USA abgeschaltet

Dass die Herrscher im Nahen Osten offenbar alle dem Westen Softwaresysteme abgekauft haben, mit denen sie das Internet abschalten können, habe ich gelernt in den letzten Wochen. Aber wie schaffen sie es, die USA abzuschalten? Verblüffend. Die Herren der „freien Welt“ hocken rum und mahnen ein bisschen, während es für Israel und für ihre eigenen Interessen spitzaufknopf steht. Man sollte meinen, Obama könnte ein Interesse daran haben, die richtige, säkulare Partei möge aus dem Durcheinander an die Regierung(en) gelangen. Statt dessen lassen sie iranische Marine den Suezkanal passieren, sehen zu wie Gaddafi seine Bevölkerung zusammenschiesst und drängen verhalten auf ein Ende der Gewalt. Die USA sind die Gewalt, remember? Anstatt in Afghanistan die Mohnernte zu beobachten, könnten sie wenigstens in Libyen den Luftraum sichern. „Barack Obama bricht sein Schweigen und zeigt sich schockiert vom Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen Demonstranten. Eine direkte Kritik am libyschen Staatschef aber vermeidet er.“ So eine selbstvernichtende Passivität wäre keinem seiner Amtsvorgänger passiert. Die hätten keinen Lidschlag lang gewartet, sondern sofort die Gelegenheit ergriffen und wenigstens den Achmachmirdenjihad entmachtet. Das müssen jetzt die Iraner im Alleingang schaffen, sonst kann es auch schnell ganz dunkel werden im Morgenland. Die reiben sich schon die schmutzigen Hände in Teheran.
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Vormerken: Heimatschland 24. März

Doktor Vogls Heimatschland. Von ihm selbst belichtet und bedichtet und schließlich von Lothar Götter ein für alle Mal gemalt und installiert in der Galerie Kalt, Guldeinstraße 40a, München, Westend. Eröffnung am 24.03., 19 Uhr. Herzlich willkommen!
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Guttenberg entmündigt?

Ich habe nicht bewusst getäuscht, sagt er. Wie weggetreten muss man sein, wenn man seitenweise Text abtippt oder auch nur in die eigene Arbeit kopiert, und dabei nicht weiß, dass man ihn nicht selbst geschrieben hat? Drogen? Demenz? Welche Gründe fallen Ihnen noch ein, weshalb ein Mann im besten Alter unzurechnungsfähig sein kann? Vielleicht gibt er besser auch seinen Führerschein ab und lässt seine Frau das Finanzielle regeln. Man kommt aus dem Fremdschämen ja gar nicht mehr heraus bei dieser Witzfigur. Gut, jetzt aber genug vom Lügenbaron.
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Verzeihung, aber ich war´s irgendwie doch nicht wirklich.

So entschuldigt sich der Hoffnungsträger Deutschlands: Ich habe wohl den Überblick über die Quellen verloren, das aber nicht bewusst gemacht und nicht absichtlich getäuscht und frage mich nun: "Wie konnte das geschehen?". Er ist also Opfer eines Geschehens, das sich als unabsichtlicher Überblicksverlust verstehen lässt, so eine Art Blackout. Ich muss nicht betonen, dass das keine Entschuldigung ist. Dazu gehörte es, sich für Tat & Motiv zu entschuldigen.

So geht das Herr Guttenberg: "Ich hatte Angst, die Arbeit nicht fertig zu bekommen und wenn doch, dann in sachlich und sprachlich so schlechter Form, dass ich den Titel nicht erhalte oder für den hingeschluderten Mist verspottet werde. Da habe ich lieber bei Leuten, die sich auskennen und schreiben können, abgeschrieben. Ich fordere die Uni deshalb auf, mir den Titel zu entziehen, schäme mich und entschuldige mich bei allen, deren Texte ich ohne zu zitieren verwendet habe und natürlich bei allen, die ich mit einem erschwindelten Titel über meine Fähigkeiten getäuscht habe. Mein Amt als Verteidigungsminister lege ich nieder und gehe mich sofort auf kürzestem Wege zuhause in Kulmbach mit unserem leckeren Bier betrinken. Wer kommt mit? Merkel, nein? Egal. War eine gute Zeit mit Euch. Servus."

Weil er das aber nicht hinkriegt, wird er halt einfach als ein anmassender Lügner im Gedächtnis bleiben. Jedenfalls in meinem.
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Guttenberg - ruht bald auch der Adelstitel?

Meine Recherchen in der Wikipedia haben ergeben: Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg war sogar zu faul, sich seinen Adelstitel lege artis zu erarbeiten. Er liess sich von seinen Eltern dabei helfen. Die ganze Wahrheit: Enoch zu Guttenberg und seine Frau Christiane hatten ungeschützten Verkehr. Bei diesem scheinbar trivialen, für seine damals noch nichts ahnenden adligen Eltern sicher heute auch etwas degoutanten Vorgang wurden große Teile des Erbtextes seiner alten Herrschaften von einem unbekannten Ghostwriter geklaut, auf dunklen Wegen neu zusammenkopiert und zu einem Plagiat mit verdächtiger Geltolle arrangiert, das einen legitimen Anspruch auf originalen Adel erst noch beweisen müsste. Guttenberg sollte als wandelndes, nicht autorisiertes Doppelzitat bislang ungeklärter Genquellen seiner Eltern seinen Adelstitel erst einmal ruhen lassen, meine ich. Vorübergehend natürlich nur.
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Oh mein Gott! Steve Jobs ist unterwegs zur wundervollsten Erfindung des Lebens

In unserem Wirtschaftssystem geschehen seltsame Dinge. Einem amerikanischen Hersteller von IT-Spielzeug wird ein höherer Firmenwert zugeschrieben als dem größten chinesischen Erdölunternehmen. Wird der Geschäftsführer dieser Gadgetfabrik krank, verringert dieser Vorfall den Wert des Unternehmens um 24 Milliarden Dollar. Von heute auf morgen.

