Hallstatt in China

Hallstatt ist hübsch am See gelegen und auch für Chinesen leicht auszusprechen im Unterschied zu beispielsweise Lom oder Lecklinghausen. Wenn man keine Zeit hat hinzufahren – und es gibt viele Gründe dafür, das zu unterlassen, manche würden die Österreicher an dieser Stelle nennen – kann man es schließlich immer noch in der Nachbarschaft nachbauen. Anstatt sich jetzt darüber aufzuregen, sollten die Österreicher die Chinesen mit den gleichen Waffen zum Duell herausfordern. Mir würde es beispielsweise gefallen, am Wolfgangsee in die verbotene Stadt zu laufen. Oder in Klagenfurt? Warum nicht? Wo der Platz des himmlischen Friedens in Österreich liegt, verrate ich nicht. Sonst rennen alle ins Karwendel und ich kann nie mehr allein im kleinen Ahornboden sitzen und zur Moserkarspitze hinaufgrüßen. Ups.
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Hellau Hellas

Die Abrissparty kann steigen. Das sollten sich Portugal, Spanien, Irland, Italien und so manche anderen Wackelkandidaten genau ansehen. Was an Griechenland gerade durchgeführt wird, ist die billigste Art, einen Wirtschaftskrieg zu gewinnen: Man zerstört das Vertrauen in die Wirtschaftskraft eine Landes, wartet zu, bis die Depression groß genug ist und kauft den entwerteten Plunder dann für symbolische Summen auf. 16,7 Mio Eur für den Hafen von Piräus. Das Prinzip hat schon prima bei der DDR funktioniert. Wer nicht über den Tisch gezogen werden will, wird von den selbstlos rettenden Investoren abgewatscht. Schließlich beteiligen sich längst auch Hochtief und die Deutsche Telekom am Ausverkauf der griechischen Infrastruktur. Da sagt es ein bestallter Interessenvertreter der europäischen Geldelite im Klartext:

„Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte am Wochenende gefordert, die Regierung in Athen solle deutlich mehr Tafelsilber zu Geld machen als geplant und die Kontrolle über die Privatisierungen aus der Hand geben. „Die Europäische Union wird das Privatisierungsprogramm künftig so eng begleiten, als würden wir es selbst durchführen“, sagte er im „Spiegel“. Er forderte eine regierungsunabhängige Privatisierungsagentur, die mit ausländischen Experten besetzt werden soll. Als Vorbild nannte er die deutsche Treuhandanstalt, die den Verkauf des DDR-Vermögens leitete. Die Regierung teilte mit, einen staatlichen Fonds einzurichten, um Privatisierungen und den Verkauf von Immobilien zu beschleunigen.“
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Verblüffende Gewissheit: Hitler war schon als Schickelgruber Antisemit

Die SZ titelt: Brief belegt Judenhass des jungen Hitler. Dass der Dreissigjährige, so jung war er gerade noch, als er den Brief verfasste, vielleicht denkt, was der Vierzigjährige dann ausführt, ist schon ein unglaublicher, verblüffender Zusammenhang, einer, der erstmal bewiesen gehörte. Jetzt ist er es. Niemand, schon gar kein deutscher Journalist, hätte sich sowas denken können.
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Er kam, sah, kassierte

Eine "Begegnung mit Bracos gebendem Blick" ist sicherlich sehr reizvoll. Man steht unter Gleichgesinnten schweigend für 30 bis 40 Minuten in dem schnuckeligen Meetingraum irgendeines Businesshotels und schaut selig benommen zu, wie Er – Mister magic eyes Braco – auf seine Gäste milde herabblickt. Was für Idioten, denkt sich der Meister beim Glotzen und lächelt noch etwas natürlicher. Jeder von denen hat 5 Euro Unkostenbeitrag gezahlt. Die Veranstaltung findet stündlich statt. Wenn auch nur hundert in den Saal passen und Braco sieben Blicksessions am Tag stemmt, gibt es für ihn keinen Grund mehr, etwas zu lernen um eine vergleichbar hoch bezahlte und ähnlich überflüssige Betätigung zu versuchen, wie sie beispielsweise Anwälte oder Unternehmensberater ausüben. Die Plakatgestalter haben es klug eingerichtet, neben Bracos gebendem Blick nicht auch noch Bracos nehmende Hand mit abzubilden.

