Come see our creepiest creature: One more thing...

Jetzt ist es raus: Der iDoc wird das iPad so alt aussehen lassen, wie ein unausgegorenes Wegschmeißgadget von Apple eben aussieht, nachdem es der hysterischen Gemeinde bei der Keynote-Kommunion gereicht wurde und danach das ein oder andere Journalistengehirn langsam wieder zu denken anfängt: Wofür soll das Ding gleich wieder gut sein?



Der iDoc – hier heimlich zwischen zwei Erlkönigen, dem iNose und dem iHonigkuchenpferd fotografiert – hat alles, was das iPad nicht kann:
Multitasking: Der iDoc kann trinken und granteln gleichzeitig. Er kann ausserdem gucken, schweigen, einschlafen und die Bedienung rufen – it´s amazing.
WB-Connector: Mitten im iFace, einem stylischen facial-expressions-Interface mit 32bit feinsten Grantabstufungen, findet die Bedienung den WB-Slot mit einem Weißbier-Downstream von 1 cl / min. Der Upstream ist bislang unbekannt.
3D-Multitouch und Easy-Anquatsch-Eingabemodus. Der iDoc soll was sagen, machen, zeigen? Quatsch ihn einfach an. Ist er zu leise? Geh näher hin. So einfach geht das und ganz ohne Stylus.
Du brauchst ein Bild? Ein Buch? Irgendeinen Text? Gib ihm Geld und schon läuft seine CPU auf Hochtouren. Am Ende hast Du einen tollen Text oder ein beschissenes Bild und der iDoc geht danach sofort wieder beim Wirt auf Standby. Low energy consumption, Freunde. Er ist schließlich ein grünes Lifestyleprodukt.
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Was macht eigentlich der Dalai Lama so den ganzen Tag?


Das „Meer der Weisheit“ findet ständig Neues heraus und spricht zu uns als letzter Universalgelehrter:

Zum Beispiel in der Biologie erkannte der Einstein der Tibeter: „Wenn die Wurzeln nicht vertrocknet sind, ist der Baum noch nicht tot.“ Wer will da widersprechen? Aber auch in unseren Kalendersprüchen steckt ein kleiner Dalai Lama: Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer.

„Wenn es einen guten, starken Beweis dafür gibt, daß dies und das der Fall ist, dann werden wir uns ändern.“ Und wenn dies und das nicht der Fall ist? Dann machen wir weiter wie bisher. Mann, Mann, Mann – der bringt es auf den Punkt.

„Meine Philosophie ist Freundlichkeit“, sprach der tibetische Kellner und freute sich auf´s Trinkgeld.

Zwischendurch wird es recht übersichtlich: „Befolge grundsätzlich die folgenden drei Regeln: Denke an Respekt für dich selbst, Respekt für andere und Respekt für alle deine Handlungen.“ Aber, liebe Dalai-Lamisten, nur um gleich wieder sehr unübersichtlich zu werden: „Lerne die Regeln, damit du weißt, wie du sie brichst.“ Aha.

Dann geht es munter dahin, wie in jeder Sonntagspredigt aller Prediger in allen Konfessionen. Die Zukurzgekommenen werden getröstet: „Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.“ Goldene Armut. Wär´eh blöd, reich zu sein: „Das Geschäftemachen und der Reichtum kann den Menschen nicht volle Zufriedenheit geben.“ Aber Geschäftemachen, Reichtum, täglich feinste Speisen, tolle Weiber, Spitzenmedizin und viel Urlaub in Sant-Tropez können Menschen hier und da durchaus einmal ein wenig Befriedigung und langes Leben schenken, oder, Lama?

Aber auch was für die Ökos ist dabei: „Sei freundlich zur Erde.“ Mach ich eh jeden Morgen: Guten Morgen, alte Schwungkugel, wie gehts? Immer noch am Rotieren? Das legt sich in ein paar Milliarden Jahren, Mütterchen.

