Rettungstotschlag

An die Front, Ihr Weicheier

Der Dr. a. D. Guttenberg hat, ehe er sein Ministeramt niederlegte, der Bundeswehr noch die Wehrpflicht unter dem stets einsatzbereiten Arsch weggezogen. Macht nichts, dachten die Marketingoffiziere der todschicken Imagetruppe. Kann man in der World-of-Warcraft-Generation durch Werbung ausgleichen. Jetzt aber mussten Sie berichten, was die teure „Werde-für-die-Heimat-zum-Mörder“-Kampagne so gebracht hat:
"Durch die in der Öffentlichkeit als hoch bewertete Zahl an gefallenen Soldaten im Einsatz kam es zu einer Änderung in der Einstellung zum Soldatenberuf“. Eine P
erle der Selbstreflexion und ein Musterbeispiel für eine gehorsame Meldung an die Großväter: Von Euch haben noch viel mehr ihr Leben für Doitschland gelassen und die kneifen wegen der paar Leichen auf dem Hindukusch?
"Der Soldatenberuf wird mit Auslandseinsätzen und Gefahr für Leib und Leben assoziiert." Bislang wurde er wohl eher mit Inlandseinsätzen im Offizierskasino und G
efahr für Leber und Hirn assoziiert.
"Die Interessen der meisten Jugendlichen sind nicht im Bereich der Sicherheitspolitik zu suchen“. Das lässt hoffen. Denn das Sicherheitsbedürfnis seelisch intakter Jugendlicher lässt sich restlos mit P
servativen befriedigen. Make Love not War.
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Pietätvolle Terroristenfreunde

Gestern Abend im Fernsehen gab es wieder nur ein Thema, Bin Ladens gewaltsames Ableben und wie sich die Merkelsche deshalb fühlte, und ich fragte mich: Warum sind die bürgerliche Presse und das Infotainment-Fernsehen so schwer erträglich? Weil Sie so verlogen wie ihre Kundschaft sind.
Redakteure, die im Wirtschaftsteil die Fakten dafür zusammentragen, weshalb weltweit eine knappe Milliarde Menschen Hunger leiden und 6.000 Kinder täglich am Mangel sterben müssen, legen von Seite eins bis drei die Stirn in Falten und diskutieren mit dem albernen Ernst emeritierter Moraltheologen, ob es wohl angehe, einen wie Osama bin Laden im Ausland zu erschiessen und ob es darüber hinaus eventuell statthaft sei, sich danach über seinen Tod zu freuen. Die gleichen, die es akzeptabel finden, dass in der Zielsetzung der Bundeswehr, die Wahrung deutscher wirtschaftlicher Interessen weltweit formuliert ist, diskutieren ernsthaft, ob das amerikanische Vorgehen gegen Bin Laden nicht vielleicht "ein erheblicher Verstoß gegen das völkerrechtliche Gebot der Nichteinmischung, siehe etwa Art. 2 der UN-Charta", sein könnte. Sie wollen eben beides: Immer reicher sein als der Rest, koste es auch, wessen Leben es wolle. Und den Ärmeren aber bitte auch dozieren, was die wahren Werte des Menschseins sind, wie bsplsw. der von seinen Profiteuren so genannte Rechtsstaat, die anbetungswürdigen freien Märkte, und sonstiger Kirch- und Wahlurnengang.
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Verhaltene Genugtuung im Weißen Haus

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Bayern schon wieder Nr. 1

Wir müssen einfach überall die Besten sein: In Bayern gibt es das schwerste Abitur, die katholischste Bevölkerung, den bayerischsten Papst, die reichsten Deutschen, das romantischste Neuschwanstein, die höchste Zugspitze, das weltgrößte Bierfest und jetzt auch noch die meisten Selbstmörder. Da hat bestimmt in der Staatskanzlei einer gelesen, dass die Spanier in dieser Disziplin führend sind. Schon hat man bayernweit ein paar „Hotspots“ eingerichtet, die die Scharte wieder auswetzen. Dazu „fällt Psychiater Schmidtke ein: "Die Politik muss uns mehr dabei unterstützen, Hotspots zu entschärfen." Es hat sich nämlich gezeigt, dass an bestimmten Brücken, Türmen oder Bahngleisen immer wieder Suizide vorkommen. Sperrt man solche Orte ab, weicht nur ein kleiner Teil der Menschen, die hier Suizid begehen wollten, an einen anderen Ort aus. Die meisten können gerettet werden.“
Denn auch für den Raub des eigenen Lebens gilt: Gelegenheit macht Diebe. Vielleicht erklärt mal einer dem Psychiater, dass die Selbstentleibung ortsunabhängig durchführbar ist. Die Hotspots, die die Politik für Verzweifelte entschärfen könnte, heissen nicht Brücke, Turm und Bahngleise, sondern eher Kontostand, Pflegeheim und Arbeitsplatz. Das wird allerdings teurer als ein seniorensicheres Brückengeländer.
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Bürgerabend