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Klappe halten statt Hände falten

Es war so klar wie das Amen in der Kirche, dass die Käßmann an Popularität noch gewinnen würde, nachdem sie wegen Alkoholabusus im Straßenverkehr erst den Lappen und dann das Amt abgeben musste. Nichts ist in der ev. Kirche so sexy wie die Gramesfalten einer Büsserin. Wenn eine das evangelische Zentralanliegen, sich mächtig bussfertig zu geben, so ideal vorlebt, dann sieht man auch gern mal darüber hinweg, was unter der dauergerunzelten Stirn so an Unsinn aus dem Sprechschlitz quillt.

Es sei "besser mit den Taliban zu beten, als sie zu bombardieren", sagte Käßmann (alle weiteren Zitate aus dieser Quelle). Betende aller Länder vereinigt euch? Vielleicht erklärt mal einer der Dame, dass genau dazu die Taliban nicht die geringste Lust haben: Mit ungläubigen Europäerinnen gemeinsam zu beten.

Dann ruft Käßmann zu weltweitem Gewaltverzicht [auf?|; "Gewaltlosigkeit heißt nicht Passivität oder Nichtstun, sondern ist auf ihre Art und Weise ein legitimes Zeugnis." Das verstehe ich. Zum Beispiel ein Zeugnis der Freude am eigenen Untergang.

Anstatt militärisch in Konflikte einzugreifen, sollte besser bereits präventiv gehandelt werden, wenn sich Konflikte andeuteten. "Frieden wird selten oder wahrscheinlich nie durch Waffen geschaffen." Das ist genau der abstrakte Pazifismus, der es den Amerikanern und der roten Armee noch heute übel nimmt, dass sie Nazideutschland in die Knie gezwungen haben.

Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass eine Käßmann einfach nichts kapiert von der Welt. Zum Beispiel, dass Kriegen nicht sich andeutende Konflikte zugrunde liegen, wie sie in der Paartherapie beschwichtigt werden, sondern handfeste kollidierende Interessen. Das ist ihre Sache. Es ist ja auch viel schöner einfach nur vom Frieden allerorten zu träumen, als darüber nachzudenken, weshalb es so unwahrscheinlich ist, dass er irgendwo Bestand hat. Dass sie sich aber mit dieser kindischen Habteuchdochbittelieb-Haltung dazu aufschwingt, billige Empfehlungen an irgendwie alle abzugeben und sich dabei mit ihrem offenbar kongenial vernebelten Publikum in einer ziemlich verlogenen moralischen Überlegenheit suhlt – das ist schon ziemlich versaut.
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Kaufen Sie sich Ihr Heimatschland

ein paar gibt es noch: Kaufen Sie sich Ihr Heimatschland, bevor es andere tun. Und als kleine Entscheidungshilfe gibt es eins von 19 Spitzenfotos mit echten Qualitätsreimen (wer hier regelmäßig reinschneit, kennt noch einige mehr):
Bildschirmfoto 2011-06-01 um 22.05.48
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Heile, heile Segen

Das schönste Experiment seit Wilhelm Reichs Versuchen mit dem Orgonakkumulator: „Katholische Ärzte wollen Homosexuelle mit Homöopathie kurieren“. In meiner Sprache heisst das: Komische Ärzte wollen Gesunde ohne Medizin heilen. Löblich, weil ungefährlich, wenn auch etwas unverschämt den „Patienten“ gegenüber. Erinnert mich in seiner paradoxen Aussichtslosigkeit an Heino Jaeger, der (ich weiß es nicht mehr wörtlich) einen Diät-Experten sagen ließ, man könne auch ganz ohne Diät ordentlich zunehmen. Einfach immer zwischendurch ein kleines Nahrungsplus zu sich nehmen.
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