Unsere Art zu wirtschaften darf man wohl als von rationalen Erwägungen und irgendwelchen der Menschheit nützlichen Zwecken restlos befreit betrachten. Spätere Generationen werden die Industrialisierung, die wir als menschheitsgeschichtlich beispiellose Wachstums- und Fortschrittsperiode zu betrachten erzogen sind, vermutlich als das dunkle Kapitel der Menschheit ansehen, das den Müll anbetete, alle Rohstoffe der Erde verfeuerte und gar nicht genug davon kriegen konnte, immer mehr Zeug herzustellen, das allein dem Zweck diente, so bald wie möglich wieder weggeworfen zu sein. Man sieht es dem Planeten längst an, er ist eine Müllkippe und er wird es bleiben, solange sich Menschen von Steve Jobs und seiner Kaste sagen lassen, was sie brauchen und wie viel davon und warum. Jobsoide Führungskräfte sind nicht weise. Sie sagen Dinge wie "That's why I think death is the most wonderful invention of life. It purges the system of these old models that are obsolete." Im Grunde beten sie den Tod an, weil nur er neues "Wachstum" erlaubt. Lauter Priester des Wegschmeissens. Wo sind die Priester des Behaltens? Manufactum? Es gibt sie noch, die guten alten Wegschmeissdinge. Ist doch egal, ob man neues Zeug oder altes wegschmeisst, Hauptsache Geld kommt in Umlauf und Arbeitszeit wird vernichtet. Steve Jobs ist unter den Propheten des Wegschmeisskapitalismus einer der schlimmsten. Er schafft es, dass die Menschen applaudieren und in Ekstase geraten, wenn er, ein leidender Jesus des Konsums, das immer gleiche Passionsspiel mit liturgischer Präzision wiederholt und wiederholt. Nach der Floskel "one more thing" kommt so sicher wie das Amen in der Kirche der nächste Grund, wieder etwas wegzuschmeissen.
Der Herrgottswinkel der Gegenwart ist das Mülltonnenhäuschen. Solange die Tonne täglich voll wird, haben sich die Götter noch nicht von uns abgewandt und schicken uns auch noch die zweitausendste Haarshampoosorte, den hundertsten SUV, die millionste Band, die wie die Beatles klingt, und irgendwann endlich den Apple Fernseher. In dem sehen wir uns dann doppelt so überzeugt die Werbung zu dem ganzen Zeug an, das wir anschaffen dürfen – für die Tonne, wofür sonst.
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Despotensöhne

Noch ein Grund weshalb die Alleinherrscher weg müssen: Es kommt ja nichts Besseres nach. Der Terrorist Gaddafi hat angeblich sieben Söhne. Die bewegen sich – 5 Minuten gegoogelt – so durch die Welt: Man befreundet sich mit dem glücklicher Weise inzwischen verstorbenen Haider, prügelt Schweizer Hotelpersonal nieder, wird deswegen von der braven Kantonspolizei verhaftet und piesakt vertragsbrüchig schließlich aus der Schweiz eine Entschuldigung für ihren Rechtsstaat heraus. In Ligurien quartiert man sich einen Monat mit Hinz, Kunz und Hund im Luxushotel ein, prellt die Zeche von knapp 400.000 Euro, zwischendurch wird einer der Diktatorennachfolger schon mal mit 140 km/h in der Pariser Innenstadt geblitzt. Es versteht sich von selbst, dass heute einer dieser Thronanwärter seiner Bevölkerung erklären darf, er werde jeden umbringen, der versucht Gaddafi zu stürzen. Jeder Mafioso würde sich gern so aufführen, wenn es ihm egal sein dürfte, dass man ihn danach kennt und er außerdem den Gaddafischen diplomatischen Schutz geniessen dürfte. Warum geniessen sie den? Warum küsst Westerwelle Achmachmirdenjihad die Füße? Damit die Bildreporter frei kommen? Nein. Weil Siemens mit diesen Ländern Geschäfte machen möchte. Das alles wird toleriert, damit die Aktionäre maximal befriedigt werden. Ich weiß es nicht, würde aber stark vermuten, dass Gaddafi Siemensaktien hält.

Die Demokratie hat Nachteile. Ihr größter ist, dass sie der dämlichen Konkurrenz-Profit-Maschine nichts entgegensetzen kann. Aber sie macht es Familien etwas schwerer, sich in der Herrschaft festzusetzen. Und für diesen Schritt aus der Wüste hinaus in Richtung Zivilisation will ich sie loben.
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Gesamtkunstwerk

Die FAZ malt mir den Guttenberg, das Gesamtkunstwerk aus Gel, Geld und Gewäsch, so:
"Jetzt wird zum Problem, dass Guttenberg als eine Art Gesamtkunstwerk wahrgenommen wird: ein Baron, der gute Manieren hat und exzellent gekleidet ist, zwar eitel, aber nicht zu überheblich, finanziell unabhängig, also auf die Politik nicht angewiesen und damit glaubhaft, gleichzeitig rede- und auftrittsgewandt und einer, der Probleme „direkt anspricht“, dies alles eingebettet in eine familiäre Idylle."

Ich stutze bei dem Hinweis, Guttenberg sei "finanziell unabhängig, also auf die Politik nicht angewiesen und damit glaubhaft". Guttenberg ist Multimillionär und insofern durchaus finanziell unabhängig, die Folgerungen daraus kommen mir allerdings etwas gewagt vor, schließlich würde niemand von Berlusconi behaupten, er sei glaubhaft, weil finanziell unabhängig. Das Gegenteil wird vermutet. Der Mann lebt lustvoll ein Leben, das unabhängige, italienische Journalisten als permanenten Interessenskonflikt beschreiben. Er soll als Politiker das Allgemeinwohl mehren, als Unternehmer aber sein Kapital. Das geht nicht zusammen, wenn die politische Kaste ihrer Bestimmung nach über die Rahmenbedingungen des kapitalistischen Wirtschaftens wacht, also beispielsweise über freie Märkte und die Verhinderung von Monopolen.