Sarrazin feiert einen Abend mit seinen Fans im Literaturhaus in München und es passiert etwas Unvorhergesehenes: Da, wo sonst so distinguierte, gebildete, still geniessende Münchner Kulturkonsumenten ihre Pfeifchen und Moleskin-Notizblöckchen hintragen, da wurden die Gegner Sarrazins laut und bös gemobt – von dem Münchner Kulturmob. Warum die da öffentlich den Rassisten herauskehren, ist sonnenklar: sie dürfen es dort im Schutz der Masse wagen. Die SZ wundert sich, warum die vielen gebildeten Menschen sich so gehen lassen konnten. Ich wundere mich nicht. Der Sarrazin spricht ihnen aus dem Herzen. Schließlich spürt der Mittelstand, dass seine Felle seit einigen Jahren ins Schwimmen geraten, Hartz 4 ist auch für überdurchschnittlich Verdienende eine ernstzunehmende Bedrohung geworden, denken die. Das weckt den Rassisten im Kleinbildungsbürger. Oder, mit Sarrazin zu sprechen: "Ich bin 65 Jahre alt, lebe noch, war viele Jahrzehnte Beamter, ich habe eine gute Altersversorgung und mein Haus in Berlin ist schuldenfrei. Angst habe ich keine mehr“. Die Münchner Literaturgeniesser wünschen sich von Herzen, dass das auch für Sie so bleibt. Und der Sarrazin erklärt, wie es geht: Weg mit den unnützen Essern, die auch gern in schuldenfreien Häusern leben und eine Pension geniessen würden. Sarrazin und seine Anhänger glauben, damit wäre ein Gedanke, womöglich ein für „Deutschland“ wichtiger Gedanke ausgedrückt. Was Sarrazin wirklich ausspricht, ist ein Reflex. Der Reflex, den Nahrungskonkurrenten auszuschalten. Nichts weiter. Das einzige, was ihn von richtigen Nazis unterscheidet, ist die Weitschweifigkeit. Er muss ein ganzes Buch lang mit Wissenschaft und Rhetorik bluffen, um auszusprechen, was ein Nazi in einem Satz rausbellt. Deutschland den Deutschen.
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Demokratischer Volksgerichtshof

Eine Schweizer Initiative will sadistische Psychopathen mit dem Tod bestrafen, falls sie bei Ihrer Untat auch sexuell erregt waren und zur Vergewaltigung schritten. Eine seltsame Idee. Damit wäre beispielsweise Hitler der Todesstrafe im gesunden Volksempfinden der Schweizer Initiative entkommen. Aber um Logik geht es bei sowas eh nicht. Begründet werden muss natürlich trotzdem.
In diesem Fall so:

„Die Initiative ist die Antwort auf alle Verbrechen, die einem Menschen das Leben und dessen Würde durch unvorstellbare und grausame Handlungen entreissen. Die Todesstrafe ist in solchen Fällen eine tragische aber letztendlich logische und konsequente Massnahme. Geben wir den Opfern einen Teil Ihrer Würde zurück und ermöglichen den Hinterbliebenen einen Neuanfang. Schauen Sie nicht weg, schützen Sie präventiv unsere Frauen und Kinder und unterstützen Sie die Initiative.“

Darauf wäre zu antworten: „Die Todesstrafe ist einen Antwort auf grausame Verbrechen, die einem Menschen das Leben durch grausame Handlungen entreisst. Sie ist die konsequente Fortsetzung der grausamen Handlungen, nicht ihr Ende, nicht ihre Sühne. Kein Mensch, auch kein Opfer und kein Täter, kann seine Würde verlieren, aber sein Leben. Die Todesstrafe schützt niemanden vor sadistischen Psychopathen. Aber sie macht uns, die Henkershelfer, zu deren Brüdern im kranken Geiste.“

Und wer hat das warnend vorausgesehen, dass die großartige „direkte Demokratie“ der Volksentscheide sich direkt vom Minarettverbot zur Einführung der Todesstrafe bewegen wird? Ganz genau.
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Terminator

Dann sieht man nach 25 Jahren einen Blockbuster wieder, der seinerzeit irgendwie für den Science Fiction-Film, Nebengleis "Cyborgmärchen", eine neue Bahn gebrochen hat und muss sich fürchten wie beim ersten Mal. Aber diesmal vor den Frisuren.
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Schäuble mal wieder

Schäuble, der permanente Verfassungsbrecher ("Ich rate jedem, mich nicht als permanenten Verfassungsbrecher zu verleumden"), hat schwierige Fragen in seinem Kopf, die nach Diskussion und einer Antwort verlangen. Zum Beispiel die:

„Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht auch nach dem Kompromiss über heimliche Online-Durchsuchungen noch Diskussionsbedarf. Bund und Länder müssten in Ruhe darüber reden, ob die im Grundgesetz garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ([Artikel 13]) das "heimliche Betreten" einer Wohnung zulasse, sagte Schäuble der Leipziger Volkszeitung.“

Kommt drauf an. Der Schäuble-Attentäter mit der Smith&Wesson hatte sich 1990 die feinsinnige Frage gewiss nicht gestellt, ob die Unverletzlichkeit des Leibes auch dann noch garantiert ist, wenn ein paar kleine spitze Gegenstände zum Zwecke der Terrorbekämpfung in ihn eingedrungen sind. Von solchen Typen muss man sich distanzieren. Ich habe mir deshalb das mit der Unverletzlichkeit der Wohnung ernsthaft und etwas länger überlegt und komme zu dem für mich privat (naja, das bin ich dann ja nicht mehr wirklich) recht befriedigenden Schluss: Wenn die Herren Geheimen die Wäsche abhängen, bügeln, die Küche aufräumen und den Windeleimer runterbringen, dann dürfen Sie sich auch gern ein Weilchen erfolglos mit meinem Rechner befassen. Aber der Kühlschrank bleibt zu, meine Herren! Beim Bier werde ich zum, nein das schreibe ich jetzt nicht, das ist ja saudumm, ich schreibe: beim Bier hört der Spaß auf, ihr permanenten Verfassungsbrecher.

http://www.heise.de/newsticker/suche/ergebnis?rm=result;words=Sch%C3%A4uble;q=sch%C3%A4uble;url=/newsticker/meldung/106874/
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Dumme Tiere

Wenn es groß auf dünnen Beinen steht und sich von früh bis spät sehr fürchtet, Halme kaut und losrennt, weil halt alle rennen, stehen bleibt, wer weiß warum, und sich beim äpfeln arg befleckt, ist das ein Pferd. Pferde achten wenig auf ihre Umgebung und noch weniger auf sich selbst. Kreuzt man ihre Vorderfüße in einer unnatürlichen Stellung, so wird sie so lange beibehalten, bis der Körper das Gleichgewicht verliert.
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Minister Jung ist mit dem Virus Schäuble infiziert und muss sofort aus dem Amt entfernt werden

Wenn ein Minister sich ohnmächtig fühlt, widerspricht sein Gemütszustand seinem Amt in der Staatsmacht. Das möchte er dann ändern. Verständlich. Ohnmächtige Macht ist natürlich kaum ihren Namen wert. Verteidigungsminister Jung fühlt sich ohnmächtig der Terrorgefahr ausgeliefert und empfindet seine Qualen sicher doppelt, weil das Gewaltpotential sein Amt als Verteidigungsminister vollständig definiert. Gegen die Terrorgefahr wurde aber noch kein passender Krieg erfunden. Was tun, um die Ohnmacht abzubauen? Ginge es um Liebe, könnte ich ihm gelassen eine der Spammails weiterleiten, die medikamentöse Hilfe anbieten. Es geht aber um Gewalt und da hat Nichtmehrganzso-Jung sich zur Selbsthilfe an ein sehr altes deutsches Rezept erinnert.

Jung bemerkte nämlich, dass er sich nicht mehr so ohnmächtig fühlen müsste, könnte er bei drohender Gefahr den „finalen Rettungstotschlag“ (Bundeswehrverbandschef Bernhard Gertz) wann immer und an wem immer er es möchte, also nicht nur an Terroristen sondern auch an Mitbürgern, verüben. Was wäre das für ein Triumph. Eine schwüle Brise gesetzloser Allmacht lässt das ministeriale Selbstbewusstsein lustvoll anschwellen. So hat sich ungestraft zuletzt die SA ausleben dürfen. Und was für ein bemerkenswert kranker Gedanke obendrein: Wenn die Terroristen schon nicht allesamt und überall totzuschlagen sind, dann könnte man, wo sich einer enttarnt, wenigstens den lynchen, auch wenn dabei einige unverdächtige Mitbürger sterben müssen. Jung wäre erleichtert. Für ihn kommt vermutlich „Leiche“ von erleichtern.

Der Jungsche Vorschlag ist allerdings noch nicht ganz da angekommen, wo Schäubles offensichtlich gänzlich zum Teufel gegangenes Denkorgan sich längst hinphantasiert hat: Zum
prophylaktischen Rettungstotschlag an jedem, der sich den Schäuble und Jung in Deutschland oder sonstwo verdächtig macht.

Man sollte die Burschen in einen Staatsbürgerkundekursus schicken, damit sie lernen, dass die Verbrechensbekämpfung in einer Demokratie nicht dem Militär sondern der Polizei obliegt, dass ein des Terrorismus Verdächtiger kein Verurteilter ist, warum zu einem Urteil ein Prozess gehört und weshalb ein Urteil in keinem Fall die Todesstrafe sein kann.
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