Elefantenjagd

Relativitätstheorie einmal ganz anschaulich: Der Raum muss im Kapitalismus gekrümmt sein, denn das obere und das untere Ende der Karriereleiter berühren sich im Unendlichen. Im unendlichen schwarzen Loch der vergeudeten Zeit. Von relevanter Arbeit befreit wie sonst nur ein Hartz 4 Empfänger sitzen die Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräte herum und kümmern sich um wichtigere Dinge. Zum Beispiel darum, was im Handelsblatt über sie geschrieben steht. Steht dort etwa, sie trügen "grelle Krawatten mit Jagdmotiven", dann kann das für einen Ferdinand Piech schonmal der Anlass für eine gerichtlich durchgesetzte Gegendarstellung sein.

„Der Verlag hatte daraufhin ein Foto des VW-Aufsichtsratschefs mit einer Krawatte präsentiert, auf der ein Mann mit Gewehr und ein Elefant zu sehen sind. Piëchs Anwalt Prinz behauptete, dass es sich eher um ein Kriegsmotiv handele. Das Gericht führte an, dass auf dem Elefanten ein Tragegestell zu sehen ist. "Transportelefanten werden in der Regel nicht bejagt", sagte ein Gerichtssprecher.“

Was wäre denn nun richtig gewesen? „Grelle Krawatten mit Kriegsmotiven“? „Grelle Krawatten mit bewaffneten Männern vor Transportelefanten“? Wir werden es nie erfahren. Was wir aber jetzt wissen, ist, was den Piech bis ins Grab quälen wird: seine grelle, elefantenfette Eitelkeit. Vielleicht sucht er sich ja ein harmloses Hobby, das seine freie Zeit ausfüllt – eventuell Krawatten mit Kriegsmotiven batiken – dann quält er nicht auch noch die Öffentlichkeit und die von solchen Promi-Ehrhändeln sicherlich genervten Gerichte damit.
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