Manchmal wagt er sich auch an den Stammtisch: „Eine freundliche Atmosphäre in Deinem Haus ist die beste Grundlage für Dein Leben.“ Der Lama sagt´s doch auch: Schmeiss die Alte raus, dann is´ wieder Ruh daheim.

„Besuche einmal im Jahr einen Ort, den du noch nicht kennst.“ Muss ich jetzt doch mal ins Fußballstadion?

Er kann auch ohne zu erröten mythenalten Quatsch nacherzählen: „Das Unglück, das uns heute widerfährt, ist die karmische, auf Ursache und Wirkung beruhende Vergeltung eines Unrechts, das wir anderen zugefügt haben.“ Wer andern eine Grube gräbt… geniesst die Schadenfreude.

„Wenn Leute lachen, sind sie fähig zu denken.“ Zum Beispiel das: Was finden die Esoteriker nur an dem lachhaften Priesterfürsten? Der Mann ist das geistige Mittelalter und die moderne Marketingmaschine in einer Person. Sonst sehe ich da wenig Originelles.

Zitate kommen von hier, hier und hier.
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Ein Buch ist ein Buch ist ein Scheit

Die Gazette schreibt heute:
„Eine Londoner Zeitung berichtete am Dienstag, dass minderbemittelte Rentner in Wohltätigkeitsläden billige Bücher kaufen und sie als Heizmaterial verbrennen, um es in der strengen Kälte, die Großbritannien fest im Griff hat, warm zu haben.“

Die minderbemittelten Rentner lehren mich alles, was ich über das Verhältnis von Geist und Materie im Kapitalismus wissen muss. Ausserdem erstrahlen so Bolognaprozess, Studiengebühren und die ganzen Exzellenzinitiativen der deutschen Bildungselite einmal in dem richtigen Licht: Dem wärmenden Lodern des Kaminfeuers in den Häusern der sozial Exkludierten.
Andererseits: Während vier bis fünf Schwarten von Martin Walser den Raum gemütlich warm halten, kann ich schon fast ein Buch von Robert Walser durchlesen. Darauf könnte ich mich zur Not schon auch einlassen.
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Kinder am Bau

Grenzfragen des investigativen Blog-Journalismus: Soll man Kinder bei der Kinderarbeit fotografieren, auch wenn die das nicht wünschen? Hören sie selbst:


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Captain Berlin rocks

Der Film: Hitlers Leibarzt, Nazi-Shewolf Dr. Ilse von Blitzen, hat Führers Gehirn mit Augen vor dem Untergang bewahrt und will den Gröfaz nun irgendwie wieder zum echten Leben erwecken. Das klappt nicht recht. Sie hat dazu zuerst einen Golem aus SS-Leichenteilen zusammengeschustert, der von dem unsterblichen Dracula lebendig gebissen werden soll. Der beisst aber lieber in die blonde Tochter von Captain Berlin als in Leichenteile, ausserdem ist er Kommunist. Captain Berlin nimmt die Verfolgung auf, um seine vom Fürsten der Finsternis entführte Tochter zu retten.
Dr. von Blitzen entsorgt derweil das Monster und packt den Führer in eine bewaffnete Blechkiste mit Rädern, den Hitlerrobo. Captain Berlin schaut bei Hitler vorbei und sucht einen Priester auf, der ihn mit Knoblauch, Kreuz und Weihwasserwumme auf Dracula vorbereitet und zieht los ins Brandenburger Schloss. Er kämpft dort mit Dracula, der Hitlerrobo mit Entourage kommt auch dazu und den Schluss gucken Sie sich selbst an, bitte.

Ein recht übersichtlicher Plot, aber was ist das eigentlich? Einem an einen fiktiven alten Comic angelehnten Theaterstück, das gerne ein Retrofilm wäre, wird sein Wunsch erfüllt. Seine Aufführung wird abgefilmt und zu schrottiger Retrocomicoptik am Computer überbastelt. Ein doppelter Gattungsschwindel ähnlich wie in der Rocky Horror Picture Show, die auch noch ein Musical sein will.