Bei Guttenberg soll das genau umgekehrt sein. Er ist steinreich, engagiert sich aber in der ihm wesensfremden Politik als einer der wenigen, die nicht bestochen werden können. Das Argument ist von erlesener Hirnrissigkeit. Es setzt zwei Seiten des öffentlichen Lebens voraus: Die Kaste der von Bestechung bedrohten, unterbezahlten Politiker und die reichen potentiellen Bestecher. Was wird besser, wenn der Bestecher die Seite wechselt? Nichts. Man kann ihn nicht bestechen? Man muss es nicht. Er teilt die Ziele der Kapitalisten doch sowieso. Als Politiker ist er nur näher dran an seinen hilfreichen Lakaien und kann als Verteidigungsminister selbst für das sorgen, was das Kapital braucht, z. B. Zugang zu Märkten.

Menschenkundlich interessanter ist die Frage, warum sich ein Baron, dem ein sorgenfreies Leben in die Wiege gelegt wurde, das antut? Die Kameras, die Sitzungen, die unbequemen Reisen, das Merkel, den Seehofer, den vollen Terminkalender? Schwer zu sagen. Es gibt genug andere, die diese Drecksarbeit als Aufstieg empfinden würden. Für Guttenberg ist es ein Abstieg von der Beletage in die Wirtschaftsräume, wo die Staatsdiener wuseln und schwitzen. Warum also macht er da mit? Vielleicht geht es ihm hier genauso wie bei seiner Dissertation: Er ist ein Adabei und ein Geck aber tragischer Weise dabei auch noch dämlich.
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Alle lieben Klassenclown Gutti und lassen ihn abschreiben

Alle, die ihn am liebsten abschreiben würden, freuen sich, dass er so dämlich war, seine Doktorarbeit abzuschreiben. Wundern muss man sich darüber nicht. Zur Erinnerung:

"Wie viel leichter scheint es jetzt, sich ein Urteil über diese Frage der Angemessenheit zu bilden aus der Distanz mit auch für mich zahlreichen neuen Dokumenten mit neuen Bewertungen, die ich am 6. November dieses Jahres noch nicht hatte. Aus heutiger, objektiver Sicht im Lichte aller auch mir damals vorenthaltener Dokumente ist der Angriff militärisch nicht angemessen gewesen."

Wer so spricht, kann auch nicht schreiben. Er muss sich also etwas würdelos helfen lassen, wenn er die Doktorwürde erwerben möchte. Sein Doktorvater an der juristischen Fakultät in Bayreuth wusste das vermutlich sehr genau. Er kuschte aber vor der adligen, schwerreichen Nobilität und schleimte sich ganz Knecht mit einem Summa cum laude bei dem Herren ein. So weit so absehbar. Ähnlich machte es die Köhler ja auch, die in Ihrer brillanten Arbeit empirisch abgesichert herausfand, dass CDU-Mitglieder tatsächlich denken, wie CDU-Mitglieder eben denken.

Was dann aber doch ein wenig zu weit geht, ist das Engagement der in Erlangen erscheinenden Zeitschrift "Sprachwelt" für den radebrechenden Plagiator: Die zeichnete Guttenberg 2010 als "Sprachwahrer des Jahres" aus. Weder der Duden noch der Dornseiff kennen den Begriff "Sprachwahrer". Auch im Grimmschen Wörterbuch ist er vollkommen unbekannt. Es beruhigt mich ein wenig, dass die Jury erst ein Wort erfinden musste, um Guttenberg für sein Deutsch ehren zu können, aber es beruhigt mich nur ein wenig. Die Erlanger loben nämlich mit dem seltsamen Wort explizit den "ehrlichen Umgang mit der Sprache", den der Verteidigungsminister angeblich übe. Sollte sich dieser Sprachgebrauch durchsetzen, wundern sie sich bitte nicht, wenn ihre Lebensabschnittsgefährtin vor ihnen schreiend davonläuft, sobald sie ihr versprechen, in Zukunft mit ihr ehrlich umgehen zu wollen – wer lässt sich schon gern vergewaltigen?
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Graceland

I
Ich habe viel Zeit. Sie fragen sich, was ich mit der anfange? Oft spaziere ich in den Elvis Presley Boulevard und stelle mich vor das Gelände, das Sie hier „the kings kitschy home“ nennen. Dann höre ich den Touristen zu, die in die grüne Pracht von Graceland starren und noch bevor sie anfangen zu sprechen, weiß ich schon, was sie sagen werden. Sie alle erzählen mir zuerst, was sie sehen, die prächtigen Gärten, die auf den ersten Blick gar nicht so auffällige Villa, danach ehrfürchtige Anekdoten über den King, seine Stimme, seinen Hüftschwung, den märchenhaften Lebensstil. Und am Ende natürlich glücklich ergriffene Worte über das Unglück und den zu frühen Tod dieses großen Rock n Roll Stars. Lebt er noch unerkannt irgendwo? Sie streiten im Scherz. Nein, er lebt nur noch in ihren Herzen. Auch das ist ihnen etwas wert. Aus Europa kommen sie, aus Russland, sogar von Japan reisen sie an, kleine Tokyoten mit offenen Mündern, mit gefestigter Haartolle, Sonnenbrille, in strahlend weiße, gewissenhaft mit Pailletten bestickte Fransenanzüge gesteckt, die bleichen Wangen mit dicken Koteletten beklebt. Sie wollen sein wie er. Das ist Memphis. Elvis lebt, aber ich, Bruce Hall, gehe hier ein.

