er die Frage des Journalisten nicht versteht, der dritte Punkt ist wahrscheinlich in Apples Designabteilung bei einem Meeting für „Clean content“ festgelegt worden: „Hey, diese uncoolen Pornoseiten für uncoole Wichser machen das ganze edle Look&Feel auf dem Touchscreen kaputt. Wir wollen sie nicht auf unseren stylishen, magischen Geräten für cleane Werbetussis haben, o.K.? Steve, kannst Du nicht dieses schlimme, hässliche Pornoflash verbieten lassen? Bitte, bitte.“
Am Ende watscht er den Journalisten ab, der solle sich trollen, schließlich habe er noch nichts Großes geleistet. Lies: „... nichts wie meine tolle iPad-Produktinnovation, Du investigativer Wurm.“
Ich weiß ja nicht, was der Journalist noch so vor hat, aber sollte es in die Richtung seiner Frage gehen, dann wird er für Jobs eine Laterne reservieren können.
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iAd

Gibt es dieses Gesetz schon? Wenn nicht, dann wünsche ich, es möge das Doc-Voglsche-Entwicklungsgesetz heissen. Es lautet so:

„Jedes, auch das gehypteste Unternehmen wächst, bis es evil wird.“

Das ist unausweichlich.
Na, so richtig neu ist das Gesetz vielleicht garnicht.
Kenner der Materie flüstern jetzt leise „Gesetz der Kapitalakkumulation“. Aber das versteht heut ja kein iPod-Käufer mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir noch mehr Details über die Geschäftspraktiken von Apple erfahren. Keine davon werden den „Ich-bin-ein-Mac“-Jobsjüngern gefallen, die dem ruchlosesten Vorstandsvorsitzenden nach Josef Ackermann jeden neuen Fetisch mit frenetischem Applaus aus der Hand reissen - und wenn es eine Fernbedienung für 500 Euro ist, Verzeihung, ein iPad.
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Die Botschaft der Engel

Die ev. Kirche lädt mich ein zu einer Veranstaltung

im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral

Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.

Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.


Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.
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Wie einer wird, was er ist

Hübsch: Eine Sonnenbrille reicht und Josef Ackermann wird zu Tony Soprano:
http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/464/496776/text/
Mit Junk-Bonds und Schrottzertifikaten ist er ja auch schon ganz wörtlich im Müll-Business der Sopranos angekommen. Einen entscheidenden Unterschied zwischen Ackermann und Soprano gibt es allerdings: Die Gewalt des Bankers zerstört das Leben vieler Menschen, ohne dass er zum Baseballschläger greifen müsste. Er greift zum vergoldeten Füllhalter.
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Empörte Steinewerfer im Glashaus

Die Nepalesen. Die machen so Sachen, so archaische. Opfern geschätzte 300.000 Viecher einer noch mehr geschätzten Hindugottheit. Ein Gemetzel:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/249/495573/text/
Vor Empörung verschlägt es der SZ gleich die Sprache, wenn das weltweit „größte Tieropferfest ... in Kathmandu tobt.“ Während unsere tierlieben Abergläubigen weltweit das Fest der freien Marktwirtschaft feiern, stirbt alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger.
Einer der religiösen Teilnehmer spricht so: "Meine Tochter hat vor zwei Jahren geheiratet und ich hatte versprochen, ein Tier zu opfern, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Ich weiß, dass Opferungen keine gute Idee sind. Aber ich habe Angst, dass die Göttin böse wird, wenn ich mein Versprechen nicht halte.“
Nur mal als Frage in den Raum gestellt: Ob eventuell die Schamanen der Marktwirtschaft, wie beispielsweise Westerwelle, Hundt, Ackermann oder der Fischer, Angst haben, dass die Göttin der Gewinnmaximierung böse wird, wenn nicht mehr genügend Menschen dem Profit geopfert werden?
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Der Patriarch und die Frau Käsmann

Die Russisch-orthodoxen haben ein Problem mit der Bischöfin der EKD:
"Der Patriarch darf nicht mit der neuen Führerin der Lutheraner in Deutschland verkehren", schrieb die Zeitung Wremja Nowostej (SZ).
Allerdings nicht. Das will ich mir nicht mal vorstellen müssen. Es reicht doch, wenn sie miteinander reden, oder? Aber vielleicht muss auch das nicht sein, wenn man sich anschaut, was der Herr Patriarch so Reaktionäres plaudert an langen Tagen:
http://www.kath.net/detail.php?id=19660
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Piëch am 22.10.2008

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Elefantenjagd

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Schäuble lädt ein

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Ölkrise – pro und contra

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Süddeutsche Zeitung

SZ am 18.03.2008: „Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Der Chef der größten deutschen Bank rief Regierungen und Zentralbanken zu "mutigen Schritten" gegen die Finanzmarktkrise auf.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)

Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:

Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
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Doing a great job for just a smile

Manche Vorstandvorsitzende (BWL: Vovo) kamen vor kurzem ihrer Bezüge wegen ins Gerede. Die Motivation der kleinlichen Kritiker ist mit einem Wort abgetan: Neid. Um die andere interessantere Frage zu beantworten, weshalb die Herren eigentlich dieses viele Geld nehmen – sie haben ja schon genügend – müssen wir tiefer dringen. Sehen wir uns diese Top-Leistungsträger einmal genauer an.

Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.

Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.

Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.

Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.

Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
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