Grenzprobleme in Kalifornien

Victor David Hanson ist ein studierter Mann. Er ist eloquent, sportlich und geht mit wachen Augen durch seine kalifornische Heimat. Was er sieht, ist Müll, dazwischen Aliens. In einem durchaus interessanten Artikel alarmiert er seine Freunde der oberen Mittelschicht Kaliforniens wegen der Gefahr aus dem Süden. Er rennt dabei offene Türen ein, wenn man sich die Kommentare zum Artikel anschaut. Warum ich das erwähne? Weil das Bürgertum in unserem Heimatschland offenbar die gleichen Ängste hat wie in Kalifornien und nach ähnlichen Lösungen sucht. Die Logik ist die Sarrazinsche: Schuld am allgemeinen Niedergang des Gemeinwesens ist immer der, der kein Mathe kann, den Müll aus dem Autofenster wirft und am Ende nicht mal von hier ist. Ergo wäre es besser, er bliebe da, wo er hergekommen ist. Das Problem wird an der Grenze zu Mexiko gelöst.

Es verblüfft mich immer wieder, wie intelligente Menschen, geht es um ihren bedrohten Wohlstand, sofort alles vergessen, was sie einmal gelernt haben und einen Buhmann suchen. Wenn das Geld im Gemeinwesen fehlt, wo ist es denn dann? In den Taschen der illegalen Immigranten? Da streut der Staat ein paar Peanuts hinein. Ansonsten gibt er sein Geld dafür aus, dem Kapital die möglichst reibungslose Akkumulation zu ermöglichen. Im Grunde ihres unschuldigen Herzens glauben sogar kalifornische Akademiker wie der Hanson, die Wirtschaft würde von Sekundärtugenden wie Fleiß, Unternehmertum und viel gutem Willen in Schwung gehalten (Attribute die den Mexikanern natürlich fehlen). Das gilt vielleicht für die Kita-Initiative seiner Frau, aber nicht für Apple oder General Electric. Da geht es nur um Kapitalakkumulation und die Erwirtschaftung von Reichtümern für eine kleine geschlossene Gesellschaft, die sich sehr gut abzugrenzen weiss. Vor allem von allen, die ihr in die Geldspeicher greifen wollen.

Die Grenze, an der das kalifornische Problem gelöst werden könnte, verläuft sicher nicht zwischen Mexiko und den USA. Sie verläuft zwischen Beverly Hills und den Slums von L. A. Sie zieht sich quer durch alle Länder der Erde und ist die am besten bewachte der Welt. Die Mexikaner wissen das und stehen vor der deprimierenden Frage: Welchen Slum hätten sie denn gern? Mexiko City? Dann doch lieber den mit den Peanuts in San Joaquin Valley.
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