II
Werktags, wenn die meisten anderen Einwohner von Memphis ihre Zeit mit Arbeit tot schlagen, habe ich frei. Ich wehre mich dagegen, als armer Arbeitsloser betrachtet zu werden. Ich bin ein Freiherr und ein Sekundenmillionär. Diese Stadt dagegen ist arm. Sie hat keine Zeit, sie zahlt monatlich mehrere Millionen Dollar Zinstilgung für ständig wachsende Kredite und hat verständlicherweise kein Geld mehr übrig für Kindergärten und andere Kostenstellen wie mich. Ich dagegen bin unter anderem deshalb so reich, weil ich mich nie mit einem Kreditinstitut eingelassen habe. Nie. Eine Bank ist kein vertrauenswürdiger Ort für mich. Da hängen schräg oben im Foyer immer Kameras von den Decken. Bewaffnete Wachleute glotzen dich an. Wer so viel Schutz braucht, lenkt einen Verdacht auf sich. Den Verdacht, er verdanke seinen Reichtum der bloßen Gewalt. Sie mögen mich für etwas überspannt halten. Aber ich glaube, im Leben zu bestehen, ist eine Frage der Vorsicht und des Betrachtungswinkels. Vorsichtig bin ich schon. Und von ganz unten gesehen, geht es mir auch recht gut.

Aber manchmal, wenn ich unter der Woche wieder vor Graceland sitze und den Touristen zuhöre, schweifen meine Gedanken ab und ich stelle mir vor, wie es wäre, einmal, nur einmal das Geld zu besitzen, um Memphis zu verlassen. Wahrscheinlich sehr lange zu verlassen und sehr weit fort zu gehen. Vielleicht nach Japan, dort gibt es wunderschöne alte botanische Gärten in kleinen wohlriechenden Parks mit Papierpavillons und seltenen Karpfen in den Teichen. Ich schnuppere so gerne an allem, was blüht. Hier riecht es, wie nur amerikanische Großstädte riechen können. Aus der Perspektive der Hunde, die um mich herumstreichen, ist Memphis sicher großartig. Eine olphaktorisch hochinteressante, mit erlesenen Variationen von Abgasen, allerlei Beutefleischbouquets und feinstem Urin aromatisierte Jagdzone. Viel schöner als der Blütenduft, der mich entzückt. Aus meiner Perspektive ist Memphis das Anti-Rom, der Ort, von dem alle Straßen wegführen. Das finstere Land Mordor, in dem ich mein Leben verschlafe. - Ab und zu reißt mich ein Klimpern aus meinen Träumen. Irgendwelche Gracelandbesucher werfen mir kleine Geldstücke zu, vermutlich weil ich blind bin und meinen Hut wie einen Teller auf den Gehsteig lege, bevor ich mich etwas ausruhe. Ich wehre mich dagegen nicht, das Geld kann ich gebrauchen, es reicht für die Miete und für etwas zu essen. Es reicht nicht, um hier zu verschwinden.

III
Ich sagte, ich habe viel Zeit. Das stimmt. Andererseits: Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren. Sie müssen wissen, dass ich schon bald 48 Jahre alt werde. Mein Leben war bislang nicht im eigentlichen Sinne erfolgreich zu nennen. Details werde ich Ihnen ersparen, aber die Bilanz ist durchaus kritisch. Auf allen drei gesellschaftlich beachteten Erfolgsskalen, Kapital, Sex und Ruhm, bin ich am untersten Ende zu finden. Verstehen Sie mich recht. Ich beneide die Lohnabhängigen nicht. Ich bin auch nicht hässlich oder unbegabt. Ich kann nur nicht sehen und meine Kraft liegt eher in meiner ruhigen angenehmen Persönlichkeit als in meinem Ehrgeiz. Ich falle nicht sehr auf und bin niemandem lästig. Wird dennoch einer auf mich aufmerksam, zwingt ihn die Magie meines Wesens, mir etwas Geld zu geben. Das ist nicht nichts, aber selbst Elvis wäre damit nicht groß in der Welt herumgekommen. Deshalb muss ich mir wohl eine Alternative ausdenken. Mein Leben braucht eine neue Vision, eine bereichernde Tat. Ich habe da auch schon eine Idee. Aber ich weiß nicht, ob ich mich das trauen kann,- das Geld einfach zu rauben.

IV
Es ist besser, es nicht zu tun, wenn man es nicht kann. Das sagt mir die Vorsicht und meine Erfahrung. Ich bin manchmal ein bisschen zu ungeschickt, um sicher durch das Leben zu kommen. Nahezu täglich schreien mich Autofahrer an, weil sie mir plötzlich ausweichen müssen. Ich grüble und höre nicht, wenn sie auf mich zusteuern. Das ist gefährlich ungeschickt. Vor zwei Monaten konnte ich tagelang nichts essen vor Kummer. Ich hatte versehentlich die Tür sehr fest zugeworfen und „Billy the Kid“, meine Katze, dabei erschlagen. „Erschlagen“ ist auch die richtige Beschreibung meiner Seele nach diesem Attentat. Ich habe kaum Geld, aber mein Zimmer quillt über von den Zeitschriftenabonnements, die mir Vertreter an der Tür verkauften. Nicht dass ich die Zeitschriften lesen könnte, ich verheize sie im Winter. Eine teure Heizung, nur, ich kann nicht gut Nein sagen, wenn mir ein Zeitschriftenverkäufer unter Schluchzen von seiner kranken Familie erzählt. Das Leben unter Hyänen ist schwierig, wenn man eine angeborene Beißhemmung hat und nichts sieht. In einem Satz: Bruce, sei gescheit.

Gut, ich lasse es bleiben. Ich werde mir kein Geld organisieren, ich lasse es mir auch in Zukunft von Touristen zustecken. Irgendwann werde ich genug davon haben. So viel Zeit muss sein. Und ich habe viel Zeit.


V
Süddeutsche Zeitung 10. Dez. 1999

BRUCE HALL, ein blinder Amerikaner, ist in Memphis bei dem Versuch festgenommen worden, eine Bank zu überfallen. Der 48 Jahre alte Hall hatte sich am Dienstag von einem Wachmann zur Kasse führen lassen und dort dem Kassierer eine Notiz zugeschoben, in der er Geld verlangte, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der Kassierer sagte zu dem in der Nähe stehenden Wachmann: „Es ist ein Überfall“ und gab Hall etwas Geld. Wachleute nahmen Hall fest, als er wegging. Er hatte keine Waffe.
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Mahatma Westerwelle ermahnt zur Gewaltfreiheit

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) ermahnte die algerische Führung, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Die Regierung müsse sich dafür einsetzen, dass grundlegende Menschenrechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert würden, sagte Westerwelle im Deutschlandfunk.

Mit Gewaltfreiheit meint er vermutlich den deutschen Usus im Umgang mit missliebigen Demonstranten:
(Bilder stammen von hier)
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Westerwelle reist nach Tunis – aber nie ohne seinen Fettnapf

Der ideelle Gesamtvertriebs-Mitarbeiter der deutschen Industrie trifft verblüffend off topic in Tunis den Minister für Sport und Jugend, Slim Amamou, der bis vor kurzem als Blogger und Twitterer Slim404 den Umsturz befördern half. Was will Westerwelle von dem? Was kann er mit ihm Hilfreiches vereinbaren? Was interessiert ihn an dem? Was bringt er ihm als Gastgeschenk mit? Dreimal "nichts" und einmal ein Stifte-Set mit Bundesadler.
So bekommt man eine halbe Seite public relations gratis in der SZ für Guido "Jugend & Revolutionen" Westerwelle und kann gleichzeitig dem renitenten Bloggerchen als Laufbursche des deutschen Großkapitals durch die Stifte sagen: Benimm Dich, Du afrikanischer Lakai, und vergiss nicht: Die Stifte sind zum Unterzeichnen da – das Logo zeigt Dir immer unter welchem Vertragsangebot.
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Obama overnewsed and underinformed

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Mubarak lenkt ein

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Hartz IV Verhandlungen gescheitert

Koalition und Opposition konnten sich trotz aller Appelle und Drohungen in der Nacht nicht einigen.

Appelle? Drohungen? Ich stelle mir das so vor:

von der Leyen: Ich appelliere zum letzten Mal: Kompromieren Sie!
Manuela Schwesig: Kompro-was?
von der Leyen: Ein Kompromiss. Wir brauchen einen Kompromiss.
Manuela Schwesig: Drohen Sie mir nicht mit Kompromiss! Ein Kompromiss steht nicht auf dem Zettel, den mir die Genossen zugesteckt haben.
von der Leyen: Was steht denn auf dem Zettel?
Manuela Schwesig: Halt durch Manu. Wir warten an der Bar auf Dich.
von der Leyen: Da wär ich jetzt auch gern. Lassen Sie uns das unterschreiben und wir gehen einen trinken.
Manuela Schwesig (schiebt ihr einen Stapel Papier über den Tisch): Da hin muss die Unterschrift.
von der Leyen: Nee, ich denke, wir unterschreiben besser meinen Entwurf.
Manuela Schwesig: Niemals! Ich appelliere an Ihr Gewissen. Die Kinder, von der Leyen, denken Sie an die Kinder!
von der Leyen: Wieso? Um die kümmert sich mein Mann oder die Dings, die da von den Philippinen, sie wissen schon.
Manuela Schwesig: Ich meine die armen Kinder! Ihnen droht tiefe, Politikverdrossenheit schürende Armut, habe ich irgendwo gelesen.
von der Leyen: Lesen Sie lieber das hier und dann kritzeln Sie Ihren albernen Namen drunter und aus. Ich möchte nach Hause.
Manuela Schwesig: Auf keinen Fall! Sie weisen meinen Appell zurück? Dann muss ich Ihnen drohen!
von der Leyen: Gerne. Womit denn?
Manuela Schwesig: Wechselwähler. Hartz IV treibt die Mitfühlenden unter ihren Stammwählern fort von der Union.
von der Leyen: Ja und? Wechselwähler sind kein Argument, davon steht nichts auf meinem Zettel.
Manuela Schwesig: Was für ein Zettel? Von wem haben Sie den?
von der Leyen: Na vom Keitel, der neuerdings den Henkel macht, und bei uns immer rumläuft. Nur zwei Sätze stehn drauf: Höheres Wachstum braucht ein klares ordnungspolitisches Fundament: Der Staat muss sich wieder zurücknehmen. So steht es da und nicht anders.
Manuela Schwesig: Warum hab ich den nicht?
von der Leyen: Weil Du nicht regierst, Herzchen.
Manuela Schwesig: Ein letztes Mal: Ich appelliere!
von der Leyen: Ich auch. Und ich drohe zu verhungern, lassen Sie uns gehn.
Manuela Schwesig: Und die Hartz IV Empfänger?
von der Leyen: Glauben sie, ich sitze hier wegen ein paar Millionen ausrangierter Leistungsverweigerer? Ich bin Bundesarbeitsministerin. Nicht Bundesnichtarbeitsministerin. Gehen wir.
Manuela Schwesig: O.K., sie zahlen den Prosecco, ich erklär´s kurz den Journalisten.
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Die ägyptische Muslimbruderschaft bedroht Israel?

Nein. Die wollen nur spielen. Am liebsten mit Atombomben.

"By May 17, 2006, Brotherhood deputies were openly attacking the Mubarak government for not pursuing an active nuclear program. Ikhwanonline, the official website of the Muslim Brotherhood, stated that Brotherhood “deputies accuse the government of abandoning the nuclear program and [being content with not] building atomic power plants for peaceful purposes and electricity production at the same time many other countries such as India advanced in this field.” [2] (India has not only developed nuclear power for electricity production, but used its peaceful nuclear program as a stepping stone to develop nuclear weapons.)

Despite this initial focus on peaceful nuclear energy, at a July 4, 2006, joint meeting of the foreign affairs, Arab, defense, and national security committees of the Egyptian parliament, Dr. Hamdi Hassan, spokesperson of the Muslim Brotherhood parliamentary caucus, made clear that his organization was interested not merely in using nuclear power for meeting Egypt’s energy needs, but in creating an Egyptian nuclear deterrent: “We [Egyptians] are ready to starve in order to own a nuclear weapon that will represent a real deterrent and will be decisive in the Arab-Israeli conflict.


Natürlich ist das eine offizielle U.S.-Meldung, aber ist sie deshalb schon falsch? Die Zitate sind jedenfalls mit Belegen versehen (die mir leider nichts nutzen, weil ich kein arabisch verstehe.)
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Judges Cut

Das ist ja mal hübsch: Der empfehlenswerte Film des NDR zur Maschmeyer-Schröder-e.a.-Connection wird nun als "judges cut " effektvoll zensiert gezeigt. Was lerne ich daraus? Ein Kapitalismus, der Anwälte hat, spart sich die staatliche Zensur.
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Mubarak sucht Rat

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Hilfe! Die Kirche reißt sich selbst ab

Katholisch ist bei manchen wieder in. Seit der Mosebach die Liturgie als mysterium fascinosum et tremendum für sich entdeckt hat (Martin Mosebach: Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind), darf man Männer in Frauenkleidern, die in einschüchternd dominanten, mit sadomasochistischen Kunstwerken verzierten Großbauten was Unverständliches murmeln und duftende Fässchen schwenken, wieder irgendwie cool und arty finden. Nur sieben Jahre nach Mosebachs Streitschrift, kam diese inzwischen 200 Jahre alte Lieblingsidee alternder Romantiker dann auch bei Matussek an.

Und Matthias Matussek schaltet sich umgehend und machtvoll in die Debatte ein. Es geht diesmal um alles, um den Abriss der katholischen Kirche, um den Zölibat. Denn diese langweilige, verdruckste Lebensform frommer Spassbremsen hält er für ein "katholisches Abenteuer". Das katholische Abenteuer sieht, nur zur Erinnerung, bei den Besten der besten Katholiken so aus:

"In diese Versuchung gestellt, kämpfe ich täglich gegen die Begier zu essen und zu trinken: denn nicht ist es möglich, dass ich es ein für allemal abschneiden kann und es nicht mehr zu berühren beschließe, so wie ich es beim Beischlaf vermocht habe. […] Über die Versuchung der Wohlgerüche ängstige ich mich nicht zu sehr. […] Die Vergnügungen der Ohren nahmen mich fester in Beschlag und unterjochten mich. […] Durch solche Versuchungen werden wir täglich versucht, o Herr; ohne Aufhören werden wir versucht. Der tägliche Versuchsofen ist die menschliche Zunge…" (Augustinus, Confessiones)

Matusseks Versuchsofen läuft auf Hochtouren, wenn er versucht, seine Untergangsängste in markige Worte zu fassen: "Rechtzeitig vor dem Papstbesuch bereiten deutsche Theologen und Politiker den Abriss der katholischen Kirche vor". "Rechtzeitig" können Sie streichen, da hat der dicke Matussek sich nur bemüht, seinen Satz mit etwas Ironie zu würzen. Den Rest versuche ich Ihnen zu erklären: Gemeint sind nicht ein paar neue Martin Luther, Freimaurer und die Linke, die mit der Abrissbirne die Engelsburg demolieren wollen, sondern allen Ernstes katholische Theologieprofessoren und die CDU. Die C D U. Ein kirchlicher Selbstabriß. Diese Speerspitze des Laizismus und der Kirchenkritik schmäht angeblich den Vatikan als "verknöcherte, handlungsunfähige Bastion Ewiggestriger". Obwohl der doch als eine betonierte, handlungsunwillige Bastion Ultrakonservativer zu loben ist.

Dabei sollte sich die CDU beim Abbau der katholischen Kirche etwas einbremsen. So ein Zölibat hat ja auch sein Gutes, nicht? Jedenfalls was Sportliches, meint Matussek ("spirituelle Höchstleistungssportler"), wie ja auch ein Bewegungsasket, der bleiern auf der Couch liegt, ein Höchstleistungssportler des Laufverzichts genannt werden kann. Wertvoll ist der Nosex-Sport allerdings nur, wenn er ein Akt des Gehorsams ist. Es reicht nicht, dem Augustinus folgend enthaltsam sein zu wollen, dazu gehört zwingend auch das dienstliche Sollen. Das Amt macht den Unterschied, sagt Ratzinger, sagt Matussek: "Wenn der Zölibat […] nicht eine gemeinschaftliche kirchliche Form ist, sondern eine private Entscheidung, dann […] ist er […] Eigenbrödlerei, die deshalb mit gutem Grund verschwindet." Als Amtsbrödlerei aber ist der Zölibat ganz unverzichtbar. Denn nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches und dem Ende der RAF schenkt er alleine uns noch "eine antibürgerliche Gegenwelt inmitten der unsrigen".

Um seine reaktionäre Rage voll auszukosten, fällt Matussek dann gleich noch öffentlich auf die Knie vor einer gesellschaftlichen Rolle, die bereits in der Antike als eine autoritäre Zumutung empfunden wurde und als ein Betrug durchschaut war: "Er [der Priester] ist die auratische Respektsperson, der man aus einer Andachtsdistanz heraus begegnet. Wollen wir das aufgeben für die ganz gewöhnlichen Klarsichtfolien-Betriebsnudeln, denen man […] auf Kirche-von-unten-Flohmärkten begegnen kann?" Das mit den Klarsichtfolien habe ich nicht verstanden. Vielleicht meint er künstliche Plastikfromme, die ficken, im Unterschied zu natürlich gewachsenen, eher holzigen Priestern, die es sich verkneifen, wer weiß. Aus dieser respektvollen Andachtsdistanz heraus gelingt ihm dann noch ein nicht minder wachrüttelnder Schlusssatz. Warum braucht es die keuschen Priester? "Weil sie uns allen, mitten im Alltag, eine Ahnung geben, dass es im Leben um mehr gehen kann als darum, sich den Wanst vollzuhauen." Verstehe. Es geht im Leben nicht nur um so etwas Schnödes, wie sich satt zu essen. Es geht auch darum, keinen Sex zu haben. Ich werde den Verdacht nicht los, er glaubt das selbst nicht. Warum auch.