Das ist sehr genussvoll anzusehen. Das Ganze strotzt vor Genreklischees und das soll es wohl auch. Ich sehe darin die Hauptbotschaft dieses Films: Einem untoten Monstrum wie Hitler wird man nur so gerecht, dass man es neben Dracula und Frankenstein auftreten lässt. Sein künstlerischer Ort nach der Tragödie ist die unterste Schublade der Groschenhorrorcomic-Unterhaltung. Selbst der Landserroman tut ihm noch zuviel Ehre an. Versuche der hohen Filmkunst, sich dem Phänomen Hitler mittels Bruno Ganzschem Einfühlungsvermögen psychologisch zu nähern, sind gescheitert. Es ist ziemlich ekelhaft, den Führer als gebrochenen alten Mann vorgestellt zu bekommen. Als boshaftes Gehirn mit Stielaugen sehe ich ihn viel lieber.

Und noch eine andere Frage beantwortet der Film abschließend und gültig: Jimmy Hendrix hat über die USA alles Wichtige gesagt, als er die Nationalhymne auf seiner elektrischen Gitarre zersägte. Wie könnte man Deutschland durch die deutsche Hymne auf vergleichbare Weise verständlich machen? Man zerpfeift sie auf einer Blockflöte. Sehr deutsch und sehr schön.
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Gefährliche Zahlen – charmante Wissenschaft

Wenn man in Georg Wagners „Einführung in die Erd- und Landschaftsgeschichte“ von 1931 im Vorwort nur immer die ersten Sätze der Absätze liest, wird einem der Wagner auf seltsame Weise sympathisch:

„Seit zwei Jahrzehnten stehe ich immer wieder vor der schönen Aufgabe, andere in die Geheimnisse der Erd- und Landschaftsgeschichte einzuführen. […]
Nun lernt man gerade diese Wissenschaft am allerwenigsten aus Büchern. […]
Aus demselben Grund ist das Buch auch reich mit Bildern ausgestattet. […]
Das Buch bringt auch viele Zahlen. […]
Es ist unmöglich, bei dem weit umfassenden Arbeitsfeld überall Fachmann zu sein, […]
Den Nichtfachmann muss man besonders darauf hinweisen, daß einen so junge Wissenschaft noch nicht am Ziel ist. […]
Das Werk ist bestimmt für alle, die ihre Heimat näher kennenlernen möchten. […]
Möge das Werk der Geologie neue Freunde gewinnen und uns inniger verwurzeln mit unserer Heimat, der Quelle unserer Kraft. Glück auf!“


Was für ein kluger, bescheidener Mensch. Der klassisch-schöne Satz „das Buch bringt auch viele Zahlen“ sollte m. E. verpflichtend sein für jede naturwissenschaftliche Veröffentlichung – die Warnung ist einfach zu putzig.
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Captain Berlin

Von Jahr zu Jahr werde ich mutiger. Gestern hat mich meine Verwegenheit zu einem Kauf verleitet. Der Film heisst: „"Captain Berlin versus Hitler“ mit Dracula und Nazi-Shewolf Dr. Ilse von Blitzen. Die Vorschau ist außerordentlich vielversprechend (http://www.youtube.com/watch?v=FVd2qV2Csis). Ich werde berichten.
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"Nur wer etwas leistet, kann sich etwas leisten."

Und wenn er nur diesen einen Satz gesagt hätte, der Michail Gorbatschow, dann wüsste man schon, von wem er gekauft worden war, ehe er die Bürger der Sowjetunion und der Anrainerstaaten im Warschauer Pakt auf eine lange hässliche Reise in die Armut schickte. Er soll sich schämen bis ans Ende seiner Tage. Ich bin kein Unmensch wie er. Strafverkürzend möchte ich ihm ein rasches wünschen.
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So funky wird 2010



Mindestens.
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