Nachrichten
Qualitätsjournalismus leicht gemacht
27.10.11 –
Erstens: Der Titel muss ziehen. Suchmaschinenoptimiert und auch sonst mit ordentlich Wallung. Mindestens Finanzkrise und Strahlenopfer und Trümmerfrauen-Edelmut. Warum also nicht: „Aufräumarbeiten im Finanz-Fukushima“? Ja, ist gut. Echt gut. Und dann was, was die Leute mitreisst. Erst abholt, auch die Analphabeten, und dann empört. Vielleicht so: „Berlin ist Entenhausen. Seit Mittwoch ist das amtlich. Schon die 440 Milliarden Euro des sogenannten Rettungsschirms, der Europa und den Euro auffangen soll, waren eine schwer vorstellbare Summe. Durch einen Trick der Finanz-Alchemie wurde daraus nun eine Billion Euro. Onkel Dagobert lässt grüßen.“ Genau. Schon sind alle, die sich auch nichts vorstellen können, bei ihm. Und gleich noch etwas mehr Dramatik: „Die Trümmer der europäischen Wirtschaftsarchitektur bergen eine vernichtende Gefahr für den ganzen Kontinent. Ein Finanz-Fukushima, dessen die Politik nicht Herr wird.“ Diese Worte bergen zwar logisch und grammatikalisch einen Unsinn, dessen der Deutschlehrer kaum Herr wird, aber eine notwendige Zuspitzung für die Katharsis dieses kleinen Journalliendramas sind sie durchaus: „Seit Beginn der Krise im Jahr 2008 tut Angela Merkel ihr Bestes, den maroden Reaktor des Finanzkapitalismus wieder in Gang zu setzen während doch die einzige Lehre aus dem Desaster lauten muss: Abschalten!“ Ja, abschalten, das wär´s doch, er ist so in Rage, da vergisst man schonmal die korrekte Zeichensetzung. Dann spricht er noch, was er bei der Wagenknecht gelesen hat: „Die Schulden des Staates sind die Vermögen der Reichen.“ Aber auf einmal geht es mit der SPD weiter, der zur „Zukunft Europas offenbar auch nichts anderes einfällt als der CDU“. SPD, CDU? Ein fieses Signal, das schlimme Ahnungen, es könnte vielleicht garnicht so gemeint sein, wie es sich anhört, im Leser weckt. Sie bestätigen sich wenig später in diesem Satz: „Er (Steinbrück) könnte etwas tun, was Angela Merkel nicht vermag: Vertrauen schaffen. Aber er verzichtet darauf.“ Das muss man erstmal hinkriegen: Von Entenhausen aus die Gesamtlage ins Visier nehmen, dabei die linke Kampfrhetorik bemühen, um dann am Ende nach was zu schreien? Der Enteignung der Reichen? Der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln? Der Gerechtigkeit bei Löhnen? Ich werde kleinmütiger: Dem Sozialstaat? Hm. Höheren Hartz 4-Sätzen? Nein. Er schreit nach: Vertrauen. Dem Augstein ist nicht mehr zu helfen. Bei dem Mental-Fukushima sind Aufräumarbeiten zwecklos.
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Zivis sind jetzt Bufdis – und deutlich seltener
31.07.11 –
„Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden.“ Dieser schöne Satz, der sich wunderbar auf jeder Kotztüte im Flugzeug ausnähme, hat offenbar bislang nur wenige davon überzeugt, für Kost und Logis und einen Appel und ein Ei zwischen 6 und 24 Monaten Vollzeit im Bundesfreiwilligendienst zu arbeiten. Wenigstens einen sollte man zu diesem Liebesdienst zwingen: Guttenberg. Der hat es zu verantworten, wenn in Altenheimen, die kaum noch zu finanzieren sind, nun auch noch die letzten, billigsten Arbeitskräfte (spardeutsch: Ressourcen) fehlen, die sich diese Arbeit aus ideellen Überlegungen vorzunehmen bereit sind.
An die Front, Ihr Weicheier
29.07.11 –
Der Dr. a. D. Guttenberg hat, ehe er sein Ministeramt niederlegte, der Bundeswehr noch die Wehrpflicht unter dem stets einsatzbereiten Arsch weggezogen. Macht nichts, dachten die Marketingoffiziere der todschicken Imagetruppe. Kann man in der World-of-Warcraft-Generation durch Werbung ausgleichen. Jetzt aber mussten Sie berichten, was die teure „Werde-für-die-Heimat-zum-Mörder“-Kampagne so gebracht hat:
"Durch die in der Öffentlichkeit als hoch bewertete Zahl an gefallenen Soldaten im Einsatz kam es zu einer Änderung in der Einstellung zum Soldatenberuf“. Eine Perle der Selbstreflexion und ein Musterbeispiel für eine gehorsame Meldung an die Großväter: Von Euch haben noch viel mehr ihr Leben für Doitschland gelassen und die kneifen wegen der paar Leichen auf dem Hindukusch?
"Der Soldatenberuf wird mit Auslandseinsätzen und Gefahr für Leib und Leben assoziiert." Bislang wurde er wohl eher mit Inlandseinsätzen im Offizierskasino und Gefahr für Leber und Hirn assoziiert.
"Die Interessen der meisten Jugendlichen sind nicht im Bereich der Sicherheitspolitik zu suchen“. Das lässt hoffen. Denn das Sicherheitsbedürfnis seelisch intakter Jugendlicher lässt sich restlos mit Präservativen befriedigen. Make Love not War.
"Durch die in der Öffentlichkeit als hoch bewertete Zahl an gefallenen Soldaten im Einsatz kam es zu einer Änderung in der Einstellung zum Soldatenberuf“. Eine Perle der Selbstreflexion und ein Musterbeispiel für eine gehorsame Meldung an die Großväter: Von Euch haben noch viel mehr ihr Leben für Doitschland gelassen und die kneifen wegen der paar Leichen auf dem Hindukusch?
"Der Soldatenberuf wird mit Auslandseinsätzen und Gefahr für Leib und Leben assoziiert." Bislang wurde er wohl eher mit Inlandseinsätzen im Offizierskasino und Gefahr für Leber und Hirn assoziiert.
"Die Interessen der meisten Jugendlichen sind nicht im Bereich der Sicherheitspolitik zu suchen“. Das lässt hoffen. Denn das Sicherheitsbedürfnis seelisch intakter Jugendlicher lässt sich restlos mit Präservativen befriedigen. Make Love not War.
Hellau Hellas
15.06.11 –
Die Abrissparty kann steigen. Das sollten sich Portugal, Spanien, Irland, Italien und so manche anderen Wackelkandidaten genau ansehen. Was an Griechenland gerade durchgeführt wird, ist die billigste Art, einen Wirtschaftskrieg zu gewinnen: Man zerstört das Vertrauen in die Wirtschaftskraft eine Landes, wartet zu, bis die Depression groß genug ist und kauft den entwerteten Plunder dann für symbolische Summen auf. 16,7 Mio Eur für den Hafen von Piräus. Das Prinzip hat schon prima bei der DDR funktioniert. Wer nicht über den Tisch gezogen werden will, wird von den selbstlos rettenden Investoren abgewatscht. Schließlich beteiligen sich längst auch Hochtief und die Deutsche Telekom am Ausverkauf der griechischen Infrastruktur. Da sagt es ein bestallter Interessenvertreter der europäischen Geldelite im Klartext:
„Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte am Wochenende gefordert, die Regierung in Athen solle deutlich mehr Tafelsilber zu Geld machen als geplant und die Kontrolle über die Privatisierungen aus der Hand geben. „Die Europäische Union wird das Privatisierungsprogramm künftig so eng begleiten, als würden wir es selbst durchführen“, sagte er im „Spiegel“. Er forderte eine regierungsunabhängige Privatisierungsagentur, die mit ausländischen Experten besetzt werden soll. Als Vorbild nannte er die deutsche Treuhandanstalt, die den Verkauf des DDR-Vermögens leitete. Die Regierung teilte mit, einen staatlichen Fonds einzurichten, um Privatisierungen und den Verkauf von Immobilien zu beschleunigen.“
„Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte am Wochenende gefordert, die Regierung in Athen solle deutlich mehr Tafelsilber zu Geld machen als geplant und die Kontrolle über die Privatisierungen aus der Hand geben. „Die Europäische Union wird das Privatisierungsprogramm künftig so eng begleiten, als würden wir es selbst durchführen“, sagte er im „Spiegel“. Er forderte eine regierungsunabhängige Privatisierungsagentur, die mit ausländischen Experten besetzt werden soll. Als Vorbild nannte er die deutsche Treuhandanstalt, die den Verkauf des DDR-Vermögens leitete. Die Regierung teilte mit, einen staatlichen Fonds einzurichten, um Privatisierungen und den Verkauf von Immobilien zu beschleunigen.“
Verblüffende Gewissheit: Hitler war schon als Schickelgruber Antisemit
08.06.11 –
Die SZ titelt: Brief belegt Judenhass des jungen Hitler. Dass der Dreissigjährige, so jung war er gerade noch, als er den Brief verfasste, vielleicht denkt, was der Vierzigjährige dann ausführt, ist schon ein unglaublicher, verblüffender Zusammenhang, einer, der erstmal bewiesen gehörte. Jetzt ist er es. Niemand, schon gar kein deutscher Journalist, hätte sich sowas denken können.
Koordinierte Preisgestaltung
23.05.11 –
Die SZ berichtet ihren Lesern, denen der Kapitalismus noch geheuer ist, Ungeheuerliches: „Die deutsche Mineralölindustrie bestätigt die vom Kartellamt festgestellte koordinierte Preisgestaltung - und will weitermachen wie bisher.“ Darf das wahr sein? Die lästern gegen das Allerheiligste und sträuben sich gegen freie Märkte? Fast sympathisch erscheint es mir, dass sie wenigstens die Preise gemeinsam planen, anstatt sich vollständig wie Tiere zu benehmen und den Wirtschaftskrieg, den sie selbst Konkurrenz nennen, weiterzukämpfen. Natürlich geschieht das ganz systemkonform allein zur Gewinnmaximierung. Aber könnte man nicht auch darin noch eine positive Anregung entdecken? Einigkeit macht teuer? Vielleicht könnten sich einmal die Angestellten und Arbeiter der Ölindustrie zu einer koordinierten Preisgestaltung ihrer Arbeitskraft verabreden und sich die im Kartell erpressten Gewinne als Lohn wieder zurückholen? Ich frag ja nur.
Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss
10.05.11 –
Der voraussichtliche Präsidenschaftskandidat der französischen Sozialisten steht im Verdacht, ein Zimmermädchen vergewaltigt zu haben. Die SZ lässt unter der von BILD-Höchstleistungen inspirierten Überschrift „Schwachpunkt Genitalbereich“ dazu so etwas raus: „Der IWF-Chef und aussichtsreichste Kandidat für die kommenden französischen Präsidentschaftswahlen Dominique Strauss-Kahn könnte über seine Geilheit stolpern.“ Und Hitler stolperte über seine Vaterlandsliebe, die er einfach nicht im Zaum halten konnte, der ungezogene Patriot. Sollte Strauss-Kahn versucht haben, eine Frau zu vergewaltigen, dann stolpert er sicher nicht über seine Geilheit. Die ist nämlich nicht strafbar. Er stolpert über seinen Hang zur Gewalttätigkeit. Dass sich die männliche Lust in Vergewaltigungsversuchen äussert, scheint dem SZ-Journalisten Michael Kläsgen, Paris, offenbar selbstverständlich zu sein. Der plaudert über seinen Artikel am Stammtisch sicher in dieser Art: „Geil isser halt, Mann, was für ein Bock, in dem Alter, Respekt. Na, aber sich von den Weibern gleich die Karriere vermasseln lassen. Ich weiß nicht, irgendwie unklug.“
Studie, Studie an der Wand, wie winzig ist der Lohn im Land?
29.04.11 –
Eine Studie findet etwas heraus, was sich jede denken kann, die denken kann: Wenn es einen Mindestlohn gibt, steigen die Steuereinnahmen. Ginge es den Arbeitnehmern gut, täte das dem Staat gut. Zahlen müssten in diesem Fall einmal die Unternehmen, weshalb aus der Sache voraussichtlich nichts wird. Nachdem Deutschland aber nicht gerne mit Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, England, Italien und Schaunwirmalwernoch vom Schuldengipfel des Mount Debts fallen möchte, ist es auch nicht ganz auszuschliessen, dass der Staat sich vorübergehend und punktuell einmal gegen die Interessen des Kapitals stellt. Wenn sogar Sozialausschüsse der CDU dafür sind ... Der in der Studie unterstellte Mindestlohn liegt mit 8,50 Euro sicherheitshalber sowieso unter dem, was in anderen, zivilisierteren Ländern Europas bereits Gesetz ist. Apropos zivilisiert: Ist eigentlich ein Land bekannt, in dem es Höchstlöhne gibt? Nein? Sie meinen, das würde beispielsweise die Hedgefondmanager zu sehr demotivieren, Ihren wertvollen Beitrag für das Funktionieren der Weltwirtschaft zu leisten? Da müssen schon einmal 5 Milliarden per annum fliessen, damit der Manager mit dem anstrengenden Wetten weitermacht? Verstehe.
Dein Freund und Helfer
04.04.11 –
Und ich dachte immer, die Polizei wäre dazu da, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, während sich die Konzerninhaber zuhause und in aller Welt gut bewacht bereichern. Jetzt lerne ich von der ARD, dass die durchaus auch einmal direkt zur Wertschöpfung abkommandiert werden, wenn es die EADS befiehlt. Und zwar im Servicebereich „Training und Fortbildung“. Wer könnte den Saudis schließlich besser erklären, wie man mit deutscher Hochtechnologie die Grenzen dicht kriegt, als das Ordnungspersonal mit der effektivsten Asylantenabwehrpraxis, die nahezu jeden Asylbewerber in ein so genanntes sicheres Drittland abschiebt. 2009 haben es gerade noch rund 8.000 geschafft, die Grenze in unser sicheres Erstland zu passieren. Was ist aus den Anderen geworden? Nichts, was die Rüstungsprofiteure um den Schlaf bringt.
Durchstreichen
21.03.11 –
„Es wäre besser, die Bürger würden zur Wahl gehen und ihren Wahlzettel durchstreichen.“ Na, wenn es schon der staatstragende Prantl empfiehlt, die Wahlzettel durchzustreichen statt garnicht hinzugehen, dann unterstütze ich das auch und warne davor, den Wahlen fernzubleiben: Hingehen, durchstreichen, abgeben. Aber da, wo es möglich ist, kann man auch DIE PARTEI wählen. Die lustigste Art, den Wahlzettel durchzustreichen.
Wacht Obama langsam auf?
17.03.11 –
Noch gibt es etwas Hoffnung für Libyen: Die USA denken offenbar darüber nach, Gaddafis Vormarsch zu stoppen.
Öttinger stellt versehentlich die Theodizeefrage
16.03.11 –
EU-Oettinger zum japanischen Reaktorunglück: „Man muss im Grunde genommen befürchten, dass das Ganze in Gottes Hand ist.“ Na, hoffentlich hat das der Papst nicht gelesen. Der verlangt sonst eine Gegendarstellung.
Rätselhafte Berichterstattung
14.03.11 –
Die Financial Times Deutschland tickert live:
21:59 Die Deutsche Atombranche hält nach dem Aussetzen der Laufzeitverlängerung das endgültige Aus für Kernkraftwerke in Deutschland für möglich. […]
Eine Rücknahme der Laufzeitverlängerung und einen beschleunigten Atomausstieg in Deutschland lehnt die Branche ab“
Die Branche hält es für möglich, Kernkraftwerke abzustellen, aber bitte ohne sie auszuschalten.
21:59 Die Deutsche Atombranche hält nach dem Aussetzen der Laufzeitverlängerung das endgültige Aus für Kernkraftwerke in Deutschland für möglich. […]
Eine Rücknahme der Laufzeitverlängerung und einen beschleunigten Atomausstieg in Deutschland lehnt die Branche ab“
Die Branche hält es für möglich, Kernkraftwerke abzustellen, aber bitte ohne sie auszuschalten.
Die Financial Times:
14.03.11 –
Die Internationale Atombehörde berichtet, momentan gäbe es keine Kernschmelze.
Sie schreiben, als ob sie sich, von der Katastrophe erregt, die Kernschmelze herbeisehnten. Der Satz bedeutet: Die Internationale Atombehörde berichtet das zwar, aber es stimmt nicht. Was die FTD-Volontäre natürlich exklusiv wissen. Hätten sie Deutschkenntnisse, oder Mitgefühl, oder journalistische Aufrichtigkeit, hätten sie geschrieben: Die Internationale Atombehörde berichtet, momentan gebe es keine Kernschmelze.
Sie schreiben, als ob sie sich, von der Katastrophe erregt, die Kernschmelze herbeisehnten. Der Satz bedeutet: Die Internationale Atombehörde berichtet das zwar, aber es stimmt nicht. Was die FTD-Volontäre natürlich exklusiv wissen. Hätten sie Deutschkenntnisse, oder Mitgefühl, oder journalistische Aufrichtigkeit, hätten sie geschrieben: Die Internationale Atombehörde berichtet, momentan gebe es keine Kernschmelze.
Qualitätsjournalismus vom Feinsten
10.03.11 –
In welcher Stadt auch immer sich warum auch immer vorübergehend mehr Männer als gewöhnlich zusammenrotten, haben auch die Huren ein besseres Geschäft als sonst. Das ist keine Nachricht, sollte man meinen. Es sei denn, man würde den Satz "Frühling: Sonne lässt den Schnee verschwinden" für eine spannende Neuigkeit halten. Bei der Süddeutschen Zeitung konnte einer dennoch der Versuchung nicht widerstehen, das Einzige, was Playboyleser interessiert, in eine Pseudonachricht zu bündeln: Die Huren machen im Erdbebengebiet in Neuseeland ein Jahrhundertgeschäft. Diese Zeitung wird auch immer blöder. Vgl. dazu auch http://www.suedwatch.de/blog/
USA abgeschaltet
25.02.11 –
Dass die Herrscher im Nahen Osten offenbar alle dem Westen Softwaresysteme abgekauft haben, mit denen sie das Internet abschalten können, habe ich gelernt in den letzten Wochen. Aber wie schaffen sie es, die USA abzuschalten? Verblüffend. Die Herren der „freien Welt“ hocken rum und mahnen ein bisschen, während es für Israel und für ihre eigenen Interessen spitzaufknopf steht. Man sollte meinen, Obama könnte ein Interesse daran haben, die richtige, säkulare Partei möge aus dem Durcheinander an die Regierung(en) gelangen. Statt dessen lassen sie iranische Marine den Suezkanal passieren, sehen zu wie Gaddafi seine Bevölkerung zusammenschiesst und drängen verhalten auf ein Ende der Gewalt. Die USA sind die Gewalt, remember? Anstatt in Afghanistan die Mohnernte zu beobachten, könnten sie wenigstens in Libyen den Luftraum sichern. „Barack Obama bricht sein Schweigen und zeigt sich schockiert vom Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen Demonstranten. Eine direkte Kritik am libyschen Staatschef aber vermeidet er.“ So eine selbstvernichtende Passivität wäre keinem seiner Amtsvorgänger passiert. Die hätten keinen Lidschlag lang gewartet, sondern sofort die Gelegenheit ergriffen und wenigstens den Achmachmirdenjihad entmachtet. Das müssen jetzt die Iraner im Alleingang schaffen, sonst kann es auch schnell ganz dunkel werden im Morgenland. Die reiben sich schon die schmutzigen Hände in Teheran.
Graceland
15.02.11 –
I
Ich habe viel Zeit. Sie fragen sich, was ich mit der anfange? Oft spaziere ich in den Elvis Presley Boulevard und stelle mich vor das Gelände, das Sie hier „the kings kitschy home“ nennen. Dann höre ich den Touristen zu, die in die grüne Pracht von Graceland starren und noch bevor sie anfangen zu sprechen, weiß ich schon, was sie sagen werden. Sie alle erzählen mir zuerst, was sie sehen, die prächtigen Gärten, die auf den ersten Blick gar nicht so auffällige Villa, danach ehrfürchtige Anekdoten über den King, seine Stimme, seinen Hüftschwung, den märchenhaften Lebensstil. Und am Ende natürlich glücklich ergriffene Worte über das Unglück und den zu frühen Tod dieses großen Rock n Roll Stars. Lebt er noch unerkannt irgendwo? Sie streiten im Scherz. Nein, er lebt nur noch in ihren Herzen. Auch das ist ihnen etwas wert. Aus Europa kommen sie, aus Russland, sogar von Japan reisen sie an, kleine Tokyoten mit offenen Mündern, mit gefestigter Haartolle, Sonnenbrille, in strahlend weiße, gewissenhaft mit Pailletten bestickte Fransenanzüge gesteckt, die bleichen Wangen mit dicken Koteletten beklebt. Sie wollen sein wie er. Das ist Memphis. Elvis lebt, aber ich, Bruce Hall, gehe hier ein.
II
Werktags, wenn die meisten anderen Einwohner von Memphis ihre Zeit mit Arbeit tot schlagen, habe ich frei. Ich wehre mich dagegen, als armer Arbeitsloser betrachtet zu werden. Ich bin ein Freiherr und ein Sekundenmillionär. Diese Stadt dagegen ist arm. Sie hat keine Zeit, sie zahlt monatlich mehrere Millionen Dollar Zinstilgung für ständig wachsende Kredite und hat verständlicherweise kein Geld mehr übrig für Kindergärten und andere Kostenstellen wie mich. Ich dagegen bin unter anderem deshalb so reich, weil ich mich nie mit einem Kreditinstitut eingelassen habe. Nie. Eine Bank ist kein vertrauenswürdiger Ort für mich. Da hängen schräg oben im Foyer immer Kameras von den Decken. Bewaffnete Wachleute glotzen dich an. Wer so viel Schutz braucht, lenkt einen Verdacht auf sich. Den Verdacht, er verdanke seinen Reichtum der bloßen Gewalt. Sie mögen mich für etwas überspannt halten. Aber ich glaube, im Leben zu bestehen, ist eine Frage der Vorsicht und des Betrachtungswinkels. Vorsichtig bin ich schon. Und von ganz unten gesehen, geht es mir auch recht gut.
Aber manchmal, wenn ich unter der Woche wieder vor Graceland sitze und den Touristen zuhöre, schweifen meine Gedanken ab und ich stelle mir vor, wie es wäre, einmal, nur einmal das Geld zu besitzen, um Memphis zu verlassen. Wahrscheinlich sehr lange zu verlassen und sehr weit fort zu gehen. Vielleicht nach Japan, dort gibt es wunderschöne alte botanische Gärten in kleinen wohlriechenden Parks mit Papierpavillons und seltenen Karpfen in den Teichen. Ich schnuppere so gerne an allem, was blüht. Hier riecht es, wie nur amerikanische Großstädte riechen können. Aus der Perspektive der Hunde, die um mich herumstreichen, ist Memphis sicher großartig. Eine olphaktorisch hochinteressante, mit erlesenen Variationen von Abgasen, allerlei Beutefleischbouquets und feinstem Urin aromatisierte Jagdzone. Viel schöner als der Blütenduft, der mich entzückt. Aus meiner Perspektive ist Memphis das Anti-Rom, der Ort, von dem alle Straßen wegführen. Das finstere Land Mordor, in dem ich mein Leben verschlafe. - Ab und zu reißt mich ein Klimpern aus meinen Träumen. Irgendwelche Gracelandbesucher werfen mir kleine Geldstücke zu, vermutlich weil ich blind bin und meinen Hut wie einen Teller auf den Gehsteig lege, bevor ich mich etwas ausruhe. Ich wehre mich dagegen nicht, das Geld kann ich gebrauchen, es reicht für die Miete und für etwas zu essen. Es reicht nicht, um hier zu verschwinden.
III
Ich sagte, ich habe viel Zeit. Das stimmt. Andererseits: Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren. Sie müssen wissen, dass ich schon bald 48 Jahre alt werde. Mein Leben war bislang nicht im eigentlichen Sinne erfolgreich zu nennen. Details werde ich Ihnen ersparen, aber die Bilanz ist durchaus kritisch. Auf allen drei gesellschaftlich beachteten Erfolgsskalen, Kapital, Sex und Ruhm, bin ich am untersten Ende zu finden. Verstehen Sie mich recht. Ich beneide die Lohnabhängigen nicht. Ich bin auch nicht hässlich oder unbegabt. Ich kann nur nicht sehen und meine Kraft liegt eher in meiner ruhigen angenehmen Persönlichkeit als in meinem Ehrgeiz. Ich falle nicht sehr auf und bin niemandem lästig. Wird dennoch einer auf mich aufmerksam, zwingt ihn die Magie meines Wesens, mir etwas Geld zu geben. Das ist nicht nichts, aber selbst Elvis wäre damit nicht groß in der Welt herumgekommen. Deshalb muss ich mir wohl eine Alternative ausdenken. Mein Leben braucht eine neue Vision, eine bereichernde Tat. Ich habe da auch schon eine Idee. Aber ich weiß nicht, ob ich mich das trauen kann,- das Geld einfach zu rauben.
IV
Es ist besser, es nicht zu tun, wenn man es nicht kann. Das sagt mir die Vorsicht und meine Erfahrung. Ich bin manchmal ein bisschen zu ungeschickt, um sicher durch das Leben zu kommen. Nahezu täglich schreien mich Autofahrer an, weil sie mir plötzlich ausweichen müssen. Ich grüble und höre nicht, wenn sie auf mich zusteuern. Das ist gefährlich ungeschickt. Vor zwei Monaten konnte ich tagelang nichts essen vor Kummer. Ich hatte versehentlich die Tür sehr fest zugeworfen und „Billy the Kid“, meine Katze, dabei erschlagen. „Erschlagen“ ist auch die richtige Beschreibung meiner Seele nach diesem Attentat. Ich habe kaum Geld, aber mein Zimmer quillt über von den Zeitschriftenabonnements, die mir Vertreter an der Tür verkauften. Nicht dass ich die Zeitschriften lesen könnte, ich verheize sie im Winter. Eine teure Heizung, nur, ich kann nicht gut Nein sagen, wenn mir ein Zeitschriftenverkäufer unter Schluchzen von seiner kranken Familie erzählt. Das Leben unter Hyänen ist schwierig, wenn man eine angeborene Beißhemmung hat und nichts sieht. In einem Satz: Bruce, sei gescheit.
Gut, ich lasse es bleiben. Ich werde mir kein Geld organisieren, ich lasse es mir auch in Zukunft von Touristen zustecken. Irgendwann werde ich genug davon haben. So viel Zeit muss sein. Und ich habe viel Zeit.
V
Süddeutsche Zeitung 10. Dez. 1999
BRUCE HALL, ein blinder Amerikaner, ist in Memphis bei dem Versuch festgenommen worden, eine Bank zu überfallen. Der 48 Jahre alte Hall hatte sich am Dienstag von einem Wachmann zur Kasse führen lassen und dort dem Kassierer eine Notiz zugeschoben, in der er Geld verlangte, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der Kassierer sagte zu dem in der Nähe stehenden Wachmann: „Es ist ein Überfall“ und gab Hall etwas Geld. Wachleute nahmen Hall fest, als er wegging. Er hatte keine Waffe.
Ich habe viel Zeit. Sie fragen sich, was ich mit der anfange? Oft spaziere ich in den Elvis Presley Boulevard und stelle mich vor das Gelände, das Sie hier „the kings kitschy home“ nennen. Dann höre ich den Touristen zu, die in die grüne Pracht von Graceland starren und noch bevor sie anfangen zu sprechen, weiß ich schon, was sie sagen werden. Sie alle erzählen mir zuerst, was sie sehen, die prächtigen Gärten, die auf den ersten Blick gar nicht so auffällige Villa, danach ehrfürchtige Anekdoten über den King, seine Stimme, seinen Hüftschwung, den märchenhaften Lebensstil. Und am Ende natürlich glücklich ergriffene Worte über das Unglück und den zu frühen Tod dieses großen Rock n Roll Stars. Lebt er noch unerkannt irgendwo? Sie streiten im Scherz. Nein, er lebt nur noch in ihren Herzen. Auch das ist ihnen etwas wert. Aus Europa kommen sie, aus Russland, sogar von Japan reisen sie an, kleine Tokyoten mit offenen Mündern, mit gefestigter Haartolle, Sonnenbrille, in strahlend weiße, gewissenhaft mit Pailletten bestickte Fransenanzüge gesteckt, die bleichen Wangen mit dicken Koteletten beklebt. Sie wollen sein wie er. Das ist Memphis. Elvis lebt, aber ich, Bruce Hall, gehe hier ein.
II
Werktags, wenn die meisten anderen Einwohner von Memphis ihre Zeit mit Arbeit tot schlagen, habe ich frei. Ich wehre mich dagegen, als armer Arbeitsloser betrachtet zu werden. Ich bin ein Freiherr und ein Sekundenmillionär. Diese Stadt dagegen ist arm. Sie hat keine Zeit, sie zahlt monatlich mehrere Millionen Dollar Zinstilgung für ständig wachsende Kredite und hat verständlicherweise kein Geld mehr übrig für Kindergärten und andere Kostenstellen wie mich. Ich dagegen bin unter anderem deshalb so reich, weil ich mich nie mit einem Kreditinstitut eingelassen habe. Nie. Eine Bank ist kein vertrauenswürdiger Ort für mich. Da hängen schräg oben im Foyer immer Kameras von den Decken. Bewaffnete Wachleute glotzen dich an. Wer so viel Schutz braucht, lenkt einen Verdacht auf sich. Den Verdacht, er verdanke seinen Reichtum der bloßen Gewalt. Sie mögen mich für etwas überspannt halten. Aber ich glaube, im Leben zu bestehen, ist eine Frage der Vorsicht und des Betrachtungswinkels. Vorsichtig bin ich schon. Und von ganz unten gesehen, geht es mir auch recht gut.
Aber manchmal, wenn ich unter der Woche wieder vor Graceland sitze und den Touristen zuhöre, schweifen meine Gedanken ab und ich stelle mir vor, wie es wäre, einmal, nur einmal das Geld zu besitzen, um Memphis zu verlassen. Wahrscheinlich sehr lange zu verlassen und sehr weit fort zu gehen. Vielleicht nach Japan, dort gibt es wunderschöne alte botanische Gärten in kleinen wohlriechenden Parks mit Papierpavillons und seltenen Karpfen in den Teichen. Ich schnuppere so gerne an allem, was blüht. Hier riecht es, wie nur amerikanische Großstädte riechen können. Aus der Perspektive der Hunde, die um mich herumstreichen, ist Memphis sicher großartig. Eine olphaktorisch hochinteressante, mit erlesenen Variationen von Abgasen, allerlei Beutefleischbouquets und feinstem Urin aromatisierte Jagdzone. Viel schöner als der Blütenduft, der mich entzückt. Aus meiner Perspektive ist Memphis das Anti-Rom, der Ort, von dem alle Straßen wegführen. Das finstere Land Mordor, in dem ich mein Leben verschlafe. - Ab und zu reißt mich ein Klimpern aus meinen Träumen. Irgendwelche Gracelandbesucher werfen mir kleine Geldstücke zu, vermutlich weil ich blind bin und meinen Hut wie einen Teller auf den Gehsteig lege, bevor ich mich etwas ausruhe. Ich wehre mich dagegen nicht, das Geld kann ich gebrauchen, es reicht für die Miete und für etwas zu essen. Es reicht nicht, um hier zu verschwinden.
III
Ich sagte, ich habe viel Zeit. Das stimmt. Andererseits: Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren. Sie müssen wissen, dass ich schon bald 48 Jahre alt werde. Mein Leben war bislang nicht im eigentlichen Sinne erfolgreich zu nennen. Details werde ich Ihnen ersparen, aber die Bilanz ist durchaus kritisch. Auf allen drei gesellschaftlich beachteten Erfolgsskalen, Kapital, Sex und Ruhm, bin ich am untersten Ende zu finden. Verstehen Sie mich recht. Ich beneide die Lohnabhängigen nicht. Ich bin auch nicht hässlich oder unbegabt. Ich kann nur nicht sehen und meine Kraft liegt eher in meiner ruhigen angenehmen Persönlichkeit als in meinem Ehrgeiz. Ich falle nicht sehr auf und bin niemandem lästig. Wird dennoch einer auf mich aufmerksam, zwingt ihn die Magie meines Wesens, mir etwas Geld zu geben. Das ist nicht nichts, aber selbst Elvis wäre damit nicht groß in der Welt herumgekommen. Deshalb muss ich mir wohl eine Alternative ausdenken. Mein Leben braucht eine neue Vision, eine bereichernde Tat. Ich habe da auch schon eine Idee. Aber ich weiß nicht, ob ich mich das trauen kann,- das Geld einfach zu rauben.
IV
Es ist besser, es nicht zu tun, wenn man es nicht kann. Das sagt mir die Vorsicht und meine Erfahrung. Ich bin manchmal ein bisschen zu ungeschickt, um sicher durch das Leben zu kommen. Nahezu täglich schreien mich Autofahrer an, weil sie mir plötzlich ausweichen müssen. Ich grüble und höre nicht, wenn sie auf mich zusteuern. Das ist gefährlich ungeschickt. Vor zwei Monaten konnte ich tagelang nichts essen vor Kummer. Ich hatte versehentlich die Tür sehr fest zugeworfen und „Billy the Kid“, meine Katze, dabei erschlagen. „Erschlagen“ ist auch die richtige Beschreibung meiner Seele nach diesem Attentat. Ich habe kaum Geld, aber mein Zimmer quillt über von den Zeitschriftenabonnements, die mir Vertreter an der Tür verkauften. Nicht dass ich die Zeitschriften lesen könnte, ich verheize sie im Winter. Eine teure Heizung, nur, ich kann nicht gut Nein sagen, wenn mir ein Zeitschriftenverkäufer unter Schluchzen von seiner kranken Familie erzählt. Das Leben unter Hyänen ist schwierig, wenn man eine angeborene Beißhemmung hat und nichts sieht. In einem Satz: Bruce, sei gescheit.
Gut, ich lasse es bleiben. Ich werde mir kein Geld organisieren, ich lasse es mir auch in Zukunft von Touristen zustecken. Irgendwann werde ich genug davon haben. So viel Zeit muss sein. Und ich habe viel Zeit.
V
Süddeutsche Zeitung 10. Dez. 1999
BRUCE HALL, ein blinder Amerikaner, ist in Memphis bei dem Versuch festgenommen worden, eine Bank zu überfallen. Der 48 Jahre alte Hall hatte sich am Dienstag von einem Wachmann zur Kasse führen lassen und dort dem Kassierer eine Notiz zugeschoben, in der er Geld verlangte, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der Kassierer sagte zu dem in der Nähe stehenden Wachmann: „Es ist ein Überfall“ und gab Hall etwas Geld. Wachleute nahmen Hall fest, als er wegging. Er hatte keine Waffe.
Die ägyptische Muslimbruderschaft bedroht Israel?
08.02.11 –
Nein. Die wollen nur spielen. Am liebsten mit Atombomben.
"By May 17, 2006, Brotherhood deputies were openly attacking the Mubarak government for not pursuing an active nuclear program. Ikhwanonline, the official website of the Muslim Brotherhood, stated that Brotherhood “deputies accuse the government of abandoning the nuclear program and [being content with not] building atomic power plants for peaceful purposes and electricity production at the same time many other countries such as India advanced in this field.” [2] (India has not only developed nuclear power for electricity production, but used its peaceful nuclear program as a stepping stone to develop nuclear weapons.)
Despite this initial focus on peaceful nuclear energy, at a July 4, 2006, joint meeting of the foreign affairs, Arab, defense, and national security committees of the Egyptian parliament, Dr. Hamdi Hassan, spokesperson of the Muslim Brotherhood parliamentary caucus, made clear that his organization was interested not merely in using nuclear power for meeting Egypt’s energy needs, but in creating an Egyptian nuclear deterrent: “We [Egyptians] are ready to starve in order to own a nuclear weapon that will represent a real deterrent and will be decisive in the Arab-Israeli conflict.”
Natürlich ist das eine offizielle U.S.-Meldung, aber ist sie deshalb schon falsch? Die Zitate sind jedenfalls mit Belegen versehen (die mir leider nichts nutzen, weil ich kein arabisch verstehe.)
"By May 17, 2006, Brotherhood deputies were openly attacking the Mubarak government for not pursuing an active nuclear program. Ikhwanonline, the official website of the Muslim Brotherhood, stated that Brotherhood “deputies accuse the government of abandoning the nuclear program and [being content with not] building atomic power plants for peaceful purposes and electricity production at the same time many other countries such as India advanced in this field.” [2] (India has not only developed nuclear power for electricity production, but used its peaceful nuclear program as a stepping stone to develop nuclear weapons.)
Despite this initial focus on peaceful nuclear energy, at a July 4, 2006, joint meeting of the foreign affairs, Arab, defense, and national security committees of the Egyptian parliament, Dr. Hamdi Hassan, spokesperson of the Muslim Brotherhood parliamentary caucus, made clear that his organization was interested not merely in using nuclear power for meeting Egypt’s energy needs, but in creating an Egyptian nuclear deterrent: “We [Egyptians] are ready to starve in order to own a nuclear weapon that will represent a real deterrent and will be decisive in the Arab-Israeli conflict.”
Natürlich ist das eine offizielle U.S.-Meldung, aber ist sie deshalb schon falsch? Die Zitate sind jedenfalls mit Belegen versehen (die mir leider nichts nutzen, weil ich kein arabisch verstehe.)
Judges Cut
08.02.11 –
Das ist ja mal hübsch: Der empfehlenswerte Film des NDR zur Maschmeyer-Schröder-e.a.-Connection wird nun als "judges cut " effektvoll zensiert gezeigt. Was lerne ich daraus? Ein Kapitalismus, der Anwälte hat, spart sich die staatliche Zensur.
Israel, analysiert und bekopfschüttelt
05.02.11 –
„Eine Analyse von Sonja Zekri“ in der SZ geht so: Die Israelische Regierung fürchtet sich vor der Revolte in Ägypten und tut das ihren Verbündeten im Westen auch noch kund. So weit, so spielverderberisch. Aber:
„Was hätte es Israel gekostet, sich nach dem "Marsch der Million", vielleicht nach dem Überfall auf die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz als Partner eines freien Ägyptens anzubieten, eines Ägyptens, das den Friedensvertrag mit Israel und demokratische Standards gleichermaßen achtet? Man muss den Muslimbrüdern, Ägyptens stärkster organisierter Oppositionskraft, nicht vertrauen. Noch aber haben selbst sie die Einhaltung internationaler Verträge gelobt.“
Dazu gibt es auch andere Informationen. Aber was kümmert das Frau Zekri, wenn Israel gerade die historische Chance verpasst, die aufgeklärte, demokratische, moderne Sonja Zekri für sich einzunehmen?
„Inzwischen scheint man auch in Tel Aviv zu ahnen, dass die Denunzierung des ägyptischen Aufstands möglicherweise eben jene aufgeklärten, demokratischen, modernen Menschen gegen Israel aufbringt, mit denen sich ein stabiler Frieden machen ließe.“
Das ist seit Judas Ischariot wahrscheinlich die älteste antisemitische „Analyse“: Die Juden erschaffen sich die Antisemiten selbst durch ihr dummes Denunziantentum, Heilandsverrat und andere Brunnenvergiftereien mehr.
„Was hätte es Israel gekostet, sich nach dem "Marsch der Million", vielleicht nach dem Überfall auf die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz als Partner eines freien Ägyptens anzubieten, eines Ägyptens, das den Friedensvertrag mit Israel und demokratische Standards gleichermaßen achtet? Man muss den Muslimbrüdern, Ägyptens stärkster organisierter Oppositionskraft, nicht vertrauen. Noch aber haben selbst sie die Einhaltung internationaler Verträge gelobt.“
Dazu gibt es auch andere Informationen. Aber was kümmert das Frau Zekri, wenn Israel gerade die historische Chance verpasst, die aufgeklärte, demokratische, moderne Sonja Zekri für sich einzunehmen?
„Inzwischen scheint man auch in Tel Aviv zu ahnen, dass die Denunzierung des ägyptischen Aufstands möglicherweise eben jene aufgeklärten, demokratischen, modernen Menschen gegen Israel aufbringt, mit denen sich ein stabiler Frieden machen ließe.“
Das ist seit Judas Ischariot wahrscheinlich die älteste antisemitische „Analyse“: Die Juden erschaffen sich die Antisemiten selbst durch ihr dummes Denunziantentum, Heilandsverrat und andere Brunnenvergiftereien mehr.
Die leise Stimme der Vernunft
04.02.11 –
Bradley Burston hat einen Artikel geschrieben: „As an Israeli, I want the Egyptians to win“. Er ist deshalb einigen Kommentatoren nachzusprechen „der Dorfdepp“, „ein Verräter“, „simplifizierend“, ein „Schlafwandler“, kurz: ein vernünftiger Mensch.
Freiheit, Gleichheit, Muslimbrüderlichkeit
04.02.11 –
„Rashad al-Bayoumi said the peace treaty with Israel will be abolished after a provisional government is formed by the movement and other Egypt's opposition parties.
"After President Mubarak steps down and a provisional government is formed, there is a need to dissolve the peace treaty with Israel," al-Bayoumi said.“
Das wäre also das Erste, Prio One, was die Brüder auf der Agenda haben, sollte auch nur eine provisorische Regierung nach Mubarak gebildet werden. Es gibt für ein ausgebeutetes Land, das gerade seinen Diktator abgeschüttelt hat, ja auch nichts Wichtigeres als dem Nachbarstaat den Frieden aufzukündigen.
Was die Radikalen an der Revolte erregt, ist die Revolte. Sie haben kein anderes Ziel als die Zerstörung. Um das zu erreichen, lassen Sie sich bevorzugt von israelischen Panzern helfen. Dann kommt die zweite nicht minder bescheuerte Pose der Radikalreligiösen zur Anwendung: Schiess auf mich, Ungläubiger, und mach mich zum Märtyrer. Warum um Himmels willen werden die an einer provisorischen Regierungsbildung überhaupt beteiligt? Rätselhaftes Morgenland.
"After President Mubarak steps down and a provisional government is formed, there is a need to dissolve the peace treaty with Israel," al-Bayoumi said.“
Das wäre also das Erste, Prio One, was die Brüder auf der Agenda haben, sollte auch nur eine provisorische Regierung nach Mubarak gebildet werden. Es gibt für ein ausgebeutetes Land, das gerade seinen Diktator abgeschüttelt hat, ja auch nichts Wichtigeres als dem Nachbarstaat den Frieden aufzukündigen.
Was die Radikalen an der Revolte erregt, ist die Revolte. Sie haben kein anderes Ziel als die Zerstörung. Um das zu erreichen, lassen Sie sich bevorzugt von israelischen Panzern helfen. Dann kommt die zweite nicht minder bescheuerte Pose der Radikalreligiösen zur Anwendung: Schiess auf mich, Ungläubiger, und mach mich zum Märtyrer. Warum um Himmels willen werden die an einer provisorischen Regierungsbildung überhaupt beteiligt? Rätselhaftes Morgenland.
schön, wenn in Djerba Mohammed und Chaim zusammen in die Schule gehen
02.02.11 –
Sehr interessant zu lesen und live aus Tunis: Der Wadi Blog. Man bekommt auch einen Eindruck davon, wie schwer es ist, zuverlässige Informationen darüber zu erhalten, was wohl tatsächlich geschieht in den Revolten. Ein paar „Leute von der Straße“ kommen hier zu Wort.
Das hier, ein Interview zu Ägypten mit Hamed Abdel-Samad, gefällt mir so gut, dass ich es einfach glauben w i l l (Sie sollten mich vor dieser Schwäche natürlich warnen):
„Wie groß ist die Gefahr, dass die Muslimbrüder die von den Zivilisten ausgehenden Aufstände nutzen und sich an die Spitze der Bewegung setzen?
Selbstverständlich gibt es vereinzelt Muslimbrüder, die sich unter die Demonstrierenden mischen. Die Islamisten aber sind in der Minderheit und werden von allen Bürgern sofort zurechtgewiesen, wenn sie ihre Parolen rufen. Sie müssen wissen: Mubarak verkauft dem Westen seit rund 30 Jahren erfolgreich die Illusion, dass er die einzige Alternative zu den Islamisten sei.
Ein Irrtum, wie sich spätestens jetzt herausstellt.
Ein grandioser Irrtum. Es gibt mittlerweile eine neue Genration, die überhaupt nichts mit den Islamisten zu tun haben möchte: die Facebook-Generation. Und diese will Veränderung, Demokratie, Freiheit und Wohlstand. Sie wird sich dieses Mal nicht mit Weniger zufrieden geben.“
Das hier, ein Interview zu Ägypten mit Hamed Abdel-Samad, gefällt mir so gut, dass ich es einfach glauben w i l l (Sie sollten mich vor dieser Schwäche natürlich warnen):
„Wie groß ist die Gefahr, dass die Muslimbrüder die von den Zivilisten ausgehenden Aufstände nutzen und sich an die Spitze der Bewegung setzen?
Selbstverständlich gibt es vereinzelt Muslimbrüder, die sich unter die Demonstrierenden mischen. Die Islamisten aber sind in der Minderheit und werden von allen Bürgern sofort zurechtgewiesen, wenn sie ihre Parolen rufen. Sie müssen wissen: Mubarak verkauft dem Westen seit rund 30 Jahren erfolgreich die Illusion, dass er die einzige Alternative zu den Islamisten sei.
Ein Irrtum, wie sich spätestens jetzt herausstellt.
Ein grandioser Irrtum. Es gibt mittlerweile eine neue Genration, die überhaupt nichts mit den Islamisten zu tun haben möchte: die Facebook-Generation. Und diese will Veränderung, Demokratie, Freiheit und Wohlstand. Sie wird sich dieses Mal nicht mit Weniger zufrieden geben.“
Qualitätsjournalismus
28.01.11 –
Die Financial Times Deutschland am 27.1.11:

Bei dieser Überschriften wäre es mir einer Korrektur auch nicht mehr getan gewesen. Aus dem „soll eine weitere .. mitgetanzt haben“ wird in der Überschrift ganz forsch die Tatsache, die alle lesen wollen. Dazu ein sensibel gewähltes, in der Aussage ausgesprochen neutral gehaltenes Foto. Doch, das hat was. Was sehr sehr Schlechtes.

Bei dieser Überschriften wäre es mir einer Korrektur auch nicht mehr getan gewesen. Aus dem „soll eine weitere .. mitgetanzt haben“ wird in der Überschrift ganz forsch die Tatsache, die alle lesen wollen. Dazu ein sensibel gewähltes, in der Aussage ausgesprochen neutral gehaltenes Foto. Doch, das hat was. Was sehr sehr Schlechtes.
Menschenrechte – Affenrechte – und an die Hefe denkt wieder keiner!
13.12.10 –
Die Süddeutsche Zeitung gibt engagierten Tierschützern die Gelegenheit, einmal Tacheles zu reden (SZ ). Sind wir nicht alle ein bisschen Affen? So fragen sich die Autoren morgens vorm Spiegel, nicken kurz und behaupten recht konsequent, die französische Revolution habe sich ganz unnötig auf Verhältnisse zwischen Mensch und Mensch eingeschränkt. Dabei gäbe es ja noch mehr Kandidaten für Freiheit, Gleichheit und naja, vielleicht, Biestigkeit, Viecherlsoli? „Was ist Frauen und Tieren gemein?“ fragte sich schließlich schon 1994 die EMMA und beantwortete diese nur auf den ersten Blick bizarre Kernfrage der Frauenbewegung mit der „Deklaration der Rechte der großen Menschenaffen“. Wie auch immer. Mir greift diese Menschenrechte-für-Affen-Initiative auf jeden Fall noch zu kurz und das nicht nur, weil die Affenweibchen sprachlich nicht sauber inkludiert sind. Schließlich fragt das Magazin der Uni Zürich aus gutem Grund „Wie menschenähnlich ist die Hefe?“ und findet auch gleich darauf die korrekte Antwort: „Kein Zweifel, sie sind unsere Verwandten. Hefen sind nämlich Eukaryoten, das heisst Lebewesen mit einem Zellkern, und stehen damit dem Menschen viel näher als etwa den Bakterien.“ Das erweitert den Spielraum für Menschenrechte in wahrlich globalem Maßstab. Zellkernbesitzer aller Evolutionsstufen vereinigt Euch! Nieder mit den Bakterien, alle Macht den Eukaryoten! Das überzeugt selbst Altstalinisten mit einem Herz für Tiere, also Kommi-Eukaryoten wie mich.
Was mir bei dieser Ansicht dann aber nach etwas längerem Nachdenken doch nicht so gut gefällt, ist, wie meine Lieblingskombi Schweinsbraten/Hefeweißbier plötzlich so ein bisschen ins Kannibalische changiert. Und am Ende sind womöglich nur noch zwei Beschimpfungen aus dem Tierreich am Stammtisch akzeptabel. Nämlich wahlweise „Du Bakterie“ oder „Ihr Archea“! Du Aff´, oder auch das im Nachbarland beliebte, Ihr depperten Schwammerl, wäre gegen die Menschenwürde unserer Verwandten. Wir sitzen schließlich alle im selben Genpool, irgendwie, oder?
Was mir bei dieser Ansicht dann aber nach etwas längerem Nachdenken doch nicht so gut gefällt, ist, wie meine Lieblingskombi Schweinsbraten/Hefeweißbier plötzlich so ein bisschen ins Kannibalische changiert. Und am Ende sind womöglich nur noch zwei Beschimpfungen aus dem Tierreich am Stammtisch akzeptabel. Nämlich wahlweise „Du Bakterie“ oder „Ihr Archea“! Du Aff´, oder auch das im Nachbarland beliebte, Ihr depperten Schwammerl, wäre gegen die Menschenwürde unserer Verwandten. Wir sitzen schließlich alle im selben Genpool, irgendwie, oder?
Für die Zeit ist mir die Zeit zu schade
12.07.10 –
Die Recherche des Gerontojournalismus der Zeit geht so: Die Israelis haben da wieder was angestellt. Wer fährt mal runter zu den Opfern in die Türkei zur IHH? Du? Danke. Und frag die hilfsbereiten Türken mal, ob sie wirklich so radikalislamisch von der Hamas ferngesteuert werden.
Die gefragten Mitglieder der IHH, die ein engelsgleiches Gesicht aufgesetzt haben, antworten auf die investigative Frage, ob sie von der Hamas gesteuert sind, mit „Absurd.“ Alles brave Leute da unten, meldet der Zeitjournalist darauf beruhigt nach Deutschland. Haben es selber so gesagt. Die hatten keine politischen Absichten mit dem Gazahilfskonvoi, hatten bloß schonmal was über Ägypten geschickt und wollten´s halt diesmal übers Meer versuchen, nicht?
Wer etwas über die IHH, die den Konvoi initierte, erfahren möchte, kann sich beispielsweise bei Israels Botschaft informieren. Für wen das wegen sowieso zu erwartender israelischer Falschmeldungen nicht geht, der möge zur FAZ greifen. Die können wenigstens denken. Bei der Zeit ist das Licht der Vernunft längst erloschen.
Die gefragten Mitglieder der IHH, die ein engelsgleiches Gesicht aufgesetzt haben, antworten auf die investigative Frage, ob sie von der Hamas gesteuert sind, mit „Absurd.“ Alles brave Leute da unten, meldet der Zeitjournalist darauf beruhigt nach Deutschland. Haben es selber so gesagt. Die hatten keine politischen Absichten mit dem Gazahilfskonvoi, hatten bloß schonmal was über Ägypten geschickt und wollten´s halt diesmal übers Meer versuchen, nicht?
Wer etwas über die IHH, die den Konvoi initierte, erfahren möchte, kann sich beispielsweise bei Israels Botschaft informieren. Für wen das wegen sowieso zu erwartender israelischer Falschmeldungen nicht geht, der möge zur FAZ greifen. Die können wenigstens denken. Bei der Zeit ist das Licht der Vernunft längst erloschen.
Volksabstimmung
05.07.10 –
In der SZ kriegt sich ein Herr Käppner garnicht mehr ein vor Glücksgefühlen und demokratischem Furor. Es pocht derart in seinem Herzerl, dass er in der Headline ein Stakkato von vier Ausrufezeichen unterbringt: Wir! sind! das! Volk!
Dann kommt eine Suada von Schmarrn über Gauck vs. Wulff und warum das Volk der Souverän ist. Das erspare ich Ihnen, hier zu wiederholen. Aber dann steht da doch ein kluger Satz, der geht so: „Aber Plebiszite sind ja gar kein Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie. Sie sind eine Ergänzung, ein kräftiges, stärkendes Mittel gegen den verbreiteten Verdruss an Politik, Parteien und Parlament.“ Genau so ist es. Plebiszite sind ein Zuckerl, das einer Bevölkerung die Laune zum Mitmachen erhalten soll, die über die Länge der Zeit und die Breite der Enttäuschungen längst gelernt hat, dass zynischsten Spott verbreitet, wer die Wähler irgendwie als Souverän des Landes darstellt. Sowas tropft dem Käppner so ziemlich automatisch aus dem Kopf in die Tasten fürchte ich. Was mir zeigt, der ist nicht ganz dicht.
Gegenprobe. Was würde geschehen, wenn eine Volksabstimmung zur sofortigen, ersatzlosen Abschaffung des Erbrechtes aufgelegt werden würde? 90 % der Bevölkerung würden davon sofort profitieren. Die deutsche Auslandsverschuldung wäre über Nacht getilgt, der Sozialstaat stünde in voller Blüte, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt wäre zum ersten Mal in der Geschichte geschaffen. Ja, auch Sie, stirnrunzelnder Herr Leser mit den 250.000 per annum würden gewinnen. Was Sie Ihren Kindern hinterlassen, sind nämlich summa summarum und sub specie Gebrüder Aldis betrachtet: Peanuts.
Nur wird es eine solche Volksabstimmung nie geben. Dann wäre das Volk ja der Souverän über seine Interessen. „Gott bewahre!“, schreit halb Davos und der ganze Bundestag, „so weit käm´s noch.“
Dann kommt eine Suada von Schmarrn über Gauck vs. Wulff und warum das Volk der Souverän ist. Das erspare ich Ihnen, hier zu wiederholen. Aber dann steht da doch ein kluger Satz, der geht so: „Aber Plebiszite sind ja gar kein Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie. Sie sind eine Ergänzung, ein kräftiges, stärkendes Mittel gegen den verbreiteten Verdruss an Politik, Parteien und Parlament.“ Genau so ist es. Plebiszite sind ein Zuckerl, das einer Bevölkerung die Laune zum Mitmachen erhalten soll, die über die Länge der Zeit und die Breite der Enttäuschungen längst gelernt hat, dass zynischsten Spott verbreitet, wer die Wähler irgendwie als Souverän des Landes darstellt. Sowas tropft dem Käppner so ziemlich automatisch aus dem Kopf in die Tasten fürchte ich. Was mir zeigt, der ist nicht ganz dicht.
Gegenprobe. Was würde geschehen, wenn eine Volksabstimmung zur sofortigen, ersatzlosen Abschaffung des Erbrechtes aufgelegt werden würde? 90 % der Bevölkerung würden davon sofort profitieren. Die deutsche Auslandsverschuldung wäre über Nacht getilgt, der Sozialstaat stünde in voller Blüte, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt wäre zum ersten Mal in der Geschichte geschaffen. Ja, auch Sie, stirnrunzelnder Herr Leser mit den 250.000 per annum würden gewinnen. Was Sie Ihren Kindern hinterlassen, sind nämlich summa summarum und sub specie Gebrüder Aldis betrachtet: Peanuts.
Nur wird es eine solche Volksabstimmung nie geben. Dann wäre das Volk ja der Souverän über seine Interessen. „Gott bewahre!“, schreit halb Davos und der ganze Bundestag, „so weit käm´s noch.“
Liveticker WM-Kicker
03.07.10 –
Free Gaza
28.06.10 –
Wenn in Hannover Jugendliche mit Steinen nach einer israelischen Tanzgruppe werfen und dabei mit Megaphon „Juden raus“ schreien, dann frage ich mich schon: Wer hat denen das beigebracht? Ist da nirgends ein Erwachsener, der den Saubuam die Flüstertüte abnimmt und ein paar hinter die Löffel gibt? Nein? Sind sich von groß bis klein alle einig in der Sache? Das habe ich befürchtet.
Kurze Anleitung zur Diskussion solcher Vorfälle. Gespräche darüber sollten unter einfühlsamen und selbstverständlich antifaschistischen Antisemiten bitte möglichst in dieser Art ablaufen:
„Mann, Scheiße, werfen die einfach mit Steinen nach den Juden. Das erinnert an böse Zeiten. Keine gute Presse für Deutschland.“
„Stimmt schon, aber schaumal, wenn die auch alles dafür tun, um den Zorn auf sich zu lenken. Weisst schon, Gazablockade, Schiffskonvoi, der ganze imperialistische Mist eben.“
„Hast schon recht. Sie machen´s einem nicht leicht, sie zu mögen. Ehrlich nicht.“
usw. und so dämlich fort.
Das ist so das geistige Grundgerüst für Gespräche, mit denen den zurückgebliebenen, Gewalt verherrlichenden, sämtliche Menschenrechte verhöhnenden Feinden Israels der Rücken gestärkt wird: Zwingen uns doch die Juden tatsächlich schon wieder dazu, zum Täter an ihnen zu werden. Wie ungeschickt aber auch.
Kurze Anleitung zur Diskussion solcher Vorfälle. Gespräche darüber sollten unter einfühlsamen und selbstverständlich antifaschistischen Antisemiten bitte möglichst in dieser Art ablaufen:
„Mann, Scheiße, werfen die einfach mit Steinen nach den Juden. Das erinnert an böse Zeiten. Keine gute Presse für Deutschland.“
„Stimmt schon, aber schaumal, wenn die auch alles dafür tun, um den Zorn auf sich zu lenken. Weisst schon, Gazablockade, Schiffskonvoi, der ganze imperialistische Mist eben.“
„Hast schon recht. Sie machen´s einem nicht leicht, sie zu mögen. Ehrlich nicht.“
usw. und so dämlich fort.
Das ist so das geistige Grundgerüst für Gespräche, mit denen den zurückgebliebenen, Gewalt verherrlichenden, sämtliche Menschenrechte verhöhnenden Feinden Israels der Rücken gestärkt wird: Zwingen uns doch die Juden tatsächlich schon wieder dazu, zum Täter an ihnen zu werden. Wie ungeschickt aber auch.
Soros, die Kassandra unter den Heuschrecken
23.06.10 –
Wenn einer der wirklich was zu sagen hat, was sagt, sollte man zuhören. Soros, eine der US-Megaheuschrecken, fordert von Deutschland einen Beitrag zur Überwindung der Krise, die er selbst mit Wetten gegen den Euro angeblich noch vergrößert hat. Deutschland solle nicht so verbissen sparen, sonst halten die anderen, im Export schwächeren EU-Länder nicht mehr mit, bleiben auf ihren Gütern sitzen und fallen in eine Deflation: „ Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führte zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie.“ An der dem Soros wieviel liegt? Eben. Warum sagt er es dann? Weil er in der Leiche Europas nicht mehr herumspekulieren kann. Das hat einen gewissen Weitblick, der den deutschen Politikern fehlt, die offenbar glauben, Sie könnten jetzt den zweiten Weltkrieg doch noch im Nachgang gewinnen und die anderen EU-Länder wirtschaftlich unterwerfen. Aber wer soll dann noch die deutschen Autos kaufen, wenn es am Ende heisst: Operation gelungen, Patient tot? Noch geht bissel was: Die klammen Griechen wehren sich zwar ein wenig, sollen aber dennoch deutsche Kampfflugzeuge kaufen, – schließlich erhalten sie von Deutschland üppig Kredit. Wenn die PIGS plus Italien aber irgendwann garnichts mehr kaufen können, was dann? Dann liegt auch der deutsche Export darnieder und der Soros bekommt recht.
Wofür sich Vorstandsvorsitzende so interessieren
20.06.10 –
Tony Hayward spart gewinnorientiert einige Tausender bei der Sicherheitstechnik einer Tiefseeölförderanlage ein, zerstört damit für´s erste das Erwerbsleben einiger tausend Menschen, Folgeschäden unbekannt, und spricht dann dazu den Satz: „Ich will mein Leben wiederhaben.“ So winselt der Multimillionär ehe er zur Regatta antritt, weil er ein einziges Mal in seinem Leben dazu gezwungen war, sich für die Folgen seiner Taten öffentlich zu entschuldigen. Und dennoch gibt uns dieser, ich sag mal: Pestfetzen, dieses vertierte Ohrfeigengesicht, diese ölige Schande auf zwei Beinen ein lehrreiches Exempel. So wunderbar ist die Welt eingerichtet, liebe Leser. Denn jetzt ist auch dem eifrigsten Untertanen der Kapitalmaschine klar, was einen Vorstandsvorsitzenden allein interessiert: Nichts außer ihm selbst. Viel Spaß beim Segeln, Tony, und „Mast- und Schotbruch“, aber hallo! Nimm doch den Ackermann mit, bitte! (In meinem Kühlschrank steht eine Flasche Sekt, für den Fall, dass eins meiner Lieblingsekel abtritt. Da steht jetzt auch „Tony „Beyond Punishment“ Hayward drauf. Ich warte.)
Köhler lässt sich zum Abschied einen blasen:
15.06.10 –
Den St. Louis Blues beim Zapfenstreich. Die interessantere Meldung wäre zwar, dass der Bundesmastermind sich nach seinem hysterischen Hinschmiss in alle Zukunft Jahr für Jahr 200.000 aus dem Steuersäckel greifen darf plus Limousine, persönlichem Referenten und einer Sekretärin in einem Büro seiner Wahl. Womit sich die dämliche Frage der SZ, wie er sich wohl „fühle“, erübrigt. Die sollen sich lieber fragen, wie sich seine Mitarbeiter fühlen, die sind jetzt nämlich arbeitslos.
Aber mit der Fellatioheadline werde ich meinen Besucherrekord toppen, keine Frage. Von der Bild lernen , heisst siegen lernen („Horst ... weg!“, „Ösis verhöhnen Deutschland“ „Das wilde Sex-Leben der Kennedys“).. Wobei m. E. die Hamburger Morgenpost diesmal noch besser war als die Bild: „Bundes-Horst macht die Biege“ ist ein Gigant unter den Headlines.
Aber mit der Fellatioheadline werde ich meinen Besucherrekord toppen, keine Frage. Von der Bild lernen , heisst siegen lernen („Horst ... weg!“, „Ösis verhöhnen Deutschland“ „Das wilde Sex-Leben der Kennedys“).. Wobei m. E. die Hamburger Morgenpost diesmal noch besser war als die Bild: „Bundes-Horst macht die Biege“ ist ein Gigant unter den Headlines.
Prawda
03.06.10 –
Vor diesem Artikel warne ich nicht:
http://www.themoscowtimes.com/opinion/article/would-my-flotilla-to-khodorkovsky-be-shot/407327.html
http://www.themoscowtimes.com/opinion/article/would-my-flotilla-to-khodorkovsky-be-shot/407327.html
Mission accomplished
31.05.10 –
Wenn ein Rudel bekennender Antisemiten sich mit Rollstühlen und Fertighäusern übers Meer nach Gaza aufmacht, obwohl sie bereits vorher wissen, dass sie dort nie ankommen werden, dann hat diese ebenso dumme wie offensichtliche Provokation genau diese Ziele: Israel weiter zu isolieren und den letzten Verbündeten unter den „Muslimen“ zu nehmen: Die Türkei. Bravo, sie haben beides erreicht. Und damit es auch auf jeden Fall klappt, mussten der Paech und seine linken Rechten auch noch mit der Axt rumfuchteln und versuchen, einen Soldaten zu entwaffnen. An diesem hässlichen Vorfall können Sie alles über Antisemitismus lernen, was es zu lernen gibt. Der Antisemit schafft sich seinen Juden nach seinem Bild. Gehasst hat er ihn schon vorher. Der Grund dafür wird, wenn es sein muss unter Einsatz des eigenen Lebens, nachgeliefert. Hoffentlich weiß Obama, was dieser Vorfall bedeutet.
Miezen, hergehört!
27.05.10 –
Wenn Technokraten antworten
17.05.10 –
Ein Journalist fragt Steve Jobs, was sein neuestes Produkt wohl mit einer „Revolution“, also einer erkämpften Freiheit gemein habe. Schließlich sei das ein von Apple sehr reglementiertes, gar nicht auf Freiheit abzielendes Produkt und seine Bewerbung als revolutionäres Gerät damit eine Frechheit. Er meint die Freiheit der Menschen, zu tun oder zu lassen, was sie wollen.
Jobs antwortet darauf mit Datenschutz, Stromverbrauch und seltsam, seltsam, Freiheit vor Pornographie. Mit den Punkten eins und zwei gibt er zu verstehen, dass er die Frage des Journalisten nicht versteht, der dritte Punkt ist wahrscheinlich in Apples Designabteilung bei einem Meeting für „Clean content“ festgelegt worden: „Hey, diese uncoolen Pornoseiten für uncoole Wichser machen das ganze edle Look&Feel auf dem Touchscreen kaputt. Wir wollen sie nicht auf unseren stylishen, magischen Geräten für cleane Werbetussis haben, o.K.? Steve, kannst Du nicht dieses schlimme, hässliche Pornoflash verbieten lassen? Bitte, bitte.“
Am Ende watscht er den Journalisten ab, der solle sich trollen, schließlich habe er noch nichts Großes geleistet. Lies: „... nichts wie meine tolle iPad-Produktinnovation, Du investigativer Wurm.“
Ich weiß ja nicht, was der Journalist noch so vor hat, aber sollte es in die Richtung seiner Frage gehen, dann wird er für Jobs eine Laterne reservieren können.
Jobs antwortet darauf mit Datenschutz, Stromverbrauch und seltsam, seltsam, Freiheit vor Pornographie. Mit den Punkten eins und zwei gibt er zu verstehen, dass er die Frage des Journalisten nicht versteht, der dritte Punkt ist wahrscheinlich in Apples Designabteilung bei einem Meeting für „Clean content“ festgelegt worden: „Hey, diese uncoolen Pornoseiten für uncoole Wichser machen das ganze edle Look&Feel auf dem Touchscreen kaputt. Wir wollen sie nicht auf unseren stylishen, magischen Geräten für cleane Werbetussis haben, o.K.? Steve, kannst Du nicht dieses schlimme, hässliche Pornoflash verbieten lassen? Bitte, bitte.“
Am Ende watscht er den Journalisten ab, der solle sich trollen, schließlich habe er noch nichts Großes geleistet. Lies: „... nichts wie meine tolle iPad-Produktinnovation, Du investigativer Wurm.“
Ich weiß ja nicht, was der Journalist noch so vor hat, aber sollte es in die Richtung seiner Frage gehen, dann wird er für Jobs eine Laterne reservieren können.
Schon wieder einer, der so heisst, wie er redet
08.05.10 –
Der Mixa ist kein Bischof mehr und der Generalvikar spricht in der SZ so von einem „Neuanfang“: "Ich bitte die Gläubigen, den Klerus und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit die Einheit der Kirche zu wahren“. Also die Klappe zu halten und weiterzumachen. Was soll denn auch „Neuanfang“ heissen, bei einer Institution, die seit zweitausend Jahren Ihre Kraft aus der Beharrung und einem beispiellosen geistigen Stillstand zieht? Aber dass der Generalvikar dann auf den Namen Karlheinz Knebel hören muss, – so viel Offenheit in den kirchlichen Absichten versöhnt mich ja schon fast wieder.
iAd
06.05.10 –
Gibt es dieses Gesetz schon? Wenn nicht, dann wünsche ich, es möge das Doc-Voglsche-Entwicklungsgesetz heissen. Es lautet so:
„Jedes, auch das gehypteste Unternehmen wächst, bis es evil wird.“
Das ist unausweichlich.
Na, so richtig neu ist das Gesetz vielleicht garnicht.
Kenner der Materie flüstern jetzt leise „Gesetz der Kapitalakkumulation“. Aber das versteht heut ja kein iPod-Käufer mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir noch mehr Details über die Geschäftspraktiken von Apple erfahren. Keine davon werden den „Ich-bin-ein-Mac“-Jobsjüngern gefallen, die dem ruchlosesten Vorstandsvorsitzenden nach Josef Ackermann jeden neuen Fetisch mit frenetischem Applaus aus der Hand reissen - und wenn es eine Fernbedienung für 500 Euro ist, Verzeihung, ein iPad.
„Jedes, auch das gehypteste Unternehmen wächst, bis es evil wird.“
Das ist unausweichlich.
Na, so richtig neu ist das Gesetz vielleicht garnicht.
Kenner der Materie flüstern jetzt leise „Gesetz der Kapitalakkumulation“. Aber das versteht heut ja kein iPod-Käufer mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir noch mehr Details über die Geschäftspraktiken von Apple erfahren. Keine davon werden den „Ich-bin-ein-Mac“-Jobsjüngern gefallen, die dem ruchlosesten Vorstandsvorsitzenden nach Josef Ackermann jeden neuen Fetisch mit frenetischem Applaus aus der Hand reissen - und wenn es eine Fernbedienung für 500 Euro ist, Verzeihung, ein iPad.
Cloud Computing ist nützlich
19.04.10 –
Das FBI ermittelt in Google Docs Accounts. Jetzt weiß ich endlich, wofür Cloud steht: Central information Lounge Operated for Unidentified intelligence services Delight. Also: Wenn alle fleissig mitmachen beim Cloud Computing spart sich das Innenministerium die Kosten für Bundestrojaner.
Tabu?
15.04.10 –
Unter der Headline „Das israelische Tabu“ stellt Peter Münch in der SZ eine tabulos dumme Frage: „Israels geheime Atomwaffen sind die schwache Flanke von US-Präsident Obama im Kampf gegen Irans Bombe. Warum soll Jerusalem geduldet werden, was Teheran verboten ist?“ Die Antwort ist so schlicht: Weil es Israel sonst bald nicht mehr geben würde. Die Frage auch nur zu stellen impliziert, dass das so schlimm auch wieder nicht wäre. Hauptsache es gibt im Duell Israels gegen die ca. fünfzehn Staaten des Nahen Ostens, die Israel von der Landkarte tilgen wollen, gleiche Waffen auf beiden Seiten. Und dann noch „Israels geheime Atomwaffen“ – verschlagen sind sie auch noch, die Juden, und stellen Ihre A-Bomben nicht öffentlich am Marktplatz aus.
Wenn ein deutscher Journalist zu dem Wort „Tabu“ greift, weiß man, er möchte gern ein bisschen mit den Wölfen heulen und der Welt die Juden erklären, resp. den Juden die Welt. Die kleine hässliche Welt der Antisemiten, in der Juden nichts zu suchen haben.
Wenn ein deutscher Journalist zu dem Wort „Tabu“ greift, weiß man, er möchte gern ein bisschen mit den Wölfen heulen und der Welt die Juden erklären, resp. den Juden die Welt. Die kleine hässliche Welt der Antisemiten, in der Juden nichts zu suchen haben.
Stalin Kachelmann
24.03.10 –
Ein gescheites Opfer weiß natürlich früher als der Richter, wer ein Täter ist, über den deshalb berichtet werden muss, damit nicht wieder ein riesiges Unheil vertuscht wird, wie damals beispielsweise der Bananen- und Fernreiseentzug während der DDR-Volksfolter unter Walter „Stalin“ Ulbricht. Deshalb schaltet sich mal der sächsische Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus in die Causa Kachelmann kritisch ein: „Wie im Ersten ist auch im MDR nicht wegen des Verdachts der Vergewaltigung berichtet worden. Das kritisiert Rundfunkratmitglied Bernd Müller-Kaller, der sächsische Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus.“
Und wieder ein Peinlichkeitsrekord der SZ. Sie zitiert einen Juristen mit den Worten: „Die Medienberichte "über angeblich verübte Straftaten beeinträchtigen den Beschuldigten stets ausgesprochen erheblich in seinem Persönlichkeitsrecht“ – in der s e c h s t e n Meldung zu diesem angeblichen Verbrechen in zweieinhalb Tagen. Qualitätsjournalismus vom Feinsten.
Und wieder ein Peinlichkeitsrekord der SZ. Sie zitiert einen Juristen mit den Worten: „Die Medienberichte "über angeblich verübte Straftaten beeinträchtigen den Beschuldigten stets ausgesprochen erheblich in seinem Persönlichkeitsrecht“ – in der s e c h s t e n Meldung zu diesem angeblichen Verbrechen in zweieinhalb Tagen. Qualitätsjournalismus vom Feinsten.
Trendsport Selbstmord: Spanien geht voran
04.03.10 –
Der Selbstmord war 2009 die häufigste nicht natürliche Todesursache in Spanien. Mich wundert das seltsame „nicht natürlich“ an der Beschreibung der Suizide. Ja was sind sie denn dann? Psychisch bedingte Selbstmorde? Soziale? Unerklärliche? Nachdem die Menschen im Allgemeinen ganz gerne leben, sollte der natürliche Grund der Selbstmorde da zu suchen sein, wo die Lebenslust am Ende ist: in der Verzweiflung. Würden die Statistiker aber korrekt schreiben „2009 war in Spanien das Jahr der Verzweiflungstoten“, dann wäre das vielleicht einfach a) zu traurig für die Presse und b) würde Fragen wecken nach dem Warum. Sowas hat Gründe. Schon Peter Hacks hat die enorme Selbstentleibungskraft des Kapitalismus betont. Es wundert mich also nicht, dass die Menschen in der Krise dem System in den Abgrund nachspringen. Es geht zur Not aber auch ohne Verzweiflung. Auf Platz zwei der Statistik nicht natürlicher Todesursachen stehen die Verkehrstoten, gleichsam die natürlichen, dem System immanenten Selbstmorde im Kapitalismus. 2008 waren es in Spanien 3008 Menschen, die meisten geopfert auf den Altaren der Automobilindustrie. Der Glaube an die individuelle Mobilität, die angeblich etwas mit der Freiheit der Bürger zu tun haben soll, ist die wirksamste Anleitung zum Suizid, eine, die neben den Mitteln zum Freitod immer wieder auch gleich den Grund mitliefert. Siehe oben.
Deutschland diskutiert:
16.02.10 –
„Sind Hartz-IV-Empfänger wirklich so arm?“ So fragt augenzwinkernd die Bild am Faschingsdienstag. Zum Fasching mal was Munteres titeln, dachte sich der Diekmann. „Sooo schlecht geht´s denen ja wohl auch nicht, wenn sie sich noch unser Titten- und Deutschlandmagazin leisten können. Hehe.“
Gegenfrage: „Deutschland diskutiert: Sind Milliardäre wirklich so reich?“ Jetzt mal nur nicht gleich in die Neidfalle tappen. Kommt doch auf den Standpunkt an, oder? Sollte sich mithilfe der Bildzeitung ein Doppelkonsens ausdiskutieren lassen, der besagt, Milliardäre seine nur so lala ein wenig ziemlich reich, aber Hartz-IV-Empfänger nun halt sahelzonenvergleichsmäßig schon noch ganz schön im grünen Bereich, dann könnten die Empfänger den Milliardären vielleicht ein kleinwenig Geldes abgeben, damit die Gesamtbilanz wieder stimmt. Deutlicher stolzer Reichtum hier – mitleidheischende Bettelarmut da.
Gegenfrage: „Deutschland diskutiert: Sind Milliardäre wirklich so reich?“ Jetzt mal nur nicht gleich in die Neidfalle tappen. Kommt doch auf den Standpunkt an, oder? Sollte sich mithilfe der Bildzeitung ein Doppelkonsens ausdiskutieren lassen, der besagt, Milliardäre seine nur so lala ein wenig ziemlich reich, aber Hartz-IV-Empfänger nun halt sahelzonenvergleichsmäßig schon noch ganz schön im grünen Bereich, dann könnten die Empfänger den Milliardären vielleicht ein kleinwenig Geldes abgeben, damit die Gesamtbilanz wieder stimmt. Deutlicher stolzer Reichtum hier – mitleidheischende Bettelarmut da.
Schweinegrippchen
16.12.09 –
Hamburger Abendblatt 14. August 2003:
20 000 Grippetote in Deutschland
Marburg. Die ungewöhnlich starke Grippewelle des vergangenen Winters hat in Deutschland bis zu 20 000 Menschen das Leben gekostet, schätzt die Arbeitsgemeinschaft Influenza in Marburg. Die meisten Opfer waren älter als 60 Jahre.
(http://www.abendblatt.de/vermischtes/article203028/20-000-Grippetote-in-Deutschland.html)
SZ heute:
In Deutschland wurden laut Robert-Koch-Institut insgesamt mehr als 192.000 Fälle der neuen Influenza registriert. 94 Menschen starben. Europaweit verzeichneten die Behörden rund 1370 Todesfälle, weltweit wurden fast 19.000 gezählt.
(http://www.sueddeutsche.de/,ra16m1/wissen/389/497691/text/)
Wenn weltweit fast so viele Menschen an einer Grippe sterben, wie sonst schon mal in Deutschland in einem Winter, dann ist das also eine Pandemie. Anders gesagt: In Deutschland hat eine Pandemie stattgefunden, wenn im Vergleich zum Winter 2003 immerhin 0,47 % der Grippetoten zu beklagen sind. Was wir als Schweinegrippe erleben durften, war eine Gesundheitsepidemie, nichts anderes.
Bleibt die Frage: Spinnen die jetzt alle in den Medien mit ihrer hysterischen Berichterstattung über weniger als Nichts? Oder sind die bereits flächendeckend „durchfinanziert“ von der Pharmaindustrie?
20 000 Grippetote in Deutschland
Marburg. Die ungewöhnlich starke Grippewelle des vergangenen Winters hat in Deutschland bis zu 20 000 Menschen das Leben gekostet, schätzt die Arbeitsgemeinschaft Influenza in Marburg. Die meisten Opfer waren älter als 60 Jahre.
(http://www.abendblatt.de/vermischtes/article203028/20-000-Grippetote-in-Deutschland.html)
SZ heute:
In Deutschland wurden laut Robert-Koch-Institut insgesamt mehr als 192.000 Fälle der neuen Influenza registriert. 94 Menschen starben. Europaweit verzeichneten die Behörden rund 1370 Todesfälle, weltweit wurden fast 19.000 gezählt.
(http://www.sueddeutsche.de/,ra16m1/wissen/389/497691/text/)
Wenn weltweit fast so viele Menschen an einer Grippe sterben, wie sonst schon mal in Deutschland in einem Winter, dann ist das also eine Pandemie. Anders gesagt: In Deutschland hat eine Pandemie stattgefunden, wenn im Vergleich zum Winter 2003 immerhin 0,47 % der Grippetoten zu beklagen sind. Was wir als Schweinegrippe erleben durften, war eine Gesundheitsepidemie, nichts anderes.
Bleibt die Frage: Spinnen die jetzt alle in den Medien mit ihrer hysterischen Berichterstattung über weniger als Nichts? Oder sind die bereits flächendeckend „durchfinanziert“ von der Pharmaindustrie?
Massimo Tartaglia ...
14.12.09 –
...hat Berlusconi einen Mailänder Miniaturdom ins Gesicht geschmissen:
http://www.sueddeutsche.de/politik/206/497510/text/
Grazias, Massimo. Sie sind Katholik? Dann haben Sie ja jetzt Ihrem Herrgott gezeigt, was er mit dem echten Dom tun könnte, wenn er ein Herz hätte für Italien.
http://www.sueddeutsche.de/politik/206/497510/text/
Grazias, Massimo. Sie sind Katholik? Dann haben Sie ja jetzt Ihrem Herrgott gezeigt, was er mit dem echten Dom tun könnte, wenn er ein Herz hätte für Italien.
Warum nur?
14.12.09 –
Aussenpolitik ist für mein kleines Köpfchen offenbar eine zu große Denkaufgabe. Verstehen Sie, warum die USA in den Irak einmarschiert sind, wenn es dabei offensichtlich nicht um Öl ging? Lesen Sie das:
http://www.wadinet.de/blog/?p=2385
Das ist alles sehr undurchschaubar. Bleiben eigentlich nur noch Motive der privaten Bereicherung bei Bush/Cheney/Rumsfeld e.a. Ich würde mich nicht wundern, wenn morgen die USA die Dänemark befreien. Massenvernichtungswaffen kann man sich ja nicht nur in der Wüste halluzinieren. Und um an den Kriegsfolgen zu verdienen, spielt es auch keine Rolle, wo alles zu Klump gebombt wird. Hauptsache der Gegner ist hinreichend wehrlos. Sonst kommen mit den Bau-, Lösch- und Bewachungsaufträgen auch zu viele Särge heim.
http://www.wadinet.de/blog/?p=2385
Das ist alles sehr undurchschaubar. Bleiben eigentlich nur noch Motive der privaten Bereicherung bei Bush/Cheney/Rumsfeld e.a. Ich würde mich nicht wundern, wenn morgen die USA die Dänemark befreien. Massenvernichtungswaffen kann man sich ja nicht nur in der Wüste halluzinieren. Und um an den Kriegsfolgen zu verdienen, spielt es auch keine Rolle, wo alles zu Klump gebombt wird. Hauptsache der Gegner ist hinreichend wehrlos. Sonst kommen mit den Bau-, Lösch- und Bewachungsaufträgen auch zu viele Särge heim.
Committee to Protect Journalists
10.12.09 –
In der Telepolis lese ich (http://www.heise.de/tp/blogs/6/146718), immer mehr freie Journalisten weltweit werden inhaftiert, vor allem Blogger. Glücklicherweise gibt es ein Committee to Protect Journalists (CPJ), dessen Chef etwas konstatiert:
CPJ-Chef Joel Simon konstatiert eine neue Gefährdungslage, die auf viele Freelancer aktuell zutreffe:
"Der Aufsteig des Online-Journalismus hat zwar die Tür für eine neue Generation von Reporten aufgestoßen, aber er bedeutet auch, dass sie Gefahren mehr ausgesetzt sind.“
Wenn Sie dann wieder freigelassen werden, schreiben die Verhafteten vermutlich sowas in Ihre investigativen Blogs:
Ich bin einer aus der neuen Generation von Reporten, denen der Online-Journalismus die Tür aufgestossen hat. Schreibe als Freelancer Blog. Nach meinem Aufsteig las mich Geheimpolizei. Plötzlich traf diese Gefährdungslage, von mir gleich konstatiert, auf mich zu, klingelte an der Tür und führte mich ab …
Das würde ich als chinesischer Apparatschik auch nicht wollen, dass ein Blogger meine geheimsten politischen Pläne aufdeckt und dann in so einer verhunzten Sprache publiziert. Gleichwohl ein Tipp an die „Machthaber“ in aller Welt: Es ist viel billiger ein Lektorat zu bezahlen, als ein Gefängnis. Holen Sie ein Angebot ein beim Dr. Vogl.
CPJ-Chef Joel Simon konstatiert eine neue Gefährdungslage, die auf viele Freelancer aktuell zutreffe:
"Der Aufsteig des Online-Journalismus hat zwar die Tür für eine neue Generation von Reporten aufgestoßen, aber er bedeutet auch, dass sie Gefahren mehr ausgesetzt sind.“
Wenn Sie dann wieder freigelassen werden, schreiben die Verhafteten vermutlich sowas in Ihre investigativen Blogs:
Ich bin einer aus der neuen Generation von Reporten, denen der Online-Journalismus die Tür aufgestossen hat. Schreibe als Freelancer Blog. Nach meinem Aufsteig las mich Geheimpolizei. Plötzlich traf diese Gefährdungslage, von mir gleich konstatiert, auf mich zu, klingelte an der Tür und führte mich ab …
Das würde ich als chinesischer Apparatschik auch nicht wollen, dass ein Blogger meine geheimsten politischen Pläne aufdeckt und dann in so einer verhunzten Sprache publiziert. Gleichwohl ein Tipp an die „Machthaber“ in aller Welt: Es ist viel billiger ein Lektorat zu bezahlen, als ein Gefängnis. Holen Sie ein Angebot ein beim Dr. Vogl.
Mantra
08.12.09 –
Der Kapitalismus hat ein Mantra. Es existiert in vielen Varianten, die alle so enden: „… muss sich lohnen.“ Was anstelle der drei Pünktchen steht, ist gleichgültig. Das Mantra gilt immer. Man könnte auch sagen, alles hat einen Zweck im Kapitalismus. Und zwar alles denselben. So spannend, bunt und individuell ist der freie Markt. Von der Wohnung, über die Frühstückssemmel, die Arbeit, das Buch am Abend bis zu Freizeitaktivitäten und Intimbeziehungen. Lohnen muss es sich. Wofür die Dinge früher einmal da waren, Semmeln, die gut schmecken und dabei satt machen, Wohnungen, die Lebensraum und Wärme schenken – alle diese Zwecke sind dem Mantra untergeordnet. Sie werden zu Nebensachen. Lohnt sich die Semmel nicht, wird sie nicht hergestellt. Das Zweckmäßige fällt halt so nebenher ab, beim Profit machen. Oder auch nicht. Wie schwachsinnig dieses Monozweckwesen ist, wird aufs Grellste deutlich in der Headline „Klimaschutz muss sich lohnen“. Welche Zwecke verfolgte gleich wieder der Klimaschutz? Ach ja, das Ansteigen der Meere sollte verhindert werden, das Ozonloch auch und überhaupt die komplette Verwüstung großer Landstriche in den wärmeren Ländern. Wenn eine Katastrophe abgewehrt werden muss, kann da der Profit bitte einmal ganz kurz schweigen? Nur so kurz, bis in dem ein oder anderen Journalistengehirn sich vielleicht aus der Stille die Frage erhebt: Wer muss den Klimaschutz bezahlen? Eventuell die, die von der Verursachung der Katastrophe zwei Jahrhunderte lang profitiert haben?
Lambsdorff †
07.12.09 –
Über Tote soll man nichts Schlechtes sagen. Aber vielleicht die Wahrheit? „Krücke“, wie der Lambsdorff in einem Cartoon der Titanic früher hieß, hat in der Flick-Affäre echte Freundschaft bewiesen und den Rüstungsmilliardär durch sein geschwächtes Erinnerungsvermögen geschützt. Von Meineid war die Rede und wegen Steuerhinterziehung wurde er schließlich auch verurteilt. Aber zu was sonst ist ein FDP-Politiker da? Nur, was steht dann in der Zeitung? „Otto Graf Lambsdorff - Verfechter preußischer Tugend“ (SZ) Das haben die Preussen nicht verdient.
Wenn morgen der Kohl stirbt, heisst es wahrscheinlich auch, „der Kanzler der Einheit – ein Mann, ein Wort“. Auch Kohl hielt sein Wort ja bekanntlich dadurch, dass er keins über seine Lippen kommen ließ. Heimliche Parteispender verrät man nicht. Die industrielle „Pflege der politischen Landschaft“ (Brauchitsch, Flick) wäre sonst in Gefahr.
Wenn wenigstens was Besseres nachkommen würde. Aber der Westerwelle und die anderen Neuen bekommen ja jetzt erst richtig Zugang zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Und sie werden es sich schmecken lassen. Jetzt, wo sie wissen, dass das den Nachruhm eher fördert als behindert. Lambsdorffs preussische Tugend, was für ein schleimiger Schwachsinn.
Wenn morgen der Kohl stirbt, heisst es wahrscheinlich auch, „der Kanzler der Einheit – ein Mann, ein Wort“. Auch Kohl hielt sein Wort ja bekanntlich dadurch, dass er keins über seine Lippen kommen ließ. Heimliche Parteispender verrät man nicht. Die industrielle „Pflege der politischen Landschaft“ (Brauchitsch, Flick) wäre sonst in Gefahr.
Wenn wenigstens was Besseres nachkommen würde. Aber der Westerwelle und die anderen Neuen bekommen ja jetzt erst richtig Zugang zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Und sie werden es sich schmecken lassen. Jetzt, wo sie wissen, dass das den Nachruhm eher fördert als behindert. Lambsdorffs preussische Tugend, was für ein schleimiger Schwachsinn.
Tanz ums Minarett
30.11.09 –
Viele Schweizer mögen keine neuen Minarette mehr in der Schweiz sehen. Da kommt man schon ins Grübeln: Warum werden die eigentlich gefragt, wenn in der Verfassung steht, Minarette können gebaut werden? Und warum in einer so völlig abwegigen Frage? Und das einzige, was dann diskutiert wird, sind mögliche Auswirkungen auf die Marke „Schweiz“. Das könnten sich natürlich andere, ähnlich unappetitliche Markenländer wie die Dänemark bsplsw. zunutze machen: „Dänemark. Die tolerante Schlickschäre der Minarette“. So tolerant sind die garnicht? Na, dann gibt es hoffentlich auch keine Volksabstimmung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch noch die schlechteste Verfassung besser ist als der Durchschnitt der Bürger in einem Land. Wozu also das Volk fragen, wenn es um Verfassungsartikel geht? Da hätten viele halbwegs zivilisierte Staaten über Nacht wieder die hässlichsten Diskriminierungen in der Verfassung stehen und die Todesstrafe sowieso. Nochmal zur Schweiz: Gaddhafi sollte die gefangenen Schweizer nicht massakrieren. Er sollte ein Einfuhrverbot für Toblerone aussprechen. Das hätte Stil, Weisheit und morgenländische Größe.
Vorsicht: Der Fortschritt ist nicht zu stoppen ...
19.11.09 –
Macnews.de schreibt (http://www.macnews.de/news/120223.html):
"Erste Hinweise auf Mac OS X 10.7". Soso. Apple strickt am Betriebssystem weiter. Und ich dachte schon, das wars jetzt. Die finale Version. 10.6. Aber dann hat ein Macnews-Journalist in bester investigativer Manier eine Fehlermeldung analysiert, "die im Text die Referenznummer 11A47 aufweist und diese Referenz verweist auf einen spezifischen Mac OS X Build, " usw. Wahnsinn. Ich war mir so sicher, Apple würde nie wieder eine neue Betriebssystemversion veröffentlichen. Und dann das. Surprise. Der Artikel endet mit dem denkwürdigen Satz: "Eine mögliche Vorstellung des neuen Betriebssystems könnte bereits 2010 erfolgen, auch wenn die Veröffentlichung, sofern Apple den bisherigen Turnus beibehält, erst 2011 erfolgt." Da möchte ich dabei sein, wenn die Veröffentlichung 2010 erfolgt, auch wenn sie erst 2011 erfolgt. Das kann wahrscheinlich wirklich nur Apple und niemand sonst.
Online-Redakteur ist ein schwerer Beruf.
"Erste Hinweise auf Mac OS X 10.7". Soso. Apple strickt am Betriebssystem weiter. Und ich dachte schon, das wars jetzt. Die finale Version. 10.6. Aber dann hat ein Macnews-Journalist in bester investigativer Manier eine Fehlermeldung analysiert, "die im Text die Referenznummer 11A47 aufweist und diese Referenz verweist auf einen spezifischen Mac OS X Build, " usw. Wahnsinn. Ich war mir so sicher, Apple würde nie wieder eine neue Betriebssystemversion veröffentlichen. Und dann das. Surprise. Der Artikel endet mit dem denkwürdigen Satz: "Eine mögliche Vorstellung des neuen Betriebssystems könnte bereits 2010 erfolgen, auch wenn die Veröffentlichung, sofern Apple den bisherigen Turnus beibehält, erst 2011 erfolgt." Da möchte ich dabei sein, wenn die Veröffentlichung 2010 erfolgt, auch wenn sie erst 2011 erfolgt. Das kann wahrscheinlich wirklich nur Apple und niemand sonst.
Online-Redakteur ist ein schwerer Beruf.
Hängt ihn ab?
03.11.09 –
Es gibt einen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der hat entschieden, dass ein Kruzifix im Klassenzimmer eine Menschenrechtsverletzung darstellt. Denn: "Die Freiheit, keiner Religion anzugehören, brauche besonderen Schutz. Es sei nicht zu erkennen, wie das Zeigen eines "Symbols, das vernünftigerweise mit dem Katholizismus verbunden werden kann", dem für eine demokratische Gesellschaft wesentlichen Bildungspluralismus dienen könne." (SZ heute)
Der italienische Innen-Staatssekretär Alfredo Mantovano fragt daraufhin entrüstet, ob denn nun auch der Mailänder Dom abgerissen werden müsse. Ich würde sagen nein, solange keiner versucht, ihn in einem Klassenzimmer aufzustellen.
Der italienische Innen-Staatssekretär Alfredo Mantovano fragt daraufhin entrüstet, ob denn nun auch der Mailänder Dom abgerissen werden müsse. Ich würde sagen nein, solange keiner versucht, ihn in einem Klassenzimmer aufzustellen.
Davor warnen die Anderen
03.11.09 –
"Grippewelle". "Rollt der Grippe-Tsunami aus Bayern über Deutschland?". "Die Welle hat begonnen." Das höre ich alle paar Jahre. Das letzte Mal waren, glaube ich, Hühner schuld, oder?
Die Pandemie nimmt im bürgerlichen Pandämonium vielleicht deshalb einen so prominenten Platz ein, weil der zufällig auf der richtigen Erdhalbkugel Geborene ahnt, seine Untaten und seine Untätigkeit in betreffs echter Weltprobleme könnten irgendwann den Weltgeist zu einem die Gerechtigkeit durch Ausgleich herstellenden Rachespektakel bewegen. Für diesen Fall wäre es natürlich angenehmer, die unsichtbaren Viren würden das besorgen, als die Armen kämen selbst vorbei und der Exodus der Dritten Welt würde einen Tsunami der Plünderer übers behütete Heimatl schwemmen.
Ich geh mir Taschentücher kaufen. Im Herbst läuft sogar dem Doc die Nase.
Die Pandemie nimmt im bürgerlichen Pandämonium vielleicht deshalb einen so prominenten Platz ein, weil der zufällig auf der richtigen Erdhalbkugel Geborene ahnt, seine Untaten und seine Untätigkeit in betreffs echter Weltprobleme könnten irgendwann den Weltgeist zu einem die Gerechtigkeit durch Ausgleich herstellenden Rachespektakel bewegen. Für diesen Fall wäre es natürlich angenehmer, die unsichtbaren Viren würden das besorgen, als die Armen kämen selbst vorbei und der Exodus der Dritten Welt würde einen Tsunami der Plünderer übers behütete Heimatl schwemmen.
Ich geh mir Taschentücher kaufen. Im Herbst läuft sogar dem Doc die Nase.
Voll im Trend: Paradoxe Interventionen in der Politik
29.10.09 –
Langsam kommt mein Köpfchen nicht mehr mit. Was für einen Reim soll ich mir auf diese Meldungen machen? Ein US-Präsident, der gerade zwei Kriege führt, erhält den Friedensnobelpreis. Ein FDP-Politiker Niebel, der aussieht wie ein missglückter Klon von Ronald Schill, wird Entwicklungshilfeminister, nachdem er vorgeschlagen hatte, dieses Ressort abzuschaffen. Ein manifest paranoider Innenminister, der einmal 100.000 DM von einem Waffenhändler annahm, die dann plötzlich verschwanden und nie mehr auftauchten, woran er sich heute nicht mehr erinnern kann, wird Finanzminister. Ist das ein neuer historischer Trend? Fortschritt durch paradoxe Fehlbesetzungen? Ich lehne diesen Staat ab und bin nicht bereit mich am allgemeinen Wahnsinn der regierenden Politbanden irgendwie zu beteiligen. Wahrscheinlich werde ich dann bald Kanzler.
Hort des Wahnsinns?
16.10.09 –
Offenbar gibt es in Nordrheinwestfalen ein paar Politiker, die tatsächlich etwas versuchen, was der Mehrheit Ihrer Kollegen zu anstrengend und zu wenig einträglich erscheint: Denken. Und zwar recht phantasievoll und ohne jede unnötige Selbstzensur. Das beste daran ist, dass diese Linksparteiler ihre Ideen auch veröffentlichen. Da steht dann im "Langwahlprogramm DIE LINKE" beispielsweise das:
"Für dezentrale und kommunale Energieversorgungsstrukturen: die Energiekonzerne – in NRW RWE und E.ON - müssen vergesellschaftet werden, ihre Netze gehören in öffentliches und demokratisch kontrolliertes Eigentum"
und das:
"Die derzeitige Kriminalisierung von Rauschmittel konsumierenden Menschen schafft durch die Zerstörung von Lebensläufen, Vertrauensverhältnissen, Freundschaften und Familien mehr Probleme, als sie vorgibt zu lösen."
und auch sowas:
"[Die Linke ist für] die Abschaffung des Religionsunterrichts und die Einführung eines gemeinsamen Ethikunterrichtes"
Diese Gedanken sind nicht neu, aber es ist erfrischend zu sehen, dass eine Partei sie formuliert, die sogar eine kleine, wachsende Basis hat.
Dazu die Süddeutsche: "Seit die Linke vergangene Woche ihre Thesen vorgestellt hat, die auf dem Parteitag im November zur Abstimmung stehen, herrscht parteiübergreifend Entsetzen. 54 Seiten umfasst der Entwurf, wie üblich aber konzentriert sich die Debatte auf ein paar Punkte: So sollen die Energiekonzerne RWE und Eon "vergesellschaftet", der Religionsunterricht abgeschafft und in der Drogenpolitik ein "Recht auf Rausch" verwirklicht werden."
In dem SZ-Artikel stehen ausserdem die Vokabeln: Absurdistan, zusammenhangsloses Sammelsurium, diese Quartalsirren, Hort des Wahnsinns.
Bevor ich nun die Gretchenfrage stelle und vor zu großen Hoffnungen warne, möchte ich betonen, wie traurig dieses Kasperltheater auch ist. Wenn Ideen zur Verbesserung der Lage ohne den Ansatz einer Diskussion parteiübergreifend mit Entsetzen abgewehrt werden müssen - mit wem soll denn ein an Veränderung interessierter Politiker dann überhaupt noch sprechen?
Die große Frage ist nun: Wann kippen die um? Nach einigen Tagen? Monaten? Nie?
"Für dezentrale und kommunale Energieversorgungsstrukturen: die Energiekonzerne – in NRW RWE und E.ON - müssen vergesellschaftet werden, ihre Netze gehören in öffentliches und demokratisch kontrolliertes Eigentum"
und das:
"Die derzeitige Kriminalisierung von Rauschmittel konsumierenden Menschen schafft durch die Zerstörung von Lebensläufen, Vertrauensverhältnissen, Freundschaften und Familien mehr Probleme, als sie vorgibt zu lösen."
und auch sowas:
"[Die Linke ist für] die Abschaffung des Religionsunterrichts und die Einführung eines gemeinsamen Ethikunterrichtes"
Diese Gedanken sind nicht neu, aber es ist erfrischend zu sehen, dass eine Partei sie formuliert, die sogar eine kleine, wachsende Basis hat.
Dazu die Süddeutsche: "Seit die Linke vergangene Woche ihre Thesen vorgestellt hat, die auf dem Parteitag im November zur Abstimmung stehen, herrscht parteiübergreifend Entsetzen. 54 Seiten umfasst der Entwurf, wie üblich aber konzentriert sich die Debatte auf ein paar Punkte: So sollen die Energiekonzerne RWE und Eon "vergesellschaftet", der Religionsunterricht abgeschafft und in der Drogenpolitik ein "Recht auf Rausch" verwirklicht werden."
In dem SZ-Artikel stehen ausserdem die Vokabeln: Absurdistan, zusammenhangsloses Sammelsurium, diese Quartalsirren, Hort des Wahnsinns.
Bevor ich nun die Gretchenfrage stelle und vor zu großen Hoffnungen warne, möchte ich betonen, wie traurig dieses Kasperltheater auch ist. Wenn Ideen zur Verbesserung der Lage ohne den Ansatz einer Diskussion parteiübergreifend mit Entsetzen abgewehrt werden müssen - mit wem soll denn ein an Veränderung interessierter Politiker dann überhaupt noch sprechen?
Die große Frage ist nun: Wann kippen die um? Nach einigen Tagen? Monaten? Nie?
Verleser
21.09.09 –
Was lehrt uns das?
21.09.09 –
Die Tageszeitung schreibt heute zur Eröffnung des weltgrößten Rudelbesäufnisses:
"Wiesenstart 2009: so gemütlich wars schon lang nicht mehr"
Die Abendzeitung heute:
"Wiesenstart 2009: Brutal wie noch nie"
Was stimmt denn nun, was folgt daraus? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben? Ich denke, das trifft die Wahrheit: "Die Wiesen war noch nie so brutal gemütlich wie immer". Und daraus folgt auch immer das gleiche: Man muss ja nicht hingehen.
"Wiesenstart 2009: so gemütlich wars schon lang nicht mehr"
Die Abendzeitung heute:
"Wiesenstart 2009: Brutal wie noch nie"
Was stimmt denn nun, was folgt daraus? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben? Ich denke, das trifft die Wahrheit: "Die Wiesen war noch nie so brutal gemütlich wie immer". Und daraus folgt auch immer das gleiche: Man muss ja nicht hingehen.
Der Staat, Frau Zypries und die Killerkids
15.09.09 –
In der Telepolis lese ich: "Justizministerin Zypries hat den Eindruck, "dass die Verrohung unter Jugendlichen seit Jahren zunimmt. Das mag vor allem daran liegen, dass es bei vielen jungen Menschen an einem vernünftigen Sozialverhalten fehlt." Dem abzuhelfen, empfiehlt sie Jugendarbeit.
Man könnte also der luciden Analyse der Frau Zypris folgend davon sprechen, die Verrohung der Jugendlichen leite sich aus einer gewissen Verrohung her. Klar. Dass der Staat diesen Möchtegern-Gangstarappern aus dem Stadelheim 0 Perspektive gibt, geht in die Ursachenforschung nicht mit ein.
Wer heute nicht das Glück hat, in der schrumpfenden Mittelschicht mit einem halbwegs schlauen Köpfchen geboren zu sein, der endet mit großer Wahrscheinlichkeit als Futter für die Zeitarbeitsfirmen oder in noch würdeloseren Umständen. Er hat sein Leben am Arbeitsmarkt abzugeben, ohne auch nur soviel von dort dafür zurückzubekommen, dass er sich ein halbwegs ausreichendes Auskommen verdienen kann. Kurz: Er gehört nicht mehr dazu, er ist draussen, asozial. Er ist bereits materiell und seelisch aus dem Kreis der Menschen mit einem vernünftigen Sozialverhalten ausgeschlossen.
Er kann sich fast nichts von dem leisten, was die vernünftigen Sozialen haben und kommt nirgends rein, wo die hingehen. Alles zu teuer. Er bekommt nicht die Wohnung, die Frauen, die Bestätigung, die medizinische Versorgung, die Sicherheit, die Hoffnungen, den Spaß, den Urlaub auf Ibiza - nichts. Und Bier und Schnaps, das Lebenselixier der Prekären, mit dessen Besteuerung sich der Staat die Taschen voll macht, aus denen er dann wieder Streetworker und Antidrogenkampagnen bezahlen kann, werden auch nicht billiger.
Killerkids sind notorische Schwarzfahrer. Jetzt fragen Sie: Müssen aus Schwarzfahrern Schläger werden? Nein. Aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Das staatlich geförderte Syndrom Armut in Tateinheit mit täglichem Verarschtwerden ist sicher kein moralischer Grund dafür, sich asozial zu verhalten. Eine Ursache aber schon. Wirtschaft und Staat verhalten sich einer wachsenden Gruppe an Armen gegenüber weder vernünftig noch sozial. Und die armen Streetworker und Fussballclubs sollen´s dann wieder richten. Sozialpädagogik und Vereinswesen sind schön, aber mit Sicherheit nicht die richtige Antwort auf Ungerechtigkeit.
Man könnte also der luciden Analyse der Frau Zypris folgend davon sprechen, die Verrohung der Jugendlichen leite sich aus einer gewissen Verrohung her. Klar. Dass der Staat diesen Möchtegern-Gangstarappern aus dem Stadelheim 0 Perspektive gibt, geht in die Ursachenforschung nicht mit ein.
Wer heute nicht das Glück hat, in der schrumpfenden Mittelschicht mit einem halbwegs schlauen Köpfchen geboren zu sein, der endet mit großer Wahrscheinlichkeit als Futter für die Zeitarbeitsfirmen oder in noch würdeloseren Umständen. Er hat sein Leben am Arbeitsmarkt abzugeben, ohne auch nur soviel von dort dafür zurückzubekommen, dass er sich ein halbwegs ausreichendes Auskommen verdienen kann. Kurz: Er gehört nicht mehr dazu, er ist draussen, asozial. Er ist bereits materiell und seelisch aus dem Kreis der Menschen mit einem vernünftigen Sozialverhalten ausgeschlossen.
Er kann sich fast nichts von dem leisten, was die vernünftigen Sozialen haben und kommt nirgends rein, wo die hingehen. Alles zu teuer. Er bekommt nicht die Wohnung, die Frauen, die Bestätigung, die medizinische Versorgung, die Sicherheit, die Hoffnungen, den Spaß, den Urlaub auf Ibiza - nichts. Und Bier und Schnaps, das Lebenselixier der Prekären, mit dessen Besteuerung sich der Staat die Taschen voll macht, aus denen er dann wieder Streetworker und Antidrogenkampagnen bezahlen kann, werden auch nicht billiger.
Killerkids sind notorische Schwarzfahrer. Jetzt fragen Sie: Müssen aus Schwarzfahrern Schläger werden? Nein. Aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Das staatlich geförderte Syndrom Armut in Tateinheit mit täglichem Verarschtwerden ist sicher kein moralischer Grund dafür, sich asozial zu verhalten. Eine Ursache aber schon. Wirtschaft und Staat verhalten sich einer wachsenden Gruppe an Armen gegenüber weder vernünftig noch sozial. Und die armen Streetworker und Fussballclubs sollen´s dann wieder richten. Sozialpädagogik und Vereinswesen sind schön, aber mit Sicherheit nicht die richtige Antwort auf Ungerechtigkeit.
Mehr Testosteron?
14.09.09 –
Fünf SZ-Headlines heute:
1) Prügelattacke in Solln - Zivilcourage mit Todesfolge …
2) Junge Schläger in München - Die Tat in Solln ist kein Einzelfall. …
3) "Stumpfe Gewalt mit einem Gegenstand". Folgen einer Schlägerei in Kenia: Der Gutachter sagt gegen Ernst August von Hannover aus. …
4) Beckham rastet aus. David Beckham würgt einen Gegenspieler, …
aber dann:
5) Das Testosteron-Defizit …
Wer stimmt eigentlich die Meldungen bei der Zeitung ab? Ich meine, das Gesamtbild ergibt die Prawda, nicht die einzelne Nachricht, oder? Wenn von den Minderjährigen über die vorbildlichen Sportler bis zum alten Adel so ziemlich alle draufloswürgen und -prügeln, was die Fäuste hergeben, dann soll ich an ein Testosterondefizit glauben? Nicht in dieser Welt.
1) Prügelattacke in Solln - Zivilcourage mit Todesfolge …
2) Junge Schläger in München - Die Tat in Solln ist kein Einzelfall. …
3) "Stumpfe Gewalt mit einem Gegenstand". Folgen einer Schlägerei in Kenia: Der Gutachter sagt gegen Ernst August von Hannover aus. …
4) Beckham rastet aus. David Beckham würgt einen Gegenspieler, …
aber dann:
5) Das Testosteron-Defizit …
Wer stimmt eigentlich die Meldungen bei der Zeitung ab? Ich meine, das Gesamtbild ergibt die Prawda, nicht die einzelne Nachricht, oder? Wenn von den Minderjährigen über die vorbildlichen Sportler bis zum alten Adel so ziemlich alle draufloswürgen und -prügeln, was die Fäuste hergeben, dann soll ich an ein Testosterondefizit glauben? Nicht in dieser Welt.
Revolutiönchen verboten
03.09.09 –
Daniel Brössler schreibt heute unter dem Titel „Lafontaine und die Linke. Der weite Weg in die Realität" das da in die SZ:
„Als Erstes kehren die Soldaten aus Afghanistan heim. Unverzüglich, ohne umständliche Absprachen mit den Verbündeten und ohne Rücksicht auf die Bitten der Regierung in Kabul. Dann beginnen die Verhandlungen mit den Nato-Partnern. Sie müssen überzeugt werden, die Allianz aufzulösen.
Zeitgleich sind eine Menge Gesetze zu ändern. Endlich bekommen Rentner, Eltern und Arbeitslose mehr Geld. Der Spitzensteuersatz steigt auf 53 Prozent. Willkommen im roten Deutschland. Willkommen in einem Deutschland, das die Linkspartei regiert."
Ich verstehe, dass diese Vision mich erschrecken soll – ach was, so irres Zeug haben die Linken vor? Heiliges Abendland. Das darf nicht geschehen.
Dann bringt der Brössler das übliche Warum-sich-nichts-ändern-kann-Argument, also leere Kassen. Das Ganze endet mit dem Satz:
„Wer eine andere Politik will, kommt als Koalitionspartner in Frage. Wer ein anderes Land will, nicht."
Brössler,
in einem anderen Land würden Rentner, Eltern und Arbeitslose unverzüglich – ohne umständliche Absprachen mit irgendwelchen Verbündeten und ohne Rücksicht auf die Bitten der Regierung – die Vorstandsspitzen sowie die Schwer- und Schwerstreichen nebst der Politikerkaste mit dem Hals an Laternen befestigen und sich dann nehmen, was ihnen zusteht. Nato hin, Afghanistan her. Was die Linkspartei vorhat, wird Ihr Brösslersches Leben nicht einmal ansatzweise verändern. Das nur zur Entwarnung. Das Land, in dem Sie leben, wird leider noch lange dasselbe sein. Vielleicht einen Hauch sozialdemokratischer, falls nicht gar zu viele Ihre neurotischen Befürchtungen teilen.
Also ermannen Sie sich ein bisschen und heulen Sie nicht rum wegen einer angeblich nicht koalitionsfähigen Linkspartei. Im übrigen gilt, was Wiglaf Droste in einem schönen Zweizeiler so ausdrückte:
Die Linkspartei, die Linkspartei,
die geht mir rechts am Arsch vorbei.
„Als Erstes kehren die Soldaten aus Afghanistan heim. Unverzüglich, ohne umständliche Absprachen mit den Verbündeten und ohne Rücksicht auf die Bitten der Regierung in Kabul. Dann beginnen die Verhandlungen mit den Nato-Partnern. Sie müssen überzeugt werden, die Allianz aufzulösen.
Zeitgleich sind eine Menge Gesetze zu ändern. Endlich bekommen Rentner, Eltern und Arbeitslose mehr Geld. Der Spitzensteuersatz steigt auf 53 Prozent. Willkommen im roten Deutschland. Willkommen in einem Deutschland, das die Linkspartei regiert."
Ich verstehe, dass diese Vision mich erschrecken soll – ach was, so irres Zeug haben die Linken vor? Heiliges Abendland. Das darf nicht geschehen.
Dann bringt der Brössler das übliche Warum-sich-nichts-ändern-kann-Argument, also leere Kassen. Das Ganze endet mit dem Satz:
„Wer eine andere Politik will, kommt als Koalitionspartner in Frage. Wer ein anderes Land will, nicht."
Brössler,
in einem anderen Land würden Rentner, Eltern und Arbeitslose unverzüglich – ohne umständliche Absprachen mit irgendwelchen Verbündeten und ohne Rücksicht auf die Bitten der Regierung – die Vorstandsspitzen sowie die Schwer- und Schwerstreichen nebst der Politikerkaste mit dem Hals an Laternen befestigen und sich dann nehmen, was ihnen zusteht. Nato hin, Afghanistan her. Was die Linkspartei vorhat, wird Ihr Brösslersches Leben nicht einmal ansatzweise verändern. Das nur zur Entwarnung. Das Land, in dem Sie leben, wird leider noch lange dasselbe sein. Vielleicht einen Hauch sozialdemokratischer, falls nicht gar zu viele Ihre neurotischen Befürchtungen teilen.
Also ermannen Sie sich ein bisschen und heulen Sie nicht rum wegen einer angeblich nicht koalitionsfähigen Linkspartei. Im übrigen gilt, was Wiglaf Droste in einem schönen Zweizeiler so ausdrückte:
Die Linkspartei, die Linkspartei,
die geht mir rechts am Arsch vorbei.
Piëch am 22.10.2008
03.04.09 –
Fröhliche Wissenschaft
30.03.09 –
Glauben Sie nicht, was Sie lesen
18.03.09 –
und weiter geht´s...
01.03.09 –
Vorsicht Grenzwerte
05.08.08 –
Der Lektor kommt spät, aber er kommt
08.07.08 –
Alternative Treibstoffe aus Geflügel
11.06.08 –
Schäuble mal wieder
23.04.08 –
Schäuble, der permanente Verfassungsbrecher ("Ich rate jedem, mich nicht als permanenten Verfassungsbrecher zu verleumden"), hat schwierige Fragen in seinem Kopf, die nach Diskussion und einer Antwort verlangen. Zum Beispiel die:
„Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht auch nach dem Kompromiss über heimliche Online-Durchsuchungen noch Diskussionsbedarf. Bund und Länder müssten in Ruhe darüber reden, ob die im Grundgesetz garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ([Artikel 13]) das "heimliche Betreten" einer Wohnung zulasse, sagte Schäuble der Leipziger Volkszeitung.“
Kommt drauf an. Der Schäuble-Attentäter mit der Smith&Wesson hatte sich 1990 die feinsinnige Frage gewiss nicht gestellt, ob die Unverletzlichkeit des Leibes auch dann noch garantiert ist, wenn ein paar kleine spitze Gegenstände zum Zwecke der Terrorbekämpfung in ihn eingedrungen sind. Von solchen Typen muss man sich distanzieren. Ich habe mir deshalb das mit der Unverletzlichkeit der Wohnung ernsthaft und etwas länger überlegt und komme zu dem für mich privat (naja, das bin ich dann ja nicht mehr wirklich) recht befriedigenden Schluss: Wenn die Herren Geheimen die Wäsche abhängen, bügeln, die Küche aufräumen und den Windeleimer runterbringen, dann dürfen Sie sich auch gern ein Weilchen erfolglos mit meinem Rechner befassen. Aber der Kühlschrank bleibt zu, meine Herren! Beim Bier werde ich zum, nein das schreibe ich jetzt nicht, das ist ja saudumm, ich schreibe: beim Bier hört der Spaß auf, ihr permanenten Verfassungsbrecher.
http://www.heise.de/newsticker/suche/ergebnis?rm=result;words=Sch%C3%A4uble;q=sch%C3%A4uble;url=/newsticker/meldung/106874/
„Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht auch nach dem Kompromiss über heimliche Online-Durchsuchungen noch Diskussionsbedarf. Bund und Länder müssten in Ruhe darüber reden, ob die im Grundgesetz garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ([Artikel 13]) das "heimliche Betreten" einer Wohnung zulasse, sagte Schäuble der Leipziger Volkszeitung.“
Kommt drauf an. Der Schäuble-Attentäter mit der Smith&Wesson hatte sich 1990 die feinsinnige Frage gewiss nicht gestellt, ob die Unverletzlichkeit des Leibes auch dann noch garantiert ist, wenn ein paar kleine spitze Gegenstände zum Zwecke der Terrorbekämpfung in ihn eingedrungen sind. Von solchen Typen muss man sich distanzieren. Ich habe mir deshalb das mit der Unverletzlichkeit der Wohnung ernsthaft und etwas länger überlegt und komme zu dem für mich privat (naja, das bin ich dann ja nicht mehr wirklich) recht befriedigenden Schluss: Wenn die Herren Geheimen die Wäsche abhängen, bügeln, die Küche aufräumen und den Windeleimer runterbringen, dann dürfen Sie sich auch gern ein Weilchen erfolglos mit meinem Rechner befassen. Aber der Kühlschrank bleibt zu, meine Herren! Beim Bier werde ich zum, nein das schreibe ich jetzt nicht, das ist ja saudumm, ich schreibe: beim Bier hört der Spaß auf, ihr permanenten Verfassungsbrecher.
http://www.heise.de/newsticker/suche/ergebnis?rm=result;words=Sch%C3%A4uble;q=sch%C3%A4uble;url=/newsticker/meldung/106874/
Immobilienkrise erreicht Bulgarien
18.03.08 –
Diese luxuriöse Shoppingmall im Premiumsegment mitten im fruchtbaren Bulgarischen Kernland wird wohl nie mehr realisiert werden. Das großzügige Areal versteppt, der ruinierte Rohbau ächzt unter der Last geplatzter Kredite, und es zeichnet sich bereits ab, dass auch die Telekommunikationsbranche mit in den Abgrund gerissen wird. So endet der Traum vom Bauboom im blühenden Osten, noch ehe er recht begann.


Süddeutsche Zeitung
18.03.08 –
SZ am 18.03.2008: „Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Der Chef der größten deutschen Bank rief Regierungen und Zentralbanken zu "mutigen Schritten" gegen die Finanzmarktkrise auf.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
Der Zauber treffender Namen
27.02.08 –
Es ist schon fast gespenstisch schön, den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes mit dem Namen „Dr. Papier“ bezeichnet zu lesen. Nomen = Omen: 106 Seiten hatte das heutige Urteil, das erfreulicher Weise dem Schäuble ein paar Reissnägel auf den Weg in den Abgrund streut. Wäre die Welt überall in dieser prästabilierten Harmonie eingerichtet, müsste ich womöglich „Dr. Schreibe“, „Dr. Sorge“ oder „Doc Tor“ heissen, wer weiß.
Ausstellungen
22.02.08 –
Verehrte Leser und Freunde der Kunst: Meiden Sie die Ausstellung von Lothar Götter am 7. März, 19 Uhr in seinem Atelier in der Westendstraße 76a Rgb.; gehen Sie nicht zur Ausstellung eines Malers, der ein Pferd so malen kann, dass sich ein Kenner der modernen Kunst gelangweilt abwendet (wenn er es wenigstens falsch herum aufhängen würde), Doktor Vogl aber bescheiden näher tritt und sich beim Maler bedankt für dieses besonders anrührende, interessante und schöne Pferd, das nun die Welt bereichert. Sind die Gemälde besonders gelungen, gebe ich sogar meinen Senf schriftlich dazu. Das ist der zweite Grund, warum Sie da nicht hingehen sollten, Sie müssten das dann lesen.
Gehen Sie lieber zu Rupprecht Geiger ins Lenbachhaus in München. Der kann "gerundetes Blau". Heisst so und sieht auch so aus. Blau. Und rund. Verzeihung: gerundet. Von Hand? Vermutlich. Er kann übrigens auch rot.

Gehen Sie lieber zu Rupprecht Geiger ins Lenbachhaus in München. Der kann "gerundetes Blau". Heisst so und sieht auch so aus. Blau. Und rund. Verzeihung: gerundet. Von Hand? Vermutlich. Er kann übrigens auch rot.

Eigentum verpflichtet
18.12.07 –
Heute warne ich Sie vor verwirrten Journalisten. Am 13.12.07 schrieb Thorsten Denkler aus Berlin in der Süddeutschen Zeitung (URL: /wirtschaft/artikel/421/148071/) die Worte: "Eigentum verpflichtet. Ein guter Satz - von der Wirklichkeit überholt.“
Warum? Darum:
„Das Grundgesetz stammt noch aus einer Zeit, als der Unternehmer in der Regel alleiniger Besitzer seiner Produktionsstätten war… Die Botschaft lautete im Zweifel: Gewinne lieber ins Unternehmen stecken, als in die eigene Tasche wirtschaften… Diese Zeiten sind vorbei: Heute bestimmen börsennotierte Aktienunternehmen das Wirtschaftsgeschehen. Den Besitzer als Person gibt es nicht mehr.“
Herr Journalist Denkler in Berlin, ich will mich nicht mit Argumenten aufhalten, die Sie gewiss nicht verstehen wollen und die mir so sehr einleuchten, dass es mich fast schon wieder langweilen müsste, sie Ihnen her zu buchstabieren. Aber ich helfe Ihnen auf kürzerem Wege weiter: Sie finden unten eine Liste von Namen, die sie zur Klärung des von Ihnen behaupteten Sachverhalts bitte – Journalisten können sowas – anrufen. Stellen Sie den Damen und Herren dann drei investigative Fragen:
1) Gibt es Sie als Person noch?
2) Wenn ja, würden Sie auch bejahen, dass sie das Wirtschaftsgeschehen mit bestimmen?
3) Dient das möglicherweise dem Ziel, dabei erwirtschaftete Gewinne in Ihrer Tasche anzusammeln?
Das sind Ihre Informanten (ich nenne nur deutsche, damit Sie nicht zu lange telefonieren müssen. Die Ziffer hinter dem Namen gibt das von Forbes geschätzte Vermögen in Milliarden US$ an):
Karl Albrecht 20,0 Aldi Süd
Theo Albrecht 17,5 Aldi Nord
Michael Otto & Familie 13,3 Otto-Versand
Adolf Merckle 12,8 Ratiopharm
Susanne Klatten 9,6 BMW, Altana
Reinhold Würth 9,0 Würth-Gruppe
Maria-Elisabeth Schaeffler u. Sohn Georg F. W. Schaeffler 8,7 Schaeffler KG
August von Finck junior 8,4 Investition
Stefan Quandt 7,6 BMW
Johanna Quandt 6,7 BMW
Curt Engelhorn 6,4 Boehringer Mannheim
Hasso Plattner 6,0 SAP
Erivan Haub & Familie 6,0 Tengelmann-Gruppe
Klaus-Michael Kühne 5,9 Kühne + Nagel
Karl-Heinz Kipp 5,7 Textilhandel Massa-Kipp
Madeleine Schickedanz 5,5 Arcandor
Otto Beisheim 4,5 Metro
Hubert Burda 4,3 Hubert Burda Media
Reiner & Michael Schmidt-Ruthenbeck 4,3 Metro
Wolfgang Herz 4,0 Tchibo Holding AG
Michael Herz 4,0 Tchibo Holding AG
Andreas Strüngmann 4,0 Hexal
Thomas Strüngmann 4,0 Hexal
Anton Schlecker 3,8 Schlecker
Reinhard Mohn & Familie 3,5 Bertelsmann
Friede Springer 3,2 Axel Springer AG
Stefan Schörghuber 3,0 Schörghuber Unternehmensgruppe
Otto Happel 3,0 GEA Group
Klaus Tschira 3,0 SAP
Axel Oberwelland 2,6 August Storck KG
Hugo Mann & Familie 2,6 Wertkauf
Heinz Bauer 2,6 Bauer Verlagsgruppe
Heinz-Horst Deichmann 2,6 Deichmann Schuhe
Joachim Herz 2,5 Tchibo Holding AG
Hermann Schnabel 2,4 Helm AG
Günter Herz 2,3 Tchibo Holding AG
Daniela Herz 2,2 Tchibo Holding AG
Eugen Viehof & Familie 2,1 Allkauf-Gruppe
Albert Prinz von Thurn und Taxis 2,0 Thurn und Taxis
Andreas von Bechtolsheim 1,9 Sun Microsystems
Sylvia Ströher 1,9 Wella
Hans-Werner Hector 1,9 SAP
Ingeburg Herz 1,8 Tchibo Holding AG
Rolf Gerling 1,7 Gerling
Dieter Schnabel 1,6 Helm AG
Martin Viessmann 1,5 Viessmann
Paul Riegel 1,5 Haribo
Hans Riegel 1,5 Haribo
Peter Unger 1,3 Auto Teile Unger
Anneliese Brost 1,3 WAZ-Mediengruppe
Dietmar Hopp 1,2 SAP
Georg-Dieter von Holtzbrinck 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Stefan von Holtzbrinck 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Monika Schoeller 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Friedhelm Loh 1,0 Friedhelm Loh Group
Warum? Darum:
„Das Grundgesetz stammt noch aus einer Zeit, als der Unternehmer in der Regel alleiniger Besitzer seiner Produktionsstätten war… Die Botschaft lautete im Zweifel: Gewinne lieber ins Unternehmen stecken, als in die eigene Tasche wirtschaften… Diese Zeiten sind vorbei: Heute bestimmen börsennotierte Aktienunternehmen das Wirtschaftsgeschehen. Den Besitzer als Person gibt es nicht mehr.“
Herr Journalist Denkler in Berlin, ich will mich nicht mit Argumenten aufhalten, die Sie gewiss nicht verstehen wollen und die mir so sehr einleuchten, dass es mich fast schon wieder langweilen müsste, sie Ihnen her zu buchstabieren. Aber ich helfe Ihnen auf kürzerem Wege weiter: Sie finden unten eine Liste von Namen, die sie zur Klärung des von Ihnen behaupteten Sachverhalts bitte – Journalisten können sowas – anrufen. Stellen Sie den Damen und Herren dann drei investigative Fragen:
1) Gibt es Sie als Person noch?
2) Wenn ja, würden Sie auch bejahen, dass sie das Wirtschaftsgeschehen mit bestimmen?
3) Dient das möglicherweise dem Ziel, dabei erwirtschaftete Gewinne in Ihrer Tasche anzusammeln?
Das sind Ihre Informanten (ich nenne nur deutsche, damit Sie nicht zu lange telefonieren müssen. Die Ziffer hinter dem Namen gibt das von Forbes geschätzte Vermögen in Milliarden US$ an):
Karl Albrecht 20,0 Aldi Süd
Theo Albrecht 17,5 Aldi Nord
Michael Otto & Familie 13,3 Otto-Versand
Adolf Merckle 12,8 Ratiopharm
Susanne Klatten 9,6 BMW, Altana
Reinhold Würth 9,0 Würth-Gruppe
Maria-Elisabeth Schaeffler u. Sohn Georg F. W. Schaeffler 8,7 Schaeffler KG
August von Finck junior 8,4 Investition
Stefan Quandt 7,6 BMW
Johanna Quandt 6,7 BMW
Curt Engelhorn 6,4 Boehringer Mannheim
Hasso Plattner 6,0 SAP
Erivan Haub & Familie 6,0 Tengelmann-Gruppe
Klaus-Michael Kühne 5,9 Kühne + Nagel
Karl-Heinz Kipp 5,7 Textilhandel Massa-Kipp
Madeleine Schickedanz 5,5 Arcandor
Otto Beisheim 4,5 Metro
Hubert Burda 4,3 Hubert Burda Media
Reiner & Michael Schmidt-Ruthenbeck 4,3 Metro
Wolfgang Herz 4,0 Tchibo Holding AG
Michael Herz 4,0 Tchibo Holding AG
Andreas Strüngmann 4,0 Hexal
Thomas Strüngmann 4,0 Hexal
Anton Schlecker 3,8 Schlecker
Reinhard Mohn & Familie 3,5 Bertelsmann
Friede Springer 3,2 Axel Springer AG
Stefan Schörghuber 3,0 Schörghuber Unternehmensgruppe
Otto Happel 3,0 GEA Group
Klaus Tschira 3,0 SAP
Axel Oberwelland 2,6 August Storck KG
Hugo Mann & Familie 2,6 Wertkauf
Heinz Bauer 2,6 Bauer Verlagsgruppe
Heinz-Horst Deichmann 2,6 Deichmann Schuhe
Joachim Herz 2,5 Tchibo Holding AG
Hermann Schnabel 2,4 Helm AG
Günter Herz 2,3 Tchibo Holding AG
Daniela Herz 2,2 Tchibo Holding AG
Eugen Viehof & Familie 2,1 Allkauf-Gruppe
Albert Prinz von Thurn und Taxis 2,0 Thurn und Taxis
Andreas von Bechtolsheim 1,9 Sun Microsystems
Sylvia Ströher 1,9 Wella
Hans-Werner Hector 1,9 SAP
Ingeburg Herz 1,8 Tchibo Holding AG
Rolf Gerling 1,7 Gerling
Dieter Schnabel 1,6 Helm AG
Martin Viessmann 1,5 Viessmann
Paul Riegel 1,5 Haribo
Hans Riegel 1,5 Haribo
Peter Unger 1,3 Auto Teile Unger
Anneliese Brost 1,3 WAZ-Mediengruppe
Dietmar Hopp 1,2 SAP
Georg-Dieter von Holtzbrinck 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Stefan von Holtzbrinck 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Monika Schoeller 1,1 Verlagsgruppe Holtzbrinck
Friedhelm Loh 1,0 Friedhelm Loh Group
Auch gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten
03.12.07 –
Abendzeitung 011207.
Verehrte Freunde der Nachrichtensicherheit. Die Gefahren des Presswesens sind uns bekannt.
Wir werden von dummen Journalisten desinformiert, von „im allgemeinen gut unterrichteten Kreisen“ propagandistisch auf Linie gebracht und von schmierigen Werbemännern in die Marketingfalle gelockt. Kurz: Zeitungslektüre ist ein Spaziergang in einem Minenfeld.
Manchmal wird offen gehetzt („Ostspione immer gemeiner“ Bild), manchmal gelogen („Außenminister Fischer“, passim; die Wahrheit wäre gewesen: der Laienaußenministerdarsteller Fischer), und nur selten darf ein Journalist die Wahrheit wagen und so eine Headline drucken lassen (Abendzeitung 01.12.07):
„Pianist Clayderman kauft ein Klavier.“
Ginge es nach mir, wäre diese Nachricht schon bald so unsterblich wie die berühmte „Ballade pour Adeline“ des genannten Klaviervirtuosen. In der schönen Zeile „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ zeigt sich der Journalismus von seiner sympathischsten Seite. Sie spricht nichts als die Wahrheit aus, eine plausible, mit größter Sicherheit irgendwann auch einmal stattgehabte kleine Begebenheit von einem gewissen nicht zu schrillen allgemeinen Interesse, die sich nicht durch vorlauten Paperazzismus („Skandalpianist Clayderman kauft Pariser Edelnutte einen Steinway“) hervortun will und auch nicht durch unnötige investigative Verrätselung Aufmerksamkeit schinden möchte („Klavier weg – war es Clayderman?“). Und sogar die nackte Lüge – nur weil die Meldung so schön wäre – bleibt uns erspart („Außenminister Clayderman“).
Statt dessen treffen sich auf der Stufenleiter seriösen Nachrichtenwesens in der beispielhaft logischen, sogar sicherheitshalber tautologischen Meldung „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ die Linien des Informationsgehaltes und des Unterhaltungswertes in einem gemeinsamen Punkt. Dem Nullpunkt.
Ein nachahmenswertes Vorbild für hoffentlich noch viele ungefährliche und wahrheitsgemäße Meldungen wie „Bäcker backt Brezel“, „Schumacher fährt Rennauto“, „Doktor Vogl warnt“ oder „Joschka Fischer nervt“.
Verehrte Freunde der Nachrichtensicherheit. Die Gefahren des Presswesens sind uns bekannt.
Wir werden von dummen Journalisten desinformiert, von „im allgemeinen gut unterrichteten Kreisen“ propagandistisch auf Linie gebracht und von schmierigen Werbemännern in die Marketingfalle gelockt. Kurz: Zeitungslektüre ist ein Spaziergang in einem Minenfeld.
Manchmal wird offen gehetzt („Ostspione immer gemeiner“ Bild), manchmal gelogen („Außenminister Fischer“, passim; die Wahrheit wäre gewesen: der Laienaußenministerdarsteller Fischer), und nur selten darf ein Journalist die Wahrheit wagen und so eine Headline drucken lassen (Abendzeitung 01.12.07):
„Pianist Clayderman kauft ein Klavier.“
Ginge es nach mir, wäre diese Nachricht schon bald so unsterblich wie die berühmte „Ballade pour Adeline“ des genannten Klaviervirtuosen. In der schönen Zeile „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ zeigt sich der Journalismus von seiner sympathischsten Seite. Sie spricht nichts als die Wahrheit aus, eine plausible, mit größter Sicherheit irgendwann auch einmal stattgehabte kleine Begebenheit von einem gewissen nicht zu schrillen allgemeinen Interesse, die sich nicht durch vorlauten Paperazzismus („Skandalpianist Clayderman kauft Pariser Edelnutte einen Steinway“) hervortun will und auch nicht durch unnötige investigative Verrätselung Aufmerksamkeit schinden möchte („Klavier weg – war es Clayderman?“). Und sogar die nackte Lüge – nur weil die Meldung so schön wäre – bleibt uns erspart („Außenminister Clayderman“).
Statt dessen treffen sich auf der Stufenleiter seriösen Nachrichtenwesens in der beispielhaft logischen, sogar sicherheitshalber tautologischen Meldung „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ die Linien des Informationsgehaltes und des Unterhaltungswertes in einem gemeinsamen Punkt. Dem Nullpunkt.
Ein nachahmenswertes Vorbild für hoffentlich noch viele ungefährliche und wahrheitsgemäße Meldungen wie „Bäcker backt Brezel“, „Schumacher fährt Rennauto“, „Doktor Vogl warnt“ oder „Joschka Fischer nervt“.
Straubinger Tagblatt
31.10.07 –
Straubinger Tagblatt 31.10.07
„Straubing. Der evangelische Reformationstag und das katholische Allerheiligen prallen am 31. Oktober auf Halloween. … Das heftig beworbene Halloween, das besonders bei Kindern und Jugendlichen auf Resonanz stößt, empfindet Dekan Georg Birner als "eine gewisse Konkurrenz zu Allerheiligen"; und auch Pfarrerin Elke von Winning warnt vor der Gefahr, dass traditionelle christliche Feste ausgehöhlt werden könnten. Dekan Georg Birner rät zu Nachdenklichkeit… „
(http://www.idowa.de/straubinger-tagblatt/nachricht/nachricht/nac/2262062/red/99.htm)
Diese kleine Nachricht prallte am 31. Oktober auf meine Ganglien und ich versank sofort in tiefer, lang anhaltender Nachdenklichkeit. Wovor will mich Dekan Georg Birner warnen? Vor einer gewissen Konkurrenz zwischen Allerheiligen und Halloween? Wie war das noch?
Na klar. Früher, da sind wir als Jugendliche immer mit diesen wilden Masken als Hesychius von Carteia oder als der besonders erschreckliche Trophimus von Arles, einige Male auch ausgesprochen blutrünstig verkleidet als der Märtyrer Methodius Dominik Trčka von Haus zu Haus gezogen, haben Messwein und Bargeld erpresst und den kleinen Kindern Angst eingejagt. Das waren noch Zeiten. Später dann, Allerheiligen war längst die Abschleppparty Nr. 1, traf sich Alles, was trinken kann, beim Allerheiligen-Rave in den Optimolwerken, nach dem achtzehnten Erbeerlimes rissen wir uns den quietschbunten Allerheiligen-Horrorfummel vom Leib und grölten im Chor „Who the F* is Mutter Theresa?“. Stimmung pur. Aber jetzt? Statt Allerheiligen bloß noch Halloween, Feierverbot in Bayern und Baden-Württemberg und zur Buße eklige Kürbissuppe. Wer hat uns genau davor gewarnt? Richtig. Dekan Georg Birner im Straubinger Tagblatt.
„Straubing. Der evangelische Reformationstag und das katholische Allerheiligen prallen am 31. Oktober auf Halloween. … Das heftig beworbene Halloween, das besonders bei Kindern und Jugendlichen auf Resonanz stößt, empfindet Dekan Georg Birner als "eine gewisse Konkurrenz zu Allerheiligen"; und auch Pfarrerin Elke von Winning warnt vor der Gefahr, dass traditionelle christliche Feste ausgehöhlt werden könnten. Dekan Georg Birner rät zu Nachdenklichkeit… „
(http://www.idowa.de/straubinger-tagblatt/nachricht/nachricht/nac/2262062/red/99.htm)
Diese kleine Nachricht prallte am 31. Oktober auf meine Ganglien und ich versank sofort in tiefer, lang anhaltender Nachdenklichkeit. Wovor will mich Dekan Georg Birner warnen? Vor einer gewissen Konkurrenz zwischen Allerheiligen und Halloween? Wie war das noch?
Na klar. Früher, da sind wir als Jugendliche immer mit diesen wilden Masken als Hesychius von Carteia oder als der besonders erschreckliche Trophimus von Arles, einige Male auch ausgesprochen blutrünstig verkleidet als der Märtyrer Methodius Dominik Trčka von Haus zu Haus gezogen, haben Messwein und Bargeld erpresst und den kleinen Kindern Angst eingejagt. Das waren noch Zeiten. Später dann, Allerheiligen war längst die Abschleppparty Nr. 1, traf sich Alles, was trinken kann, beim Allerheiligen-Rave in den Optimolwerken, nach dem achtzehnten Erbeerlimes rissen wir uns den quietschbunten Allerheiligen-Horrorfummel vom Leib und grölten im Chor „Who the F* is Mutter Theresa?“. Stimmung pur. Aber jetzt? Statt Allerheiligen bloß noch Halloween, Feierverbot in Bayern und Baden-Württemberg und zur Buße eklige Kürbissuppe. Wer hat uns genau davor gewarnt? Richtig. Dekan Georg Birner im Straubinger Tagblatt.
Der Alb Bote
30.10.07 –
Der Alb Bote warnte am 24.10. mit dieser Meldung:
„St. Blasien - In St. Blasien startet am kommenden Donnerstag, 25. Oktober, eine neue Vortragsreihe zum Thema "Kraft der Kristalle". Verantwortlich dafür ist Bernd Ruderisch mit seinem "Studio b" an der Hauptstraße. In mehreren Abenden soll das breite Feld der Steinheilkunde in thematisch orientierten Einzelvorträgen nahe gebracht werden.“
(http://www.albbote.de/lokales/st_blasien/art2411,3996530)
Gute Arbeit, Kollegen. Die Gefahr erkannt, den Verantwortlichen ermittelt und umgehend publiziert: Der Ruderisch mit seinem damischen Studio an der Hauptstraße war´s. Wer sonst in St. Blasien? Dabei weiss doch jedes Kind, weshalb Steine keine Heilkunde brauchen: Sie werden einfach nicht krank. Da hilft es auch nicht, Einzelvorträge thematisch zu orientieren. Das ist eben so. Die Schusser leben halt nicht. Ich bitte meine Leser, diesen Hinweis der geschätzten Warner des Alb Boten gebührend zu berücksichtigen.
„St. Blasien - In St. Blasien startet am kommenden Donnerstag, 25. Oktober, eine neue Vortragsreihe zum Thema "Kraft der Kristalle". Verantwortlich dafür ist Bernd Ruderisch mit seinem "Studio b" an der Hauptstraße. In mehreren Abenden soll das breite Feld der Steinheilkunde in thematisch orientierten Einzelvorträgen nahe gebracht werden.“
(http://www.albbote.de/lokales/st_blasien/art2411,3996530)
Gute Arbeit, Kollegen. Die Gefahr erkannt, den Verantwortlichen ermittelt und umgehend publiziert: Der Ruderisch mit seinem damischen Studio an der Hauptstraße war´s. Wer sonst in St. Blasien? Dabei weiss doch jedes Kind, weshalb Steine keine Heilkunde brauchen: Sie werden einfach nicht krank. Da hilft es auch nicht, Einzelvorträge thematisch zu orientieren. Das ist eben so. Die Schusser leben halt nicht. Ich bitte meine Leser, diesen Hinweis der geschätzten Warner des Alb Boten gebührend zu berücksichtigen.