Nachschlag: Auf Matusseks Homepage steht ein Video, dessen Inhalt er treffend – ich habe es geduldig zum größeren Teil angeschaut – so zusammenfasst: "Maria und die Milliardäre: Videoblogger Matussek ist als Partyflüsterer unterwegs. Auf der DLD-Konferenz in München mit Burda und den Internet-Zaren und im Berliner Soho-House auf der großen Freiheitsparty für Stuckrad-Barre." Der Partyflüsterer aus Sodom rettet den Zölibat und die antibürgerliche Gegenwelt. So sieht er aus.
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Von Tunesien lernen

In dem sehr lesenswerten Artikel von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken zum Aufstand in Tunis steht dieses schöne Zitat, ein Merksatz der Toleranz:
»Säkularismus ist, wenn Juden in Synagogen, Christen in Kirchen und Muslime in Moscheen Gottesdienste abhalten und die Atheisten derweil im Café sitzen. Aber auf der Straße sind wir alle nur Citoyens.«
Wenn die Radikalreligiösen doch wenigstens dieses Eine verstehen wollten: Nur der säkulare Staat kann die freie Religionsausübung garantieren. In jedem radikalreligiösen Staat ist die Religionsfreiheit vorbei. Das kennen wir im Keim auch in Deutschland. Sobald die Kirchen im laizistischen Staat irgendein eigenes Recht etablieren dürfen, beginnt unweigerlich die Diskriminierung, z. B. am Arbeitsplatz. „Wer nicht gottgefällig lebt, wer sich scheiden lässt, sich nicht so gibt, wie sich die Kirche das Leben eines Christenmenschen vorstellt, muss mit seiner Kündigung rechnen.
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Israel, analysiert und bekopfschüttelt

Eine Analyse von Sonja Zekri“ in der SZ geht so: Die Israelische Regierung fürchtet sich vor der Revolte in Ägypten und tut das ihren Verbündeten im Westen auch noch kund. So weit, so spielverderberisch. Aber:
Was hätte es Israel gekostet, sich nach dem "Marsch der Million", vielleicht nach dem Überfall auf die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz als Partner eines freien Ägyptens anzubieten, eines Ägyptens, das den Friedensvertrag mit Israel und demokratische Standards gleichermaßen achtet? Man muss den Muslimbrüdern, Ägyptens stärkster organisierter Oppositionskraft, nicht vertrauen. Noch aber haben selbst sie die Einhaltung internationaler Verträge gelobt.“
Dazu gibt es auch andere Informationen. Aber was kümmert das Frau Zekri, wenn Israel gerade die historische Chance verpasst, die aufgeklärte, demokratische, moderne Sonja Zekri für sich einzunehmen?
Inzwischen scheint man auch in Tel Aviv zu ahnen, dass die Denunzierung des ägyptischen Aufstands möglicherweise eben jene aufgeklärten, demokratischen, modernen Menschen gegen Israel aufbringt, mit denen sich ein stabiler Frieden machen ließe.
Das ist seit Judas Ischariot wahrscheinlich die älteste antisemitische „Analyse“: Die Juden erschaffen sich die Antisemiten selbst durch ihr dummes Denunziantentum, Heilandsverrat und andere Brunnenvergiftereien mehr.
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Götters erster Streich: 17.2., 19 Uhr, Galerie Kalt



HOLZ

Zum ersten Mal: Lothar Götters Kunst als Triplefeature in der Galerie Kalt, Guldeinstr. 40a, München.
1 Zuerst zurück zu den Wurzeln. Unter dem Titel „Holz“ zeigt Götter Planair-Malerei in bayerischer Waldesinnerlichkeit.
2 Von den deutschen Eichen geklettert übermalt er sein Heimatschland so, wie ihm Doc Vogl in Reim & Bild ein Andenken gestiftet hat.
3 Am Ende wird in seinem globalen Gesichtsbuch alles gut und Götter, Dr. Vogl und – bitte sehr – auch Sie werden freund. Als Portraitierte.

Vernissagen:

Lothar Götter: Holz 17.02.,
Lothar Götter& Dr Vogl: Heimatschland 24.3.
Lothar Götter: Gesichtsbuch 5.5.

Ich werde die nächsten beiden Vernissagen rechtzeitig ankündigen.
Wir sehen uns?
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Die leise Stimme der Vernunft

Bradley Burston hat einen Artikel geschrieben: „As an Israeli, I want the Egyptians to win“. Er ist deshalb einigen Kommentatoren nachzusprechen „der Dorfdepp“, „ein Verräter“, „simplifizierend“, ein „Schlafwandler“, kurz: ein vernünftiger Mensch.
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Sozialdemokraten aller Länder zerstreut euch auf nimmer wiedersehen


Martin Schulz, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament und Vertreter der politischen Klasse, äußert sich:„Ich wundere mich, dass die politische Klasse in Europa nicht in der Lage ist, sich über die Freiheitsbewegung in Ägypten einfach zu freuen. Überall hört man von großer Sorge, nirgendwo von großer Freude", erklärte Schulz.“

Dabei sollte er am besten wissen, warum das so ist. Schließlich war die NVD, Mubaraks Partei im ägyptischen Parlament, bis zum 31.01.2011 Mitglied der Sozialistischen Internationale, wo der greise Despot mit Sigmar Gabriel, dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, über den sozialistischen Fortschritt in der Welt parlieren durfte. Dass Gabriel dem 40 Milliarden Dollar schweren Volksfreund als guter Sozialdemokrat dabei ein ums andere Mal von Genosse zu Genosse den Rücktritt nahe gelegt und sicher schelmisch bemerkt hatte, dass er sich über eine Freiheitsbewegung in Ägypten einfach nur freuen könnte, versteht sich von selbst.

Alles, was man dazu sagen muss, hat Sigmar Gabriel längst ausgesprochen: „Die SPD muss sich entscheiden, ob sie so sein will, wie viele Menschen es den Parteien unterstellen – nämlich gnadenlos opportunistisch auch dann, wenn es im grundlegende Werte geht.“ Diese Entscheidung haben er und seinesgleichen getroffen.

By the way:

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Diese Eintrittskarte führt – man weiß es von Schröder, dem der Satz entliehen ist – von hinten unten direkt ins Großkapital. Z. B. bei der Sozialistischen Internationale.

Einem Hinweis von Straker aus Leidenschaft verdanke ich diesen Einblick in die Verfassung unserer Sozialdemokratie. Doktor Vogl sagt danke.
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Freiheit, Gleichheit, Muslimbrüderlichkeit

Rashad al-Bayoumi said the peace treaty with Israel will be abolished after a provisional government is formed by the movement and other Egypt's opposition parties.
"After President Mubarak steps down and a provisional government is formed, there is a need to dissolve the peace treaty with Israel," al-Bayoumi said.


Das wäre also das Erste, Prio One, was die Brüder auf der Agenda haben, sollte auch nur eine provisorische Regierung nach Mubarak gebildet werden. Es gibt für ein ausgebeutetes Land, das gerade seinen Diktator abgeschüttelt hat, ja auch nichts Wichtigeres als dem Nachbarstaat den Frieden aufzukündigen.
Was die Radikalen an der Revolte erregt, ist die Revolte. Sie haben kein anderes Ziel als die Zerstörung. Um das zu erreichen, lassen Sie sich bevorzugt von israelischen Panzern helfen. Dann kommt die zweite nicht minder bescheuerte Pose der Radikalreligiösen zur Anwendung: Schiess auf mich, Ungläubiger, und mach mich zum Märtyrer. Warum um Himmels willen werden die an einer provisorischen Regierungsbildung überhaupt beteiligt? Rätselhaftes Morgenland.
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Niebel übt sich in Geduld

Wenn der einzige Entwicklungshilfeminister der Welt, der explizit keiner sein will, mit seiner Entourage an Auftragsabgreifern der deutschen Wirtschaft in Bagdad am Flughafen mal „fast zwei Stunden“ warten muss, dann folgert er: "Der Übergang von einem staatlich gelenkten System zu einem freiheitlichen wird wohl noch ein längeres Stück brauchen.“
Was er wohl sagen würde, müsste er sich einmal bei der Agentur für Arbeit unter die Suchenden einreihen?
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Werden Sie freund!

gesichtsbuch

Bei Interesse: Foto an kontakt@lothargoetter.de
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schön, wenn in Djerba Mohammed und Chaim zusammen in die Schule gehen

Sehr interessant zu lesen und live aus Tunis: Der Wadi Blog. Man bekommt auch einen Eindruck davon, wie schwer es ist, zuverlässige Informationen darüber zu erhalten, was wohl tatsächlich geschieht in den Revolten. Ein paar „Leute von der Straße“ kommen hier zu Wort.

Das hier, ein Interview zu Ägypten mit Hamed Abdel-Samad, gefällt mir so gut, dass ich es einfach glauben w i l l (Sie sollten mich vor dieser Schwäche natürlich warnen):

Wie groß ist die Gefahr, dass die Muslimbrüder die von den Zivilisten ausgehenden Aufstände nutzen und sich an die Spitze der Bewegung setzen?
Selbstverständlich gibt es vereinzelt Muslimbrüder, die sich unter die Demonstrierenden mischen. Die Islamisten aber sind in der Minderheit und werden von allen Bürgern sofort zurechtgewiesen, wenn sie ihre Parolen rufen. Sie müssen wissen: Mubarak verkauft dem Westen seit rund 30 Jahren erfolgreich die Illusion, dass er die einzige Alternative zu den Islamisten sei.

Ein Irrtum, wie sich spätestens jetzt herausstellt.
Ein grandioser Irrtum. Es gibt mittlerweile eine neue Genration, die überhaupt nichts mit den Islamisten zu tun haben möchte: die Facebook-Generation. Und diese will Veränderung, Demokratie, Freiheit und Wohlstand. Sie wird sich dieses Mal nicht mit Weniger zufrieden geben.
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Das Hirn voller Jihad und den Mund voller Kreide

Das schlimme bei der schönen Revolution in Ägypten ist, man weiß nicht, wer am Ende mit Madam Freiheit ins Bett darf.

Die Kreide fressenden Muslimbrüder?
13:26 Uhr Ein Vertreter der Muslimbrüder bekräftigt bei al-Dschasira, dass niemand von seiner Bewegung mit Mubarak reden wolle. "Unsere erste Forderung lautet: Mubarak muss zurücktreten", sagt der Islamist, "wir trauen ihm nicht und wir glauben auch nicht, dass er zu Reformen fähig ist". Während der Muslimbruder diese Sätze sagt, zeigt der Sender erneut eine Mubarak-Puppe am Galgen - mit einem Davidstern auf der aufgemalten Krawatte.
Dann wird es für Israel sehr ernst.

Oder gewinnt die gebildete Mittelschicht? Wie in Tunesien, wo die Bürger gerne die französische Revolution nachholen möchten und einen laizistischen Staat wünschen, in dem die Muslimbrüder freilich außer Gebeten nichts zu sagen hätten. Bei Wadi steht dazu hoffnungsfroh:
„Unsere Freunde aus Libyen, Jordanien, Syrien, Algerien, Mauretanien und nicht zuletzt Ägypten (…) schauen auf uns mit traumerfüllten Augen wie auf ein Bild von Delacroix. Die tunesische Marianne trägt die Fahne und führt das Volk an. Endlich ist die “Büchse der Pandorra” geöffnet worden. (…) Wenn Tunesien erwacht, bebt die arabische Welt”

Eben Marianne, nicht irgendwelche Bärtigen in der Nachfolge des Propheten.

[…] Marianne ist übers Meer gekommen und hat sich an die Spitze des Protestes gestellt -wir erleben hier offenbar so etwas wie die Geburt einer neuen Ikonographie.“


Mir wäre natürlich diese Marianne immer lieber als Tante Burka von der drögen Muslim-Bruderschaft. Finden Sie die Unterschiede selbst